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Der Herr der Ringe - Die Schlacht um Mittelerde II

Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
EA Los Angeles

Erschienen bei:
Electronic Arts

Der berühmte Ringkrieg aus dem Tolkien Universum geht in die zweite Runde. Um nicht wieder auf denselben Schauplätzen die gleichen Schlachten schlagen zu müssen hat Electronic Arts tief in die Trickkiste gegriffen und die Buchvorlage des Meisters genauestens durchgelesen. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Eroberungsfeldzüge von Sauron im Norden, welche Tolkien im Buch zwar erwähnt aber nicht weiter thematisiert hatte.

Die Hintergrundstory des zweiten Teils wurde also fast komplett neu geschrieben und wird mit Zwischensequenzen, bei denen sich gezeichnete Standbilder übergangslos zu Grafiksequenzen wandeln gelungen in Szene gesetzt. Schlacht um Mittelerde bietet Euch grundsätzlich drei verschiedene Spielmodi. Da wären zum einen die Solo-Kampagnen für die Gute und die Böse Seite, die mit acht Missionen pro Seite aber etwas mager ausgefallen sind und zum anderen der Strategiekarten-Modus. Hier bewegt Ihr Eure Truppen Rundenweise auf der Weltkarte von Mittelerde, baut Gebäude und hebt Truppen aus. Kommt es zum Kampf, habt Ihr die Möglichkeit, den Computer für Euch kämpfen zu lassen oder selbst die Echtzeitschlacht zu schlagen.

Insgesamt ist die Karte in 38 Regionen unterteilt und Ihr könnt aus verschiednen Spielvarianten bzw. Siegbedingungen auswählen. Der Strategiekarten-Modus erinnert zunächst stark an die Medieval-Reihe, ist aber bei weitem nicht so groß und komplex sondern sehr einfach gestrickt. Schlussendlich dürft Ihr Euch noch alleine oder zu mehreren im Skirmish-Modus austoben. Sehr auffallend war, dass die gegnerische KI, welche sich in den Solokampagnen gerade nicht mit Ruhm bekleckerte, hier plötzlich ihre Zähne zeigte, was mitunter dafür sorgte, dass der Skirmish-Modus schon bald mein persönlicher Favorit wurde.Doch was gibt es Neues bei Mittelerde 2 zu bestaunen? Zunächst einmal die brachiale Optik. Hier haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet und gegenüber dem ersten Teil noch mal mächtig zugelegt. Schönere Echtzeitschlachten habe ich bisher noch nie auf einem PC bestaunen können.

Zusammen mit dem Original Soundtrack und den coolen Soundeffekten kommt hier echtes „Herr der Ringe Feeling“ auf, die Atmosphäre ist einfach bombastisch. Einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers, die vorbestimmten Bauplätze, gehören nun auch der Vergangenheit an. Endlich kann man seine Gebäude aufstellen wo man das auch will. Dem nicht genug dürft Ihr nun auch Mauern bauen und somit ein Bollwerk errichten. Der Mauerbau geht genial einfach von der Hand, kostet jedoch auch viel Rohstoffe. Leider wurde diese neue Funktion nicht gut umgesetzt. Die Mauern geben unter feindlichen Katapultbeschuss oder Steine werfenden Trollen viel zu schnell klein bei und sind damit eher kosmetischer Natur als von taktischem Nutzen. Hier sollte Electronic Arts unbedingt per Patch noch nachbessern, da das ansonsten tolle Feature ziemlich nutzlos wird. Ebenfalls nicht sehr gelungen sind die Formationsbefehle. Zwar stellen sich Eure Truppen brav und sinnvoll (Nahkämpfer vorne, Fernkämpfer hinten, Kavallerie auf die Flanken) gemäß Eurer Anweisungen brav in gewünschter Breite und Länge in Reih und Glied auf, doch schon nach dem erstem Feindkontakt zerbricht die Formation und die Übersichtlichkeit geht flöten.

Eine schöne Ergänzung sind dagegen die Seeschlachten in welche Ihr Euch bei Schlacht um Mittelerde 2 nun stürzen dürft. Sechs Rassen stehen Euch zur Wahl. Neuzugänge sind die Goblins, welche über Mauern klettern können, die kampfkräftigen Zwerge und die Elben, welche sich meisterhaft auf den Umgang mit Pfeil und Bogen verstehen. Die übrigen Parteien wie Saurons dunkle Streitmächte und Sarumans Armee der weißen Hand, sowie die Menschen des Westens, bestehend aus den Streitkräften von Gondor und Rohan, sind wieder mit von der Partei. Gebäude und Einheiten können wie auch beim ersten Teil durch unzählige Upgrades verbessert werden, leider gilt das Upgrade noch immer nicht automatisch für alle Truppen und so muss man noch immer umständlich jede Gruppe anklicken um sie zu verbessern. Jedes Volk besitzt seine eigenen Helden, die Ihr in der Festung gegen Bares rekrutieren könnt. Diese besitzen nützliche Spezialeigenschaften und sind oft bei einer Schlacht das Zünglein an der Waage. Insgesamt 38 dieser wertvollen Heroen gibt es im Spiel. Doch mit Armeen allein gewinnt Ihr keine Schlacht. Spielentscheidend sind die mächtigen Zaubersprüche, die es Euch ermöglichen, eine alles zermalmende Flutwelle herbeizurufen oder den mächtigen Balrog aus den Tiefen steigen zu lassen.

Auch passive Zauber wie schnellere Rohstoffproduktion oder ein aus dem Boden schießender Elbenwald, der die Verteidigungswerte erhöht, sind im Arsenal mit inbegriffen. Einmal angewendet muss sich jeder Zauber wieder aufladen, bevor er erneut eingesetzt werden kann. Um an die begehrten Sprüche zu gelangen müsst Ihr Powerpunkte sammeln, die es für gewonnene Scharmützel gibt. Die mächtigsten Sprüche haben eine verheerende Wirkung und sind für meinen Geschmack schon fast zu stark ausgefallen.

Fazit: Was für ein Spiel! Der Herr der Ringe – Schlacht um Mittelerde 2 ist derzeit mein absoluter Favorit unter den Echtzeitschlachten. Wenn meine Orktruppen begleitet von den riesigen Tolltrommlern Richtung Schlachtfeld marschieren und dabei die charakteristischen gurutal Mordorrufe erklingen fühle ich mich richtig in die Welt von Mittelerde hineingezogen und glaube förmlich zu spüren, wie die Erde unter den Schritten meiner Mannen erbebt. Was die Optik und Atmosphäre angeht kann derzeit kein anderes Spiel diesem Titel das Wasser reichen. Spielerisch sieht es da schon etwas anders aus. Warum schwächelt die KI in der Solokampagne und zeigt erst im Skirmish-Modus ihre Qualitäten? Und was soll ich mit Mauern anfangen, die nicht wirklich schützen, und Formationen die sich in der Schlacht in Luft auflösen? Versteht mich nicht falsch. Die Schlacht um Mittelerde ist ein großartiges Spiel, aber gerade deshalb ärgert es mich ein bisschen, dass gerade solche „Leichtsinnsfehler“ bei der Spielemechanik gemacht wurden. Trotzdem Empfehlenswert!

Sven Eggen

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