Playstation 3  
 
Herr der Ringe:
Der Krieg im Norden

Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Snowblind Studios

Erschienen bei:
Warner Bros.
Interactive Entertainament

Im neuen Action-Rollenspiel „Der Herr der Ringe - Der Krieg im Norden“ aus dem Hause Warner Bros. Interactive Entertainment begeben wir uns auf die Reise nach Mittelerde. Dieses Game basiert auf der „Herr der Ringe“- Trilogie, ist aber ein eigenständiges Ereignis und setzt keine Vorkenntnis der Filme voraus. Oje, dachte ich zuerst, da Games, die einen Film als Hintergrund haben oft nur einen lauwarmen Aufguß des Selbigen darstellen und zweitens weil Rollenspiele so gar nicht mein Ding sind. Aber im Nachhinein kann ich sagen, daß es sich gelohnt hat.

Das Game startet gleich nach dem Einlegen des Silberlings und kommt ohne vorheriges Herunterladen auf die PS3 Festplatte aus. Nach einem kurzen Intro erscheint der Menübildschirm, auf dem die 3 spielbaren Charaktere zu sehen sind. Zum einen ist da der Dünedain-Waldläufer Eradan, Andriel, die Lehrmeisterin von Bruchtal und Farin, der Champion von Liebot. Per linkem Stick wählen wir unseren Protagonisten an, den wir steuern möchten und bestätigen diesen mit X (PS3). Nach jedem beendeten Level haben wir jedoch die Möglichkeit, uns auch für einen anderen Helden zu entscheiden. Im Kampagne-Modus können wir zwar alleine und mit Unterstützung durch die CPU gesteuerten Kameraden spielen, jedoch macht es deutlich mehr Spaß sich mit Kollegen aus Fleisch und Blut im Koop-Modus via Internet durch die Schlachtfelder zu schlagen.

Ich hatte auch so das Gefühl, dass manche Passagen mit realen Spielern besser zu meistern sind, da einige Kämpfe eine gewisse Taktik abverlangen. Wie im Prolog schon angesprochen ist die Story quasi eine Nebenhandlung zum eigentlichen Verlauf der Trilogie. Haben wir uns für einen Charakter entschieden, starten wir unsere ersten Gehversuche in einem Dorf, besser gesagt in einer kleinen Spelunke. Unsere Freunde folgen uns stets bei unserem Entdeckungsexkurs durch die Kneipe, in der wir mit verschiedenen Leuten ins Gespräch kommen können. Zur Kommunikation stehen uns meistens 3 Antworten zur Auswahl, um nähere Informationen zu erhalten oder uns höflich aber bestimmt wieder aus dem Gespräch auszuklinken. Unsere erste Mission, wenn wir diese annehmen, besteht darin, einem heimlich verliebten Kerl eine gerissene Halskette beim Schmied reparieren zu lassen und diese dann mit dem Liebesgeständnis der Angebeteten zu überbringen. So finden wir auch gleich heraus, wo wir unsere Waffen und Rüstungsteile wieder aufpolieren lassen können- beim Schmied- gegen einen kleinen Betrag versteht sich. Außerdem entdecken wir in dem Dorf einen Händler, bei dem wir eingesammelte Items wie goldene Ritualdolche, Elbensteine oder Bernstein zu Cash machen können und damit uns mit neuen Waffen, neuen Rüstungsteilen wie Handschuhe oder Schulterstücke eindecken können.

Besagte Items finden wir in geheimen Höhlen oder auch in zerstörbaren Kisten bzw. Tonkrügen, die neben den genannten Wertsachen auch Geldsäckel enthalten. Nach dieser Erkundungstour im Dorf versammeln wir unsere Truppe an einem Tor, welches durch einen weißen Schleier verhangen ist. Sind alle Mitglieder angetreten, geht es über die Karte, die sich jetzt öffnet, in die nächste Siedlung. Hier lassen die ersten Gegner auch nicht lange auf sich warten. Neben den Skelettkriegern, so nenne ich sie mal, gibt es noch riesige Trolle oder „Zauberer“ im Feindeskader. Letztere haben die Macht, einen Schutzwall um sich zu legen, der für Fernwaffen wie Pfeile oder Strahlen aus einem Stab undurchdringbar ist, also spart Euch das und geht gleich in den Nahkampf über. Die Kämpfe laufen zwar fast immer gleich ab, machen aber trotzdem riesig Laune. Auf Schwierigkeitsstufe Normal stecken die Gegner echt viel weg. Wenn wir einen Gegner bearbeiten steigen aus ihm kleine Zahlen auf, die Erfahrungspunkte. Dann erscheint ein gelber, kleiner Pfeil über dessen Kopf. Jetzt solltet ihr die Dreieck-Taste (PS3) gedrückt halten, um einen finalen Schlag auszuführen. Entweder fliegt dann die Mütze oder ein Arm, was sich schlimm anhört aber bei weitem unblutiger abgeht als bei einem gewissen Kriegsgott mit Rachegelüsten.

