PC  
 

Hellgate London

Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:
Flagship Studios

Erschienen bei:
Electronic Arts

In London ist die Hölle ausgebrochen. Damit meine ich natürlich nicht den alltäglichen Feierabendverkehr oder gar neue Ausbrüche von Rinderwahn. Nein, ich meine hier wirklich das Erscheinen teuflisch-dämonischer Kreaturen in unserer Realität. Glaubt man den Entwicklern von den Flagship Studios, so ist dieser Tag gar nicht mehr so weit entfernt, an dem sich die Höllenpforte öffnet und das beschauliche Leben wie wir es kennen den Bach runter geht. Das mit äußerster Spannung erwartete Erstlingswerk der Flagship Studios wurde mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, es soll das Zeug zum Diablo2-Killer haben, schließlich besteht das Team fast ausschließlich aus Veteranen, die das erste Diablo produziert haben. Ob es für die Krone des Action-Rollenspiels in der Unterkategorie Hack & Slay ausgereicht hat erfahrt Ihr hier.

Die Geschichte des Spiel ist schnell erzählt. Es beginnt in London. Teuflische Armeen, die in endlosen Legionen aus dem Tor strömen, legen die Stadt in Schutt und Asche und zwingen die überlebenden Menschen dazu, in der relativen Sicherheit der U-Bahnschächte und Versorgungstunnel Schutz zu suchen. Von dort aus wird seit dem Tag X der Widerstand von der Gruppe der Templer organisiert. Soviel zum Hintergrund zu Hellgate London. Die Kampagne des Spiels lässt sich sowohl Offline auf dem Computer oder via Multiplayer und im Koop-Modus spielen. Doch dazu später noch etwas mehr. Ihr beginnt natürlich als blutiger Anfänger im Widerstand und müsst Euch gleich zu Beginn für eine der drei Klassen, welche nochmals in zwei Unterklassen unterteilt ist, entscheiden.

Jede Klasse spielt sich komplett anders und ist so cool designt, dass die Wahl wortwörtlich zur Qual ausartet. Selten verbrachte ich soviel Zeit am Auswahlbildschirm, hin und her gerissen, welchen Klasse ich denn nun zuerst ausprobieren möchte. Nahkämpfer entscheiden sich für die Schwerter schwingenden Hüter mit Schild oder einen Schwertmeister, der sich mit gleich zwei Klingen in den Kampf wirft. In ihren futuristisch anmutenden Ritterrüstungen ist die Templer-Klasse bestens auf den direkten Kontakt vorbereitet. Wer lieber Feuerbälle oder ähnliches schleudert und sich meist vornehm aus dem Getümmel heraushält, wird in der Cabalisten-Klasse als Kampfmagier oder Beschwörer sein Glück finden. Letzterer kontrolliert Dämonen und lässt diese für sich kämpfen. Mit der Jäger-Klasse steht Euch die wohl ungewöhnlichste Klasse zur Auswahl. Der Scharfschütze und der Ingenieur operieren am liebsten in der Ego-Shooter Ansicht. Wie schon vom Namen her vermutet darf der Scharfschütze allerlei schweres Geschütz wie zum Beispiel Plasmagewehr oder Granatwerfer auffahren, während der Ingenieur lieber seine selbst gebauten Angriffsdronen voraus schickt und von der zweiten Reihe in die Menge feuert. Die Steuerung Eures Helden geht denkbar einfach von Statten. Mit den „WASD“ lenkt Ihr Eure Spielfigur, während die Blickrichtung mit der Maus bestimmt wird, also ganz wie in einem Ego-Shooter.

