PC  
 
Supreme Commander

Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:
Gas Powered Games

Erschienen bei:
THQ

Es ist 2:00 Uhr Nachts. Wie gebannt verfolge ich den Verlauf einer Gruppe mächtig vieler Rauten, die im Verbund mit Dreiecken, und einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Halbkreisen im Schlepptau auf einer schematischen Übersichtskarte eine groß angelegte Zangenbewegung vollführen. Ein unbeteiligter Beobachter würde sich nun sicherlich fragen, woher nur diese plötzlich aufkeimende Liebe zu geometrischen Formen kommt und was denn um Himmels Willen so spannend daran ist, dass es mich bis spät in die Nacht an den Bildschirm fesselt? Der schuldige ist schnell gefunden. Er heißt Chris Taylor und hat mit seinem Team Gas Powered Games (Dungeon Siege) den Echtzeit-Strategie-Titel Supreme Commander entwickelt, der in Punkto Einheitenanzahl und Zoomfunktion alles bisher da gewesene locker in den Schatten stellt.

Im Jahre 3844 kämpfen drei Fraktionen um die Herrschaft über das Universum. Die United Earth Federation (UEF) ist der Nachfolger des ehemaligen Erdimperiums und hat sich zum Ziel gesetzt, alle Planeten des bekannten Raumes wieder unter einem Banner, nämlich ihrem zu vereinen. Das sehen die Cybrans aber völlig anders. Die Cyborg-Rasse wurde ursprünglich von den Menschen erschaffen, strebte aber schon bald nach Unabhängigkeit und ging zur gewaltsamen Rebellion über. Die dritten im Bunde sind Aeon. Diese durch den Kontakt mit einer außerirdischen Spezies veränderten Menschen wollen Liebe und Frieden über das Universum bringen, im Falle der Streitsüchtigen UEF und Cybrans wenn nötig auch mit Gewalt. Das Spiel unterteilt sich in drei Kampagnen zu je 6 Missionen pro Fraktion, sowie einen Gefechts- und Multiplayermodus.

Die riesigen Schlachtfelder in Supreme Commander können bis zu 6.400 Quadratkilometer groß sein und erfordern bedingt durch die hohe Einheitenanzahl und die Größe des Terrains einen völlig anderen Blickwinkel von angehenden wie auch erfahrenen Kommandanten. Dutzende von Fabriken spucken hunderte von Fahrzeugen, Panzern, Kampfdronen und Flugzeugen sowie Schachtschiffe und U-Boote aus, die gleichzeitig an mehreren Fronten klug eingesetzt werden wollen und anschließend in gewaltigen Massenschlachten aufeinanderprallen. Der Verlust von 50 oder hundert Einheiten bedeutet in Supreme Commander keinen Beinbruch, da die Fabriken bei cleverem Ressourcen-Management unermüdlich neue Einheiten produzieren. Um solche Massen überhaupt noch effektiv Befehligen zu können könnt Ihr bei Supreme Commander stufenlos vom Rohr eines Panzers bis zur totalen schematischen Übersicht auf das gesamte Schlachtfeld heran- oder herauszoomen. Dementsprechend werden die Einheiten ab einer gewissen Zoomstufe einfach zu klein und deshalb durch die Eingangs erwähnten Symbole z.B. Rauten für Fahrzeuge ersetzt. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Befehlshaber immer den bestmöglichen Überblick über seine Truppen haben möchte.

Aus diesem Grund werdet Ihr in Supreme Commander eine nicht unerhebliche Zeit in der schematischen Aufstellung verweilen. Das macht grafisch zwar nicht viel her, ist aber für größere Operationen unverzichtbar. Besitzer zweier Monitore dürfen sich in dieser Hinsicht besonders freuen, da das Spiel Multi-Screen unterstützt. So könnt Ihr auf dem einem Monitor die schematische Übersicht einstellen und mit dem anderem hautnah mittendrin statt nur dabei sein. Zentrale Figur und ihr Alter Ego auf dem Feld ist die so genannte ACU (Armored Command Unit). Der haushohe Roboter ist eine gewaltige Waffenplattform und Baumeister in einem. Er ist es, der die ersten Fabriken, Energie- und Massegeneratoren aus dem Boden stampft. Allerdings solltet Ihr mit Fronteinsätzen Eurer ACU vorsichtig sein. Wird diese vernichtet, ist automatisch das Spiel verloren! Im späteren Verlauf helfen bzw. übernehmen Techniker den weiteren Ausbau der Basis. Per cleverer Bauabfolge lässt sich sogar programmieren, welche Gebäude in welcher Reihenfolge, an welchem Ort gebaut werden. Die Fabriken können gegen entsprechende Ressourcenzahlungen 3x aufgewertet werden. Beim vierten Mal könnt ihr dann eine überdimensionale, mächtige Experimentaleinheit bauen.

Der Aufbau einer funktionellen Basis dauert bei Supreme Commander gut und gerne über 20 Minuten, was nicht jedermanns Sache ist. In der Schlacht selbst lässt die umfangreiche Menüführung keine Wünsche offen. Die taktischen Möglichkeiten sind quasi unbegrenzt, da das Truppenkontingent zahlreiche Waffengattungen bereithält. Darunter auch fahrbare Schild- und Tarngeneratoren oder Radarposten. Die Aufklärung ist in Supreme Commander extrem wichtig, denn ohne zu wissen, wo sich der Feind oder dessen Basis aufhält, macht es einfach keinen Sinn, seine Armeen ins Leere marschieren zu lassen. Ein Lob hat auch die ausgefuchste Gegner KI verdient, welche gerade auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad die eigene Schwächen und Löcher in der Verteidigung gnadenlos ausnützt und mich ein ums andere Mal ins Schwitzen gebracht hat. Kritik hingegen hat die Wegfindungsroutine verdient. Es passiert einfach zu häufig, dass sich die eigenen Verbände an Hindernissen verfangen.

Fazit: Supreme Commander ist wahrlich nicht die erste Wahl für Echtzeit-Strategie-Einsteiger sonder richtet sich eher an gestandene Feldherren. Die durchaus detaillierte Optik wirkt steril und das Jonglieren mit Einheitensymbolen aus der schematischen Ansicht reißt Grafik-Fetischisten bestimmt nicht vom Hocker. Wer allerdings ein anspruchsvolles Stück Echtzeit-Strategie sucht und bereit ist, sich etwas in die Materie einzuarbeiten, wird mit Supreme Commander glückselig werden.

Sven Eggen

Systemvoraussetzungen:
Windows XP/Vista
CPU mit 1,8 GHz
512 MB RAM
128 MB Grafikkarte
8.0 GB HD