Playstation 3  
 
The Elder Scrolls V:
Skyrim

Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Bethesda Softworks

Erschienen bei:
Bethesda Softworks

Legt die Rüstung an und wetzt Eure Schwerter, denn wenn die weltberühmten Berthesda Studios zu den Waffen rufen, sollten Rollenspieler für gewöhnlich folgen! Schließlich können die Entwickler bereits mehrere preisgekrönte Spiele, wie zum Beispiel „Fallout 3“ und den Vorgänger „The Elder Scrolls IV: Oblivion“ in ihrem Repertoire verzeichnen. Ob nun auch der neueste Teil der „Elder Scrolls“-Saga mit dem Pfeil ins Schwarze trifft oder ob es sich bei dem Spiel eher um ein zweischneidiges Schwert handelt, zeigt der Test.

Im neuesten Teil der traditionsreichen Rollenspielreihe verschlägt es Euch einmal mehr in das mittelalterliche Fantasy-Reich „Tamriel“. Genauer gesagt in den hohen Norden des Kontinents, in das namensgebende Land „Skyrim“ (Oder zu Deutsch: „Himmelsrand“). Zu Beginn des Spiels erwacht unser Spielheld auf einem Gefangenentransport, der ihn zu seiner Exekution in das verschneite Dorf Helgen bringen soll. Während der Fahrt unterhält man sich mit einigen traurigen Seelen, welche das gleiche Schicksal erwartet und erfährt, dass sich Himmelsrand inmitten eines Bürgerkriegs zwischen dem kaiserlichen Reich und den „Sturmmantel-Rebellen“ befindet.

Allerdings soll das nicht der einzige Schrecken sein, der das eisige Land heimsucht, denn schon bald macht man Bekanntschaft mit weitaus bedrohlicheren Gefahren. Doch zunächst einmal erschaffen wir uns, nachdem wir in Helgen vom Wagen gestiegen sind, unser virtuelles Alter Ego und verpassen ihm einen Namen. Dabei kann der Spieler zunächst zwischen männlich und weiblich wählen und anschließend aus mehreren verschiedenen Rassen, von denen jede einzigartige Fähigkeiten mitbringt. Ich habe mich entsprechend dem rauen Land für einen „Nord“, großgewachsene Menschen, die ein wenig an die alten Wikinger erinnern, entschieden. Es gibt aber auch diverse andere fantasy-typische Rassen, wie zum Beispiel Elfen in allen Varianten, unterschiedliche Menschenrassen, Echsenmenschen namens Argonier, Orks und katzenähnliche Wesen namens Khajiit, zwischen denen der Spieler wählen kann.

Nachdem wir Aussehen und Namen unseres Helden festgelegt haben, geht es auch schon gleich Richtung Schafott, da wir von der kaiserlichen Armee, die uns gefangen genommen hat, irrtümlicherweise für einen Anhänger der Rebellen gehalten werden. Allerdings hat unser Held Glück im Unglück, denn gerade, als der Henker zum Todesschlag ansetzt, wird das Dorf vom lautem Gebrüll eines Drachen erschüttert, der sogleich anfängt, die ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen. Dadurch gelingt uns die Flucht und wir haben nach einer Passage durch einige Höhlen erstmals freien Zutritt zur gigantischen Spielwelt von Skyrim. Ab hier lässt das Spiel dem Spieler auch schon sämtliche Freiheiten, zu tun und zu lassen, was er will. Und zu tun gibt es in Himmelsrand wirklich einiges! Selbstverständlich könnte man sich ab hier auch einfach bemühen, die gut erzählte Story, welche sich ganz um die neue Bedrohung durch die plötzlich auftauchenden Drachen dreht, weiterzuführen, aber damit entginge dem Spieler sicher 90 % des Spiels.

Mein erster Eindruck zur Spielwelt war: Wow! Gigantische Gebirgsketten und Täler erstrecken sich soweit das Auge reicht und man kann wirklich jeden Ort, den man sieht, sei dieser auch noch so weit am Horizont, besuchen und erforschen. Die Welt ist wirklich riesig! Um das ganze einmal in Zahlen zu verdeutlichen: Wenn man vom einen Ende der Landkarte zur anderem über die schnellste Route laufen würde, bräuchte man locker eineinhalb Stunden! Dass die Welt zudem auch noch herrlich atmosphärisch mit ihren malerischen Berglandschaften aussieht, komplettiert den bombastischen Ersteindruck. Überhaupt merkt man an jeder Ecke, mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler zu Werke gegangen sind. Der dynamische Tag/Nacht-Wechsel lässt die wunderschönen Landschaften immer wieder in neuem Licht erstrahlen, die Bewohner der unzähligen Städte und Dörfer haben alle einen richtigen Tagesablauf und jede Stadt versprüht ein ganz eigenes Flair. Auch die unzähligen Dungeons und Höhlen, die man während der vielen Quests besucht sehen herrlich düster und schaurig aus.

