Playstation 3  
 
Deus Ex:
Human Revolution

Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Eidos Montreal

Erschienen bei:
Square Enix

In jeder Ära der Videospiele gibt es echte Blockbuster. Spiele, die enorme Erfolge durch millionenfache Verkäufe verbuchen können, Spiele, die durch unglaubliche Grafik auftrumpfen und im Gedächtnis bleiben und Spiele, an denen aufgrund ihrer Massenkompatibilität irgendwie jeder Gefallen finden kann. Doch nur ganz wenige Spiele schaffen es, wirklich etwas Eigenes und noch nie Dagewesenes zu schaffen. Spiele, welche die eben genannten „Standartqualitäten“ gekonnt umgehen oder bewusst ignorieren, um sie durch ganz eigene unverwechselbare Qualitäten zu ersetzen. Solche Produktionen sind dann zwar selten ein kommerzieller Erfolg, jedoch sind es meist genau jene Machwerke, die es schaffen, als echter Meilenstein in die Geschichte einzugehen. Darf ich vorstellen: „Deus Ex“.

Der erste „Deus Ex“ Titel aus dem Jahr 2000 war wahrlich kein Augenschmaus, ebensowenig ein großer kommerzieller Erfolg. Trotzdem geraten heutzutage viele Gamer der älteren Semester ins Schwärmen, wenn sie über das mittlerweile sehr betagte Spiel reden, denn das Action Adventure mit Rollenspiel-Einschlag, welches aus der Ego-Ansicht gespielt wird, bot den Spielern eine absolut spannende Story und eine bis dato unerreichte spielerische Entscheidungsfreiheit. Nachdem die Fortsetzung „Deus Ex: Invisible War“ aus dem Jahre 2004 zwar aus kommerzieller Sicht ein größerer Erfolg war, bei den Fans aber aufgrund der lineareren Spielweise auf teils heftige Kritik stieß, wurde es jahrelang still um die „Deus Ex“- Marke.

Bis heute, denn Eidos Montreal und Square Enix versuchen jetzt mit „Deus Ex: Human Revolution“, der Serie neues Leben einzuhauchen und in die beinahe übergroßen Fussstapfen des legendären ersten Teils zu treten. Ob sie dabei Erfolg haben, zeigt der Test. Anders, als man erwarten würde, ist „Human Revolution“ ein Prequel und spielt 25 Jahre vor dem ersten Teil, nämlich im Jahre 2027. In der nahen Zukunft von „Deus Ex“ ist die Menschheit in einen regelrechten Technikwahn verfallen und es gehört zum Alltag, alles mit moderner Technik zu verbessern, oder gar zu ersetzen. Dieser Fortschritt macht auch vor dem menschlichen Körper nicht halt, so dass es ganz normal ist, dass sich Menschen durch sogenannte „Augmentierungen“, Implantate zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, optimieren lassen. Da entsprechende Operationen allerdings äußerst kostspielig sind, entsteht immer mehr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, da es für nicht augmentierte Menschen, welche eine Optimierung entweder aus ethischen Gründen oder aus finanziellen Gründen ablehnen, schwierig ist, Arbeit zu finden.

Ein Problem, das Hauptcharakter Adam Jensen glücklicherweise nicht hat, denn er ist, obwohl er selbst nicht augmentiert ist, Sicherheitschef bei Sarif Industries, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von eben jenen kybernetischen Implantaten spezialisiert hat. Als Jensen gleich am Anfang des Spiels mit seiner Freundin Megan Reed, einer führenden Wissenschaftlerin bei Sarif Industries, einen Rundgang durch die Labors der Firma macht, wird plötzlich Alarm ausgelöst und eine Gruppe unbekannter Söldner überfällt die Firma aus bisher nicht bekannten Gründen. Dabei gehen die Söldner äußerst brutal vor und töten jeden, der ihnen vor den Gewehrlauf gerät. Auch Adam Jensen, der als Sicherheitchef natürlich sein bestes tut, um gegen den Übergriff vorzugehen, wird im Kampf schwer Verletzt und kann später nur überleben, indem er selbst gegen seinen Willen kybernetisch verändert wird. Als Jensen einige Wochen später wieder mehr oder weniger unter den Lebenden weilt, begibt er sich als verdeckter Ermittler für Sarif Industries auf eine Reise, die ihn unter anderem nach Detroit, Shanghai und Montreal führt, um mehr über den Überfall und dessen Hintergründe herauszufinden.

Dabei wird „Deus Ex: Human Revolution“ zu einem spannenden „Cyberpunk –Krimi“, in dem Jensen eine globale Verschwörung aufdeckt und so manche Überraschung erlebt. Soviel sei zum Ausgangspunkt der Handlung erwähnt. Die Story entwickelt sich während des Spiels sehr spannend und motiviert stets zum Weiterspielen. Interessant ist hierbei, dass der Spieler je nach Spielweise mehr oder weniger Hintergrundinfos zur Handlung bekommt. „Spielweise“ ist ein gutes Stichwort- denn hier steht „Deus Ex: Human Revolution“ ganz im Zeichen des ersten „Deus Ex“ und bietet dem Spieler eine Freiheit, die ihresgleichen sucht. Zunächst einmal könnte man grob zusammenfassen, dass man das Spiel grundsätzlich auf zwei Arten spielen kann: Auf die aggressive, tödliche Art, oder auf die „Stealth- Methode“, bei der eher getarntes Vorgehen auf dem Programm steht. Da man im Spiel bei einem offenen Schusswechsel allerdings doch recht schnell das zeitliche segnet, empfiehlt sich eher letztere Methode, zumal diese sowieso ungemein spannender ist.

