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S.T.A.L.K.E.R. -
Clear Sky
Preis: ca. EUR 40,-

Entwickler:
GSC Game World

Erschienen bei:
Deep Silver

Eine unheimliche düstere Endzeitatmosphäre, dynamische Tag- und Nachtwechsel mit entsprechenden Lichteffekten, enorm große Spielfelder, die aber immer wieder nachgeladen werden müssen, durchwachsene KI und immer wieder Rechnerabstürze.

Dies sind nur einige der Licht- und Schattenseiten von "S.T.A.L.K.E.R. clear sky", die aber das Spiel in aller Kürze ganz gut beschreiben. Glücklicherweise gibt es aber noch mehr dazu zu sagen. Die Geschichte von "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" spielt in der Vergangenheit von "Shadow of Chernobyl", dem ersten Spiel aus der "S.T.A.L.K.E.R."-Reihe, das vor ca. einem Jahr auf den Markt kam. Wir sind ein Söldner, der sich in der "Zone" herumtreibt und von einer mächtigen radioaktiven Emission getroffen wurde. Bis auf die obligatorische Bewusstlosigkeit haben wir keinen Schaden davongetragen, ganz im Gegenteil, von nun an sind wir immun gegen diese Emissionen. Dies macht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern zu nutze, die sich selbst "clear sky" nennen und es sich zum Ziel gemacht haben, die Zone zu erforschen, denn diese scheint sich immer deutlicher gegen die menschlichen Eindringlinge zu wehren. So werden wir zum Reaktor geschickt und müssen neben einem nicht uninteressanten Haupthandlungsstrang auch noch viele Nebenaufgaben erledigen.

Natürlich treffen wir auch wieder auf unterschiedliche Fraktionen, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Wer unser Freund und wer unser Feind wird, entscheiden wir selbst durch unsere Handlungen. Zu Beginn ist unsere Ausrüstung gelinde ausgedrückt ärmlich. Eine Pistole, eine Schrotflinte, fast keine Munition, eine unzureichende Panzerung und kein Geld dürfen wir unser Eigen nennen. Wie schon beim Vorgänger, bekommen wir für erfolgreich absolvierte Nebenaufgaben Geld. Eine weitere Einnahmequelle ist dann auch wieder der Handel mit Waffen und Artefakten. So besteht theoretisch die Möglich, bessere Waffen, Verbandskästen oder Rüstung zu kaufen. Sogar das Aufrüsten der Waffen wäre möglich. Leider verdienen wir an den Nebenaufgaben meistens so wenig, dass die Ausgaben für die benötigte Munition die Einnahmen übertreffen. Hier sind gleich zwei Schwierigkeiten von "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" zu erkennen. Zum einen muss sich der Spieler eine sehr lange Zeit durch das Spiel beißen, bis er sich dann doch endlich bessere Waffen leisten kann, was bis zu diesem Zeitpunkt enorm frustrierend sein kann. Zum anderen ist der Schwierigkeitsgrad nicht wirklich gut ausbalanciert. Selbst auf der leichtesten der vier Stufen müssen die Gegner förmlich mit Blei gespickt werden, bis sie endlich das Zeitliche segnen. Auch der gezielte Kopfschuss zeigt nur selten die gewünschte Wirkung. Hier kommt noch hinzu frustrierend, dass selbst die dem Hirnschmelzer zu nahe gekommenen Zombies eine Trefferquote von fast 100% aufweisen können.

Hier darf aber nicht aufgegeben werden, denn sobald wir bessere Waffen, mehr Munition und eine effektivere Rüstung unser eigen nennen und dadurch nicht mehr permanent mit dem Sterben beschäftigt sind, macht "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" richtig Spaß. Die Landschaften werden dem "Shadow of Chernobyl"-Kenner zum Teil bekannt vorkommen, es wurden aber auch neue Umgebungen von den Entwicklern "GSC Game World" kreiert. Die Areale sind sehr groß ausgefallen und der Spieler hat das Gefühl, sich frei bewegen zu können, lediglich der Handlungsstrang zwingt uns immer wieder auf einen vorgeschriebenen Weg. Leider wird diese Freiheit dann doch immer wieder durch Ladezeiten unterbrochen. Die Wege, die zurückgelegt werden müssen, sind teilweise enorm lang und mindern in diesem Moment das Spielvergnügen. Fahrzeuge gibt es immer noch keine aber immerhin steht uns ein seltenes Beam-Artefakt zur Verfügung und manchmal bieten Guides ihre Dienste an. Zur besseren Orientierung gibt es eine Mini-Karte und wir besitzen wieder einen PDA, auf dem wichtigsten Informationen und unsere Missionsziele gespeichert sind. Dies ist, wie beim Vorgänger auch, gut und übersichtlich gelöst. Ansonsten ist die Grafik in "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" wunderschön und detailreich ausgefallen. Die Texturen wurden weiter verfeinert und die Fernsicht verdient es, auch als solche bezeichnet zu werden. Besonders hervorzuheben sind die eindrucksvollen Tag- und Nachtwechsel mit den zugehörigen Lichteffekten und dynamischen Schatten oder die wuchernde Vegetation, vorausgesetzt die Hardware spielt mit.