Die Grafik ist super, die Protagonisten sehen gut animiert und detailliert aus. Vor allem der später auftauchende riesige Adler ist in seiner Animation und Aussehen sehr realistisch. Die Dialoge und Zwischensequenzen laden zum Zusehen ein und sind optisch sehr gut in Szene gesetzt. Gut, die Synchronisation im Wirtshaus zu Beginn war etwas hakelig, da bewegen die Leute den Mund noch obwohl sie nichts mehr sagen, aber darüber können wir getrost hinwegsehen. Werden wir im Kampf schwerwiegend verwundet, sprich ist unser Lebensenergiebalken leer, kriechen wir am Besten in die Richtung eines Verbündeten, der uns dann mittels Drücken der X-Taste wieder ins Reich der Lebenden holt. Gleiches sollten wir natürlich auch tun, um unsere Mitstreiter vor dem endgültigen Tod zu retten. Manchmal hilft es auch, in den regenerierenden Kreis zu stehen, den Andriel ab und zu um sich herum aufbaut. Kleiner Nebeneffekt des Heilkreises ist die Undurchdringlichkeit gegenüber Geschossen. Geht das Ganze doch mal schief ist es kein Beinbruch, denn die Checkpoints sind fair angelegt, keine Chance für Spielfrust. Die Levels sind düster und reichlich mit schönen Texturen ausgekleidet. Das Setting mit nebeligen Tälern, dunklen Höhlen und riesige Schlachtfelder vermitteln dem Spieler eine beklemmende Atmosphäre und das Gefühl in einem der „Herr der Ringe“-Filme zu agieren. Trotz der Grafikpracht und manchmal sehr vieler Gegner läuft alles butterweich und mit humanen Ladezeiten. Gut gelungen ist den Entwicklern die Balance zwischen Action und Rollenspielelementen.

Nach einem Plauderstündchen folgen mehrere Scharmützel mit Schwert, Bogen oder Bomben spuckenden Katapulten und als Sahnehäubchen folgt dann eine Zwischensequenz, die Augen und Ohren verwöhnt und unseren Adrenalinspiegel wieder sinken läßt. Beide Daumen nach oben. Der Sound ist stimmig, die Kampfgeräusche klingen realistisch und der befremdlich wirkende Klangteppich tut sein übriges. Kleiner Tipp: sollte mal die Orientierung verlorengehen, was gerade in den Höhlengängen der Fall sein kann, hilft ein Druck auf R3 (PS3), mit dem sich eine kleine Minimap öffnet, auf der das Ziel als heller Punkt markiert ist. Rätsel im klassischen Sinn gibt es nicht, es sei denn, wir müssen einen Schlüssel zu einer verschlossenen Tür finden. Im Online-Modus spielen wir die Kampagne mit Zockern aus aller Welt, was echt süchtig macht, da die taktische Vorgehensweise bei echten Spielern eine ganz andere ist als bei computergesteuerten Kollegen. Es treten später auch noch bekannte Figuren aus den Filmen auf und diese sind deutlich wiederzuerkennen. Die Steuerung ist einfach belegt und geht schon nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut über. Für einen guten Durch- und Überblick sorgt die frei drehbare Kamera. Einzig und allein das Inventar, in dem wir unsere Waffen, Rüstungsteile und gesammelten Goodies einsehen können, ist etwas komplexer angelegt, da habe ich ab und an mal den Überblick verloren, sei es drum, das Fazit ist eindeutig:

Meine anfänglichen Bedenken eines weiteren lauwarmen Aufgusses eines erfolgreichen Filmes wurden sehr schnell zerstreut. „Der Herr der Ringe - Der Krieg im Norden“ ist ein gut gelungenes Actiongame mit Rollenspielanteilen, die keine Überhand nehmen. Das