Den zentralen Dreh- und Angelpunkt in Sachen Gameplay stellen Adams Augmentierungen dar. So erhält man im Laufe des Spiels beispielsweise für unbemerktes Vorgehen und andere Aktionen Erfahrungspunkte wie in einem Rollenspiel, welche man dann frei nach Wahl in die Verbesserung der verschiedenen Augmentierungen investieren kann. So kann man sich dann ganz nach seinen persönlichen Vorlieben und Vorgehensweisen im Spiel seinen ganz persönlichen Adam Jensen ausbilden. Wenn man beispielsweise lieber schleichen möchte, verbessert man Adams Tarnfähigkeiten und Beinimplantate, um Schrittgeräusche zu minimieren. Möchte man lieber mal ein paar Späne bei den Gegnern fliegen lassen, verbessert man Panzerung und Waffenpräzision oder investiert in das „Taifun“ 360° Sprengsystem, um unter den Widersachern ordentlich aufzuräumen. Wahlweise kann man aber auch Adams Hacker-Fähigkeiten ausbauen, damit kein Computer Terminal oder Sicherheitsystem mehr vor ihm sicher ist und keine Tür mehr verschlossen bleibt oder man verbessert Adams soziale Kompetenzen, um sich leichter aus so mancher brenzligen Situation herausreden zu können.

Und genau hier zeigt „Deus Ex: Human Revolution“ seine Stärke. Man hat als Spieler Entscheidungsfreiheit, dass es einem den Atem verschlägt. Es gibt nie nur einen Weg zum Ziel. Das fantastische Leveldesign unterstreicht diese spielerische Vielfalt noch und lädt zum experimentieren geradezu ein. Dadurch hat „Deus Ex: Human Revolution“ einen schier unendlichen Wiederspielwert, da man nach jeder abgeschlossenen Mission auf bestimmte Stellen zurückblickt und sich überlegt, wie man anders hätte vorgehen können. So grandios das Gameplay während des ganzen Spiels auch ist, so unschön wird die ganze Sache bei den Endgegner-Kämpfen. Diese wirken nämlich geradezu wie ein Fremdkörper im Spiel und wollen irgendwie so gar nicht zum restlichen Konzept passen, denn fast alle Endgegner- Scharmützel arten plötzlich zu einem wüsten Geballer aus, was Spieler, die sich eher auf das gewaltfreie Vorgehen spezialisiert haben, vor unnötig schwere Herausforderungen stellt. Dass die Gegner bei diesen Kämpfen auch noch unverhältnismäßig viel Munition schlucken, wogegen ihr teilwese je nach Spezialisierung nach 3 bis 4 direkten Treffern den Löffel abgebt, sorgt für zusätzlichen Frust. Glücklicherweise kommt das Spiel aber mit nur sehr wenigen Bosskämpfen aus, sodass der begeisternde Rest des Spiels diesen Schwachpunkt mit Leichtigkeit überscheint.

Aus grafischer Sicht präsentiert sich „Deus Ex: Human Revolution“ grundsolide. Die Grafik spielt zwar definitiv nicht in der Oberliga mit, erfüllt ihren Zweck jedoch trotzdem gut. Trotzdem hat „Human Revolution“ aber einen unverwechselbaren Look, der einfach stylisch und cool aussieht. Das ganze Spiel ist im wesentlichen in Gold- und Schwarztönen gehalten, was alles schon stimmig aussehen lässt. Sowieso ist „Deus Ex: Human Revolution“ in Sachen Atmospäre eine eches Brett. Wenn man das erste mal durch die Strassen des zukünftigen Detroits oder Shanghais schlendert, macht sich eine unglaublich dichte Atmosphäre breit, die den Spieler geradezu in das Spiel hineinversetzt. Der tolle Soundtrack, welcher elektronische mit teils klassischen Elementen vereint, unterstreicht das noch zusätzlich. Apropos Städte: Neben der Haupthandlung könnt ihr in den Städten ganz nach alter Rollenspiel-Manier noch jede Menge Nebenmissionen von allen möglichen Leuten annehmen, welche ebenfalls alle in kleine, aber feine „substories“ ausarten. Wenn man nur der Haupthandlung folgt, kann man „Deus Ex: Human Revolution“ in ca. 15 bis 20 Stunden durchspielen. Mit Sidequests verdoppelt sich die Spielzeit aber nochmal auf ca. 30 bis 40 Stunden. Sich in den Städten umsehen und umhören lohnt sich also allemal!

Fazit: Um es kurz zu machen- „Deus Ex: Human Revolution“ hat mich nicht überzeugt… Es hat mich komplett von den Socken gehauen! Die spielerische Vielfalt, der stylische Look, die spannende Story, die Experimentierfreudigkeit und der hohe Wiederspielwert lassen den Spieler mit Leichtigkeit über die wenigen Schwachpunkte, wie die frustigen Bossfights oder die eher durchschnittliche Grafik hinwegsehen. „Deus Ex: Human Revolution“ schafft es tatsächlich, das als unmöglich geltende Erbe des ersten Teils anzutreten und gehört definitiv zu den besten Spielen des Jahres 2011! Ich könnte noch so vieles mehr über dieses geniale Stück Software schreiben, denn obwohl ich das Spiel bereits begeistert durchgespielt habe, habe ich immer noch den Eindruck, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. Zum Schluss kann ich dem Spiel nur noch eine klare Kaufempfehlung ausprechen. Wer sich diesen spielerischen Hochgenuss entgehen lässt, ist selbst Schuld!

Andreas Chmieliczek