Leider ist "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" ziemlich ressourcenhungrig. Ein Core 2 Duo, mindestens 2 GB RAM und eine aktuelle Grafikkarte mit 256 MB wäre empfehlenswert. Weiterhin wäre es empfehlenswert gewesen, wenn die Entwickler etwas mehr Arbeit in das Dialog-System gesteckt hätten, denn das Reden mit anderen Personen ist unabdingbar, um in der Geschichte weiter voranzukommen. Leider sind die Inhalte der Dialoge inhaltlich eher schwach und wiederholen sich, die Gesichter sind schlecht animiert und Synchron geht auch anders. Immerhin passen die deutschen Synchronstimmen aber sehr gut zu den Charakteren und ihr russischer Akzent unterstützt die gewünschte Atmosphäre perfekt. Hierzu tragen natürlich auch die musikalische Untermalung, die sich unauffällig der Handlung anpasst, und die grandiose Soundkulisse bei. Zur Steuerung muss nicht viel gesagt werden. Sie basiert auf dem "wasd"-System, ist einfach zu beherrschen und gut durchdacht. Besonders nützlich sind hier die Tasten für den "Schnellverband" und das "Schnell-Medikit". Das Inventar, das wir mit uns herumschleppen können, ist übrigens auf 50kg beschränkt, was sehr schnell erreicht ist. Nun gibt es leider noch einige Dinge zu berichten, die mir unangenehm aufgefallen sind. Manche Aufgaben können nur in der Gruppe bewältigt werden, wenn es zum Beispiel darum geht, ein Gebäude zu stürmen. Leider gibt es keine Möglichkeit, Befehle an die Gruppe abzugeben, so dass es nicht möglich ist, nach einer bestimmten Taktik vorzugehen.

Dann ist die Intelligenz der Verbündeten, der Gegner und auch der Tiere stellenweise nicht die beste. Die Verbündeten sind bei Feuergefechten keine allzu große Hilfe, da sie sich, wie die Gegner auch, nur hinter einer Deckung verschanzen, auch wenn sie in der Überzahl sind. Hier wäre zu erwarten gewesen, dass sie wenigstens den Versuch starten, den Spieler zu umlaufen, um ihm in den Rücken zu fallen. Aber auch die Tiere verhalten sich streckenweise dümmlich. So kommt es vor, dass der Spieler von einem Rudel Bluthunde angegriffen wird. Komischerweise greifen die Viecher aber schön der Reihe nach an, anstatt uns gemeinsam zu zerfleischen. Dann beginnen einige aus dem Rudel sich seltsam im Kreis zu drehen und wir werden ignoriert. Dieses Verhalten würde medizinisch auf einen akuten Strahlenschaden hindeuten. Das größte Ärgernis bei "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" sind aber die nervigen Abstürze. Direkt nach der Installation ist das Spiel quasi unspielbar. So konnte zeitgleich mit dem Release des Spieles auch der erste Patch heruntergeladen werden. Dies ist in zweierlei Sicht ärgerlich, denn zum einen sind die Spielstände, die unter diesen Umständen wirklich hart erarbeitet wurden, mit der gepatchten Version nicht mehr kompatibel und zweitens beschleicht den Spieler das Gefühl, als Beta-Tester missbraucht zu werden. Der Patch lohnt sich aber, denn die größten Fehler wurden behoben und Abstürze traten nur noch sporadisch auf.

Von der optischen und atmosphärischen Seite ist "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" ein absolut gelungenes Spiel. Die Umgebung sieht klasse aus und wurde im Vergleich zum Vorgänger noch weiter verfeinert. Zudem sind die Areale super groß, die Soundkulisse ist stimmig und endzeitmäßig düster und die Lichteffekte sind grandios. Dem stehen ein unausgewogener Schwierigkeitsgrad, eine streckenweise seltsame KI, ein frustrierendes Belohnungssystem, die hohen Hardwareanforderungen und natürlich die nervigen Abstürze gegenüber. Dennoch "S.T.A.L.K.E.R. clear sky" kann vom Prinzip her mit den "Herr der Ringe"-Büchern verglichen werden; hat man den Anfang überstanden, lässt es einen erst wieder los, wenn das Ende erreicht ist.

Bernhard Prommer

Systemvoraussetzungen (empfohlen):
Betriebssystem: Microsoft Windows XP/Vista
Prozessor: Intel Core2 Duo E6400XP / AMD Athlon 64 X2 4200+
Arbeitsspeicher: 1,5 GB RAM
Festplatte: 10 GB
Grafikkarte: 256 MB DIRECTX 9.0C kompatibel
Laufwerk: DVD-ROM
Internet/LAN: LAN/Internet für Mehrspieler