Playstation 3  
 
Batman: Arkham City

Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Rocksteady Studios

Erschienen bei:
Warner Bros.
Interactive Entertainament

Dieses Jahr scheint das Jahr der Superhelden auf der PS 3 zu werden. Nachdem vor einigen Monaten bereits Cole McGrath in „inFamous 2“ einen „schockierend“ guten Auftritt aufs Parkett legte, zieht nun auch der dunkle Ritter Batman in den Kampf gegen das Böse, um das riesige Gefängnis „Arkham City“ von diversen Superschurken zu säubern. Ob er dabei seinen hochgelobten Erstauftritt noch überflügeln kann, zeigt der Test.

Gotham City hat seinen Müll vor die Tür gebracht. Nachdem der berühmte Superschurke „Joker“ im Vorgänger „Batman: Arkham Asylum“ die Kontrolle über die namensgebende Irrenanstalt an sich gerissen und großenteils zerstört hat, wurden die Gefängnismauern durch Bürgermeister Quincy Sharp, der selbst ehemaliger Leiter eben jener Irrenanstalt war, auf die umliegenden Stadtbezirke ausgeweitet. „Arkham City“ war geboren- ein ganzer hermetisch abgeriegelter Stadtteil, in dem sich mittlerweile sämtliche Verbrecher und Psychopathen von ganz Gotham tummeln.

Gleich zu Beginn des Spiels wird der bekannte Milliardär Bruce Wayne von Söldnern entführt und in eben jenes Höllengefängnis gesteckt. Dabei erfährt er von einem seltsamen Projekt namens „Protokoll 10“, welches in einigen Stunden in Kraft treten soll. Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschließt Bruce Wayne, erneut in die Rolle seines Alter Egos „Batman“ zu schlüpfen. Unser Held bekommt es diesmal allerdings neben dem „Joker“ und Harley Quinn auch mit diversen anderen bekannten Superschurken, wie zum Beispiel „Two-Face“, dem „Pinguin“, „Mr. Freeze“ und dem „Riddler“ zu tun. Der „Dark Knight“ wird also alle Hände voll zu tun haben! Die spannende Story bietet einige interessante Aspekte und hat nur wenige Durchhänger, braucht dafür aber auch ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen.

Schön ist auch der neue „Open World“ Aspekt des Spiels, welcher viel Freiraum für Sidequests und kleinere Nebenhandlungen lässt, denn Arkham City ist ein ganzer Stadtteil, in dem sich Batman in bester „inFamous“-Manier frei bewegen kann. Dabei dient die Stadt an sich als klassische „Oberwelt“, während die Hauptquartiere der unzähligen Superschurken, wie zum Beispiel das Stahlwerk, in dem sich der „Joker“ niedergelassen hat, oder das Museum, in dem der „Pinguin“ sein Unwesen treibt, als eine Art „Dungeon“ angesehen werden können. Hier gilt es dann natürlich neben den obligatorischen Schlägereien mit den Schergen der Superschurken vor allem, diverse Rätsel zu lösen und teilweise auch einige Sprung- und Plattform Passagen zu meistern. Hilfreich sind dabei Batmans zahlreiche Gadgets, die sowohl im Kampf, als auch beim ebnen seines Weges unverzichtbar für den Flattermann sind. So kann man zum Beispiel mit dem Explosivgel diverse Mauern einreisen, mit einer Art Elektro-Pistole aus einiger Entfernung Geräte und Verteilerkästen in Gang setzen, mit dem ferngesteuerten Bumerang ( genannt „Batarang“) die Umgebung auskundschaften oder unerreichbare Schalter betätigen und so weiter. Im Laufe des Abenteuers findet Batman eine ganze Menge solcher Gadgets, die sich auch äußerst kreativ im Kampf anwenden lassen.