Dazu hat man als Spieler schier unzählige Möglichkeiten, sich die Zeit in Himmelsrand zu vertreiben. Natürlich gibt es neben den Storyquests auch unzählige Nebenquests, die nur darauf warten, erledigt zu werden. Man kann sich aber neben dem Quest-Alltag auch beispielsweise als Jäger versuchen und Abends das Fleisch über dem prasselnden Feuer zubereiten, sich als Holzfäller beim Holzhacken oder als Minenarbeiter mit der Spitzhacke versuchen, sich in einer Stadt niederlassen und ein Haus kaufen, um dieses anschließend schön einzurichten, Zutaten für Zaubertränke sammeln und selbige anschließend brauen, das Schmiedehandwerk erlernen und sich mächtige Schwerter und Rüstungen herstellen, eine schmucke Frau finden und heiraten, diversen Gilden und Gruppierungen Beitreten oder sogar im Bürgerkrieg mitmischen, indem man sich einer der Parteien anschließt. Was einem bei diesem Spiel an Möglichkeiten offensteht ist schier unglaublich!

Man kann hier tatsächlich schon fast von einem zweiten, virtuellen Leben als Krieger in einer Fantasy-Welt reden! Gespielt wird das ganze wahlweise in der Ego-Perspektive oder in der „über-die-Schulter-Perspektive“. Die Steuerung ist für ein Rollenspiel überraschend einfach gehalten und funktioniert in den actionreichen Echtzeitkämpfen größtenteils sehr gut. Nur einige Schultertasten reagieren etwas träge und das Sprungverhalten unseres Helden ist auch nicht immer optimal, weil der Sprungbefehl in unwegsamem Gelände manchmal einfach nicht ausgeführt wird. Schön ist die Möglichkeit, bestimmte Ausrüstungsgegenstände, welche oft benutzt werden, in einem Quickmenü unterzubringen, sodass man auch in hitzigen Gefechten schnell Zugriff darauf hat, ohne erst ewig im Inventar herum suchen zu müssen. Grafisch ist „Skyrim“ tatsächlich teilweise ein zweischneidiges Schwert, denn während die Landschaften, welche von schneebedeckten Bergen über Wälder und Sümpfe bis hin zu malerischen Seen und Tälern viel Abwechslung bieten, aus der Entfernung atemberaubend schön aussehen, breitet sich hier und da bei näherer Betrachtung einiger Texturen ein matschiger Pixelbrei auf dem Bildschirm aus.

Besonders, wenn man sich im Hochgebirge aufhält, werden dem Spieler teils heftige Matschtexturen auf den Felsen serviert. Man muss hierbei aber fairerweise sagen, dass solche Texturen vor allem in Bereichen auftreten, wo der Standard-Spieler oft entweder nicht vorbeikommt oder schlicht nicht so genau hinsieht. Zudem trüben einige Slowdowns den Eindruck ein wenig. Ansonsten macht „Skyrim“ optisch einen guten Eindruck und ich muss zudem einfach meinen Hut vor der gesamtkünstlerischen Präsentation ziehen! Eine optisch derart stimmige und atmosphärische Welt findet man nur in absoluten Ausnahmespielen. Auch die Klanguntermalung ist fantastisch gelungen und sorgt für echte Gänsehaut! Wenn man abends von einem Berghang ins Tal blickt, während die Sonne langsam untergeht und die zwei Monde dieser Welt langsam aufgehen, später das Polarlicht den Himmel erhellt und dazu auch noch sanfte, orchestrale Melodien mit Chorgesang im Hintergrund ertönt, entsteht schon fast eine sakrale Atmosphäre, wie ich sie bisher in fast keinem anderen Spiel erlebt habe.

Fazit: „The Elder Scrolls V: Skyrim“ überzeugt auf ganzer Linie! Das Spiel ist riesengroß, abwechslungsreich, wunderschön und einfach unverschämt gut! Berthesda hat hier eine absolute Ausnahme-Produktion abgeliefert, die momentan im Bereich Rollenspiele nahezu konkurrenzlos ist. Wirkliche Kritikpunkte sucht man hier mit der Lupe. In der Tat zählt „The Elder Scrolls V: Skyrim“ für mich neben dem ebenfalls grandiosen „Deus Ex: Human Revolution“ zu den heißesten Kandidaten für den Titel „Game of the year“. Ganz klare Kaufempfehlung meinerseits! Dieses geniale Spiel muss man einfach erlebt haben!

Andreas Chmieliczek