PC  
 

The Witcher

Preis: ca. EUR 40,-

Entwickler:
CD Projekt

Erschienen bei:
Atari

Nach satten vier Jahren Entwicklungszeit schickt der polnische Entwickler CD-Projekt sein ambitioniertes Erstlingswerk ins Rennen um die Käufergunst. Um es gleich vorweg zu sagen, das Spiel macht vieles richtig und jede Menge falsch. Licht und Schatten halten sich bei The Witcher die Waage. So kämpft auch dieser Titel, trotz vorheriger Installation des mit der Veröffentlichung zeitgleich erschienenen Patches leider mit Bugs.

Die Welt von The Witcher ist düster und grenzt sich durch eine gute Portion Realismus gegenüber anderen Rollenspielen deutlich ab. Hier wird geflucht, gesoffen, die holde Weiblichkeit verführt und auch die ein oder andere Kneipenschlägerei angezettelt. Durch den rauen Charme des Spiels richtet sich The Witcher an die erwachsenen Zocker, was auch das USK-Siegel auf der Hülle „keine Jugendfreigabe“ deutlich unterstreicht. Ihr schlüpft in die Haut von Gerald von Riva, einem mächtigen Hexer, dessen Fähigkeiten eindrucksvoll gleich zu beginn mit einem minutenlangen Intro in Szene gesetzt werden. Danach folgt ein Schnitt. Ihr seht wie Gerald auf dem Boden eines Fuhrwerks liegend von anderen Hexern zu einer halb zerfallenen Burg gebracht wird. Wie sich herausstellt hat unser Held komplett sein Gedächtnis verloren.

Nun ja, das kommt in Rollenspielen des öfteren vor und dank des Tricks mit der Amnesie erklärt sich auch warum der ehemals abgebrühte Veteran quasi wieder bei Null anfangen muss. Eure ersten Gefechte besteht Ihr quasi als Turtorial auf der Burg, als diese von Unbekannten angegriffen wird. Hier lernt Ihr das Kampfsystem kennen. Per Klick auf den Gegner lässt Gerald eine Schlagfolge auf den Gegner nieder. Wird zum richtigen Zeitpunkt erneut geklickt, verlängert sich die Kombo oder Gerald beendet seinen Angriff mit einer coolen Finish-Move. Grundsätzlich gibt es drei Kampfstile, welche je nach Kontrahent schneller zum Sieg führen. Für große Gegner wählt Ihr kräftige und langsame Angriffe während man kleinen Widersachern besser mit schnellen und kurzen Attacken zu Leibe rückt. Auch für Gegnergruppen gibt es einen passenden Kampfstiel. Gerald kann verschiedene Waffen ins Feld führen aber eigentlich benötigt der Recke prinzipiell nur zwei verschiedene Schwerter. Ein solides Eisenschwert für alle weltlichen Probleme und das Silberschwert, welches bei Dämonen und andere Spuk- und Schreckensgestalten wahre Wunder wirkt. Zudem kann Gerald verschiedene mehr oder minder nützliche Zauber erlernen und sich als Alchemist versuchen. Hierzu braucht Ihr das Rezept und natürlich die Zutaten sowie einen Kessel.

Auch bei The Witcher gibt es ganz Genre typisch unterschiedliche Aufträge zu erfüllen. Hierfür und für das Töten von Feinden aller Art erhält man Erfahrungspunkte, welche, ja wer hätte das gedacht, bei bestimmter Anzahl zum Levelaufstieg führen. Der Talentbaum in The Witcher ist übrigens äußerst umfangreich und lässt viel Platz zum experimentieren. Gerald lässt sich auf zwei verschiedene Arten lenken, die jederzeit im Spiel gewechselt werden können. Entweder Ihr steuert Euren Recken über die Schulterperspektive mittels Maus und Tastatur oder von weiter weg nur mit der Maus. Beides hat Vor- und Nachteile, so dass man um ein häufiges Umschalten kaum herum kommt, will man den Überblick behalten. Die verzwickte Story ist sowohl Stärke als auch Schwäche des Programms. Sie handelt im Groben um das Land Temerien, welches kurz vor einem Bürgerkrieg zwischen Menschen und den anderen Völkern, also Elfen und Zwergen steht. Auf der Suche nach den Angreifern der Burg im Turtorial kommt Gerald zwischen die Fronten und muss ein paar weitreichende Entscheidungen treffen. Womit wir auch gleich schon beim nächsten Thema wären. Im Verlauf des Spieles werden Euch kleine Entscheidungen abverlangt, die aber meist mehreren Spielstunden später weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Bevölkerung von The Witcher hat übrigens ein allgemeines Problem. Augenscheinlich hatten die Programmierer nicht genügend Vorlagen bzw. Gesichter für das gemeine Volk vorliegen. Das Ergebnis, fast jedes Gesicht ist in ein und dem selben Ort mehrmals vertreten. Fast schon könnte man an den Angriff der Klon-Krieger glauben. Auch bei einer der wichtigsten Disziplinen, der Storyline erlaubt sich das Spiel schon einige Schnitzer. So lässt es den verdutzten Spieler des öfteren durch völlig absurde und nicht nachzuvollziehende Schnitte in der Handlung völlig orientierungslos in der Gegend stehen. Zwar schließen sich die Lücken meist im späteren Verlauf, was der anfänglichen Konfusion trotzdem keine Abhilfe schafft. Das hätte man wirklich besser machen müssen. Grafisch befindet sich The Witcher auf hohem Niveau, schaut Euch einfach die fantastischen Screenshots an, hier gibt es wirklich nichts zu meckern. Das Gameplay hätte noch mehr Feinschliff vertragen können. Der Held kann nicht einmal springen und muss mitunter selbst vor einer lächerlichen Kante kapitulieren. Die Freiheit zu gehen wohin er will hat Gerald also nicht. Außerdem verlangt so mancher Auftrag / Quest eine unnötig lange Laufarbeit.

Fazit: The Witcher könnte so ein geniales Rollenspiel sein, nimmt sich aber dummerweise selbst die Butter vom Brot. Dass der Titel trotz vier Jahren noch nicht rund läuft merkt man an vielen Stellen des Spiels. Die Ideen sind da, doch es fehlte ganz offensichtlich am Feinschliff, um sie auch richtig und sinnvoll umzusetzen. So gibt sich The Witcher stellenweise alle Mühe, um seinen Käufer zu verprellen, wie zum Beispiel, wenn es den Zocker wieder mal ohne Peilung um was es gerade geht im Regen stehen lässt. Doch bei allen Fehlern ist die Welt von Gerald von Riva glaubwürdig und fühlt sich aller Klone zum trotz stimmig an. Die Atmosphäre ist fühlbar und wird von der genialen Optik unterstrichen. Das Kampfsystem ist gut umgesetzt und sieht in Bewegung ziemlich cool aus. Wer also etwas Leidensfähigkeit sein eignen nennt, darf ruhig mal einen Blick riskieren, denn das Spiel belohnt den Spieler durchaus mit tollen Momenten hierfür.

Sven Eggen

Systemvoraussetzungen:
Windows XP / Vista
Intel Pentium 4 mit 2,4 GHz / Athlon 64 mit 2,8 GHz
1024 MB RAM XP / 1536 MB RAM Vista
128 MB Grafikkarte mit Pixel Shader 2.0
8,5 GB HD