Apropos Kampf: Das aus dem Vorgänger bekannte „freeflow“ Kampfsystem kommt auch in „Arkham City“ wieder zum Einsatz und funktioniert wieder einmal einwandfrei. Neben Schlagcombos kann Batman auch Kontermanöver ausführen oder Gegner mit seinem Cape betäuben bzw. verwirren. In Verbindung mit seinen diversen Ausrüstungsgegenständen ergibt sich ein sehr komplexes Kampfsystem mit großer Experimentierfreiheit, das auch anspruchsvollste Spieler zufriedenstellen wird. Allerdings fährt bei den Massenkeilereien gegen teilweise 15 Gegner die Übersicht hin- und wieder in den Urlaub, da man als Spieler bei solchen Kämpfen meist Probleme hat zu erkennen, wo man eigentlich gerade ist in diesem prügelnden Mob. Dass Batmans Cape dazu andauernd auch noch wild umherflattert und zusätzliche Sicht nimmt, erschwert die Sache meist noch. Hin und wieder sollte man den Kampf aber sowieso meiden, denn Batman hat ein Handicap, dass die meisten anderen Superhelden nicht kennen: Er hat keine Superkräfte!

Das heißt also im Klartext, dass es jedes Mal, wenn Schusswaffen bei den Gegnern im Spiel sind, brenzlig für den dunklen Ritter wird. In solchen Situationen empfiehlt es sich also eher, getarnt vorzugehen und zu versuchen, die Gegner zu überraschen oder zu trennen und dann einzeln auszuschalten. Das alles bereichert das Gameplay um einen gewissen „Stealth“- Aspekt und bringt eine ordentliche Priese Taktik ins Spiel. „Batman: Arkham City“ ist ein wirklich großes Spiel, welches den geneigten Spieler für 10 bis 15 Stunden unterhalten wird, wenn dieser nur der Haupthandlung folgt. Da Arkham City aber einem riesigen Spielplatz mit einer ganzen Ladung voller Zusatzaufträge und Nebenbeschäftigungen gleicht, wäre es geradezu Verschwendung, sich nicht auch diversen Nebenaufgaben anzunehmen. So kann man neben der Haupthandlung beispielsweise versuchen, die in der ganzen Stadt verteilten „Riddler“-Rätsel zu lösen und somit Geiseln aus der Gewalt des Fieslings zu befreien, oder man versucht sich als Detektiv, um dem mordlustigen Scharfschützen „Deadshot“ auf die Schliche zu kommen. Wenn man alles erleben möchte, beschäftigt einen „Batman: Arkham City“ gut und gerne 30 bis 40 Stunden. Die Steuerung des Spiels ist insgesamt sehr funktionell, aber auch ziemlich überladen.

Batman hat eine wirklich große Aktionspalette, was auch toll ist, aber das führt leider auch dazu, dass fast alle Tasten des Controllers irgendwie doppelt- und dreifach in Verbindung mit den Schultertasten belegt sind. Das sorgt vor allem in hektischeren Situationen, in denen es auf exaktes Timing ankommt, oft für nervige Momente, weil man sich beispielsweise nicht erinnern kann, wie die Tastenkombination für eine Aktion XY war oder sich mal wieder in der „Schultertasten / Aktionstasten- Kombination“ vertan hat und Batman deshalb eine ganz andere Aktion ausführt, als die, die man gerade machen wollte. Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollte also bei Spielern mit einer niedrigen Frustschwelle einkalkuliert werden. Nach einigen Übungsstunden bekommt man die etwas überstrapazierte Steuerung dann nämlich durchaus in den Griff. Klangtechnisch haut Euch „Batman: Arkham City“ stimmige, düstere Klänge um die Ohren, die perfekt zu der dichten und tollen Atmosphäre des Spiels passen. Auch grafisch kann sich Batman durchaus sehen lassen, denn Arkham City sieht wirklich sehr schick aus. Die tolle Beleuchtungs-Stimmung verleiht der Stadt ein herrlich düsteres Flair. Auch Batmans Animationen sehen butterweich aus und setzen seine spektakulären Kampfmanöver optimal in Szene.

Fazit: Auch wenn sich Batman einige Kritikpunkte wie die überladene Steuerung und die manchmal fehlende Übersicht gefallen lassen muss, begeistert er durch abwechslungsreiches Gameplay und fantastischen Umfang! „Batman: Arkham City“ macht unterm Strich nahezu alles richtig. Tolle Grafik, tolle Stimmung, gute Story und ein abwechslungsreiches Kampfsystem lassen den „Dark Knight“ wirklich stark aussehen. In der Tat handelt es sich hier um das bis dato wahrscheinlich beste Lizenzspiel aller Zeiten. Beide Daumen hoch und klare Kaufempfehlung meinerseits!

Andreas Chmieliczek