Playstation 3  
 
El Shaddai:
Ascension of the
Metatron

Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:
UTV Ignition
Entertainment

Erschienen bei:
UTV Ignition
Entertainment

Was passiert, wenn man antike, religiöse Schriften, allerlei bunte Farben und die Verrücktheit japanischer Spieleentwickler zusammen in einen Topf wirft? Richtig! Ein digitaler Drogentrip in Spieleform kommt dabei heraus. El Shaddai konnte im Vorfeld auf so mancher Spielemesse für Aufsehen sorgen, was vor allem an dem sehr ungewöhnlichen Look des Spiels liegt, aber auch daran, dass das Spiel aus der Feder des durchaus bekannten „Okami“- Schöpfers Takeyasu Sawaki stammt. Ob hinter der interessanten künstlerischen Aufmachung aber auch ein richtig gutes Spiel steckt zeigt der Test.

Zunächst einmal ein paar Worte zur Handlung von „El Shaddai“. Diese ist, wie könnte es auch anders sein, genauso abgefahren, wie der Rest des Spiels. Ihr spielt als Enoch, der seinerseits der „Schreiber des Himmels“ ist und von Gott persönlich auf eine lange Reise geschickt wird (bereits während des spielbaren Vorspannes vergehen mehrere hundert Jahre), um sieben verdorbene Engel, welche vom Himmel auf die Erde herabgestiegen sind, um unter den Menschen zu leben, zurück in den Himmel zu holen.

Das ganze klingt allerdings leichter, als es ist, denn unsere bösen Engel, haben im Laufe der Zeit nämlich einen gigantischen Turm erbaut und sich in selbigem verschanzt. Jeder Engel herrscht über ein Stockwerk des Turmes und es ist natürlich Eure Aufgabe als Spieler, mit Enoch die Spitze des Turmes zu erreichen. Begleitet wird Enoch dabei vom Schutzengel Lucifel, der ihm immer nützliche Tipps im Kampf zukommen lässt und regelmäßig per Handy Rapport an Gott erstattet. Alles klar soweit? Nein? Ist schon ok, mir ging es auch so… Die Handlung ist allerdings tatsächlich noch das „Gewöhnlichste“ an „El Shaddai“, denn was man bei diesem Spiel teilweise grafisch und spielerisch serviert bekommt, lässt einen mehr als nur einmal misstrauisch an dem Getränk, das man gerade zu sich nimmt, riechen, um sicherzugehen, dass da auch wirklich keine Drogen untergemischt wurden.

Zunächst einmal bewegt man sich in „El Shaddai“ nicht durch stinknormale Landschaften sondern durch seltsame, teilweise eher „skizzenhafte“ Umgebungen, welche in allen Regenbogenfarben erstrahlen. Mal läuft man auf in der Luft schwebenden Treppenstufen und Wolken über ein buntes Gebirge, dann läuft man später durch einen bunten Tunnel, dann wiederum hüpft man vor einem Hintergrund, der an Kirchenfenster erinnert um dann kurze Zeit später in einer futuristischen Stadt, die direkt aus „Final Fantasy VII“ stammen könnte Motorrad zu fahren. All das ist als Gesamtbild dermaßen abgefahren, dass man als Spieler mehr als nur einmal verdutzt vor dem Fernseher sitzt und sich einfach nur „what the f**k?!“ denkt. Trotzdem muss man dem Spiel zugestehen, dass einige der Abschnitte mit ihren ständig wechselnden Grafikfiltern absolut faszinierend aussehen und einem wirklich das Gefühl einer überirdischen oder fremdartigen Welt vermitteln. Trotzdem ist die eigenwillige Gestaltung des Spiels sicherlich nicht jedermanns Sache.

Ich persönlich verbuche „El Shaddai“ mal unter der Rubrik digitales Kunstwerk, denn das ist „El Shaddai“ aus optischer Sicht für mich – ein Kunstwerk. Man kann es verstehen, oder auch nicht, man kann es mögen, oder auch nicht, aber in jedem Fall geht eine gewisse grundlegende Ausstrahlung davon aus, die über die sonst übliche „Polygonprotzerei“ anderer Spiele hinausgeht. Spielerisch könnte man „El Shaddai“ grundsätzlich als eine Art Mix aus „Devil May Cry“ und „Super Mario“ bezeichnen, denn meistens wechseln sich Plattform Passagen, welche meistens im guten alten 2D Retro Stil gehalten sind mit 3D Kampfeinlagen ab. Während die Plattformer- Abschnitte aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Sprungsteuerung, welche es einem teilweise relativ schwer macht, Sprünge exakt zu koordinieren, einen durchwachsenen Eindruck hinterlassen, können die Kampfpassagen überzeugen. „El Shaddai“ bietet ein relativ einfaches Kampfsystem, das auf drei unterschiedlichen Waffentypen basiert. Das schöne dabei ist, dass das Kampfsystem sehr leicht zu erlernen ist, aber trotzdem etwas Tiefgang bietet, wenn man sich mit den verschiedenen Waffentypen beschäftigt.

An die Vielseitigkeit eines „Devil May Cry“ oder „God Of War“ kommt das Kampfsystem aber leider nicht ganz heran. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der Spaßfaktor ist definitiv vorhanden. Allerdings kann „El Shaddai“ auf längere Sicht gesehen ein wenig eintönig werden, denn außer den Sprung- und Kampfpassagen wird bis auf die vorher schon erwähnte Motorradfahrt relativ wenig Abwechslung geboten. Zudem ist das Spiel mit einer Spielzeit von ca. 7 bis 10 Stunden relativ kurz ausgefallen. Allerdings muss man sagen, dass man über diese kurze Zeit relativ gut unterhalten wird und der ein oder andere Spieler sicher wieder zurück in die Welt von „El Shaddai“ kommt, obwohl er das Spiel schon einmal beendet hat. Akustisch unterstreichen sphärische Klänge, die oft auf Chorgesänge zurückgreifen die verträumte Optik des Spiels gut. Auch die Kampfgeräusche hören sich schön wuchtig an und setzen das Geschehen gekonnt in Szene.

Fazit: „El Shaddai: Ascension Of The Metatron“ macht einem unterm Strich eine Bewertung nicht gerade einfach, denn während die künstlerische Gestaltung wirklich beeindruckend ist, ist das Gameplay „nur“ ordentlich. Versteht mich nicht falsch, „El Shaddai“ ist meiner Meinung nach ein gutes Spiel, das Spieler mit einer künstlerischen Neigung gut unterhalten wird, jedoch wird es wieder viele Reviews geben, die das Spiel aufgrund der Optik als „Meilenstein des Jahrhunderts“ anpreisen werden, aber das ist „El Shaddai“ sicherlich nicht, denn wie heißt es so schön: Optik ist nicht alles. Da meine „Kunst“ (ohne jetzt anmaßend werden zu wollen) die Bewertung des Gameplays ist, fasse ich abschließend zusammen: Wer sich für den abstrakten und teils minimalistischen Grafikstil begeistern kann und auf relativ simple Actionspiele steht, kann bei „El Shaddai“ bedenkenlos zugreifen. Der typische „Standard- Zocker“ wird sich aber vermutlich nicht mit der Grafik anfreunden können und „Core- Spieler“, die es gerne etwas komplexer mögen, wird es ein wenig an Tiefgang im Gameplay fehlen.

Andreas Chmieliczek