Rechte und linke Maustaste lösen einen Angriff aus und können auf Bedarf auch mit Spezialangriffen belegt werden. Alle anderen Aktionen und Specials werden komfortabel auf den Nummern- oder der Strg-Taste abgelegt. In der Kampagne selbst vergibt das Spiel grundlos viel Atmosphäre. Unzeitgemäße Textkästchen und besonders uninspirierte Haupt- und Nebenquests, die ständig dem selben Schema folgen (gehe nach Level A und vernichte X Kreaturen um Gegenstand B zu erhalten) drücken etwas die Stimmung und lässt beim Spieler zu schnell Routine aufkommen. Schade finde ich es auch, dass während des Spiels keine kleinen Zwischensequenzen den Spieler belohnen. Dass es auch anders geht beweist das bombastische In- und Outro des Spiels. Ein anderes Manko sind die eigentlich optisch gelungenen, aber wenig abwechslungsreichen Level, welche per Generator immer neu angeordnet werden. Die Bauteile, aus denen ein Level zusammengeschustert wird sind jedoch in der Anzahl anscheinend stark begrenzt, so dass einen schon nach kurzer Zeit der Verdacht nicht los lässt, das Ganze schon gesehen zu haben. Um die Abwechslung ist es bei Hellgate London also nicht ganz so gut bestellt.

Dennoch haben es die Entwickler geschafft, die düstere Endzeitstimmung gekonnt auf den Bildschirm zu bannen und gleichen das auf Dauer etwas öde Leveldesign mit einer stimmigen Grafik und fantastisch designten Charakteren, Monstern und Waffen locker wider aus. In einem Punkt kann Hellgate London aber auf ganzer Linie überzeugen. Die „Suchtspirale“ ergreift den Spieler schon nach wenigen Minuten und lässt ein Beenden des Spiels nur mit äußerstem Widerwillen zu. Es gibt für jede Klasse tonnenweise coole Rüstungsteile und Waffen zu erbeuten, welche sich mit massig Upgrades noch verbessern oder um weitere Fähigkeiten erweitern lassen. Schon bald ist das Inventar voll und das Ausmustern beginnt. Glücklicherweise lassen sich nicht benötigte Sachen in ihre Einzelteile zerlegen und später zum Verbessern der Ausrüstung einsetzten. Besonders wertvolle Stücke dürft Ihr in Euer Schließfach deponieren, welches auf jeder Station zugänglich ist und als Lager fungiert. Ein größeres Inventar und mehr Lagerraum wären jedoch meiner Meinung nach nicht schlecht gewesen. Gott allein weiß wie oft ich schon geflucht habe, weil ich mich kaum entscheiden konnte, welches Stück mangels Platz aus meinem Lager scheiden muss.

Wie eingangs schon erwähnt gibt es in Hellgate London auch die Möglichkeit, via Internet die gesamt Kampagne alleine oder mit Hilfe von Freunden im Koop-Modus zu spielen. Hier könnt Ihr auch chatten, Euch zu Gruppen zusammenschließen und so in härtere Instanzen wagen, die für einen Spieler alleine nicht mehr zu meistern wären. Momentan stürzen die Server noch gelegentlich ab, was schon für Frust sorgt, genauso wie die Tatsache, dass man einfach viel zu oft in Felsen oder engen Stellen hängen bleibt und nicht mehr weiter laufen kann. Doch dank des Speichersystem von Hellgate London, welches sich alle Daten bis zum Beenden des Spiels merkt, bleiben die Auswirkungen relativ gering. Prinzipiell könnt Ihr das Spiel kostenlos im Internet zocken. Es gibt allerdings noch die Möglichkeit, für einen Betrag von ca. 10 Euro pro Monat Vergünstigungen wie zum Beispiel ein größeres Inventar, 12 anstatt nur drei zu speichernden Charaktere, sowie die Gründung einer Gilde und vieles mehr zu erlangen.

Fazit: Trotz einiger nicht unwesentlicher Mankos konnte mich Hellgate London innerhalb kürzester Zeit in seinen Bann ziehen. Es vergeht kaum eine Nacht, in der ich nicht für eine paar Stunden in die Hölle abtauche und Monster schnetzle um meinen Schwertmeister aufzuleveln. Also vielleicht sieht man sich ja irgendwo heute Nacht in den Katakomben von London. Bis dann.

Sven Eggen

Systemvoraussetzungen:
Windows XP/Vista
CPU mit 1GHz für XP / 2,4 Vista
1 GB RAM XP / 2 GB Vista
128 MB Grafikkarte Shader 2.0
7 GB HD
DVD-Laufwerk