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Anno 2070

Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:

Related Design

Erschienen bei:
Ubisoft

Alles ist wie immer, nur komplett anders. Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört beschreibt doch recht genau den jüngsten Teil der Anno Reihe.

Im Jahr 2070 gibt es aufgrund des Klimawandels gravierende Veränderungen auf der Erde. Ehemals blühende Städte und Länder sind untergegangen oder unbewohnbar, dafür wurde aus öden Landstrichen wertvolles Ackerland. Auch die Regierungen in Ihrer heutigen Form existieren nicht mehr. An Ihre Stelle sind Multinationale Konzerne getreten, die die Erde unter sich aufteilen. Aus zwei dieser Fraktionen kann der Spieler wählen. Zum einen die Ecos. Sie sind die „Grünen“ im Spiel. Idealistische Umweltaktivisten. Sie setzen auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien. Die Überreste der Erde zu schützen sehen sie als Ihre vorrangige Aufgabe. Zum anderen die Tycoons. Industriemagnate, denen die Umwelt relativ egal ist. Sie setzen auf Wirtschaftswachstum und Profit. Ihren Strom erzeugen sie aus Kohle oder Atomkraftwerken.

Beide Seiten haben Ihre Stärken und schwächen, ihre Vor- und Nachteile. Später mehr darüber. Anno 2070 bietet neben der Kampagne das bewährte Endlosspiel sowie einen Mehrspielerpart. Die Kampagne ist wenig fordernd und dient in erster Linie dazu, sich mit dem Spiel vertraut zu machen. Alte Anno Hasen finden sich aber ohnehin schnell im Spiel zurecht. Herzstück ist und bleibt das Endlosspiel. Nachdem sich der Spieler für eine der beiden Fraktionen entschieden und mit Hilfe verschiedener Optionen einen Schwierigkeitsgrad gewählt hat, beginnt das Spiel. Zunächst geht es darum eine geeignete Insel zu entdecken, ein Kontor, ein Stadtzentrum und Wohnhäuser zu errichten und so schließlich die erste kleine Siedlung zu gründen. Nun sollte man beginnen Nahrung für die Bewohner der Stadt zu produzieren. Bei den Ecos z.B. sind diese zu Beginn Fisch und Tee. Ganz wichtig ist natürlich auch die Produktion von Baustoffen, schließlich soll unsere Stadt schnell wachsen. Wenn es gelingt alle Bedürfnisse der Bewohner zu befriedigen, sind diese bereit zum Aufstieg in die nächste Zivilisationsstufe. So werden aus Arbeitern zunächst Angestellt und später Ingenieure.

Bei jedem Stufenanstieg entwickeln die Bewohner neue Bedürfnisse nach Waren oder Dienstleistungen, die erfüllt werden wollen. Beide Fraktionen verfügen über 4 Bevölkerungsstufen. Dass es mit fortlaufender Spieldauer immer schwieriger wird die benötigten Waren in ausreichender Menge zu produzieren versteht sich von selbst. Soweit ist alles wie bei den Vorgängerspielen dieser Reihe. Jedoch gibt es einige gravierende Änderungen. Neu sind zwei Faktoren, die das Spiel entscheidend beeinflussen, Energie und die Ökobilanz. Jeder verarbeitende Betrieb und jedes öffentliche Gebäude verbraucht Strom. Dieser muss mit Hilfe von Kraftwerken erzeugt werden. Ecos setzen hier auf Wind und Sonne, Tycoons auf fossile Brennstoffe und Kernkraft. Gleichzeitig beeinflussen die meisten Gebäude die Ökobilanz negativ. Bei einer schlechten Ökobilanz erzielen z.B. landwirtschaftliche Betriebe weniger Erträge oder die Ecos drohen mit Abwanderung. Mit verschiedenen Gebäuden wie z.B. einer Wetterstation kann die Ökobilanz positiv beeinflusst werden, jedoch verbraucht auch die Wetterstation Energie und wertvollen Bauplatz. Durch diese verschiedenen Faktoren ist es sehr schwer, eine vernünftige Balance zu finden. Erschwerend kommt hinzu dass all diese Gebäude einen Einflussbereich haben und sich ihre Effektivität verringert wenn sich diese Bereiche überschneiden.

Eine weitere Neuerung stellt eine dritte Fraktion da, die im Laufe des Spiels freigeschaltet wird, die Techs. Wissenschaftler, die sich selbst als die geistige Elite verstehen. Sie können mithilfe von U-Booten Betriebe unter Wasser errichten. Sie verfügen nur über 2 Entwicklungsstufen, ähnlich den Orientbewohnern in Anno 1404. Außerdem können die Techs in ihrer Akademie Forschung betreiben und so neue Technologien entwickeln, die im Laufe des Spiels sehr wertvoll werden können. Anno 2070 gestaltet sich mit fortlaufender Spieldauer immer komplexer. Ecos kämpfen mit Ihren sauberen aber wenig effektiven Technologien, die zudem viel Bauland verbrauchen. Bei den Tycoons stellt z.B. die katastrophale Ökobilanz echte Probleme dar. Die Warenketten werden im Laufe des Spiels sehr lang. Teilweise müssen erst zwei Zwischenprodukte erzeugt werden, bis man das eigentlich gewünschte Endprodukte erhält. Es gibt wieder Piraten, Aufträge, Diplomatie, die Computergegner agieren je nach Schwierigkeitsgrad wenig zimperlich. Kurzum, es gibt ständig etwas zu tun. Wenn man es dann geschafft hat die höchste Stufe zu erreichen, gibt es noch eine nette Überraschung die dem Spiel nochmals eine Wendung gibt. Was genau möchte ich hier aber nicht verraten, findet es selbst heraus.

Fazit: Die Vorgänger, speziell Anno 1404 besitzen ganz bestimmt mehr Charme. Dort wirken die Städte und ihre Bewohner einfach putziger und das Spiel besitzt mehr Atmosphäre. Anno 2070 kommt doch recht nüchtern daher, das ist aber vermutlich gewollt und letztendlich nur konsequent. Das große Plus ist die Komplexität des Spiels, mit zum Schluss drei spielbaren Fraktionen, zig Handelswaren und Produkten und den zugehörigen Produktionsketten, Unterwasserwelten, Forschung u.s.w. Alles zusammen sorgt ganz bestimmt für Wochenlangen Spielspaß. Technisch gibt es nichts zu bemängeln. Grafik und Sound sind über jeden Zweifel erhaben. Alte Annoholiker müssen sich bestimmt an das neue Design gewöhnen. Wer aber nach komplexer Aufbaustrategie sucht kommt an diesem Titel nicht vorbei.

Gerd Wild

Systemanforderungen:
Windows XP, Vista, Windows 7
Dual-Core 2 GHz
2 GB Ram
Grafikkarte mit 512 MB Ram (GeForce 7)

Gespielt mit:
Quad-Core 2,5 GHz
8 GB Ram
Radeon 4650, 1024 MB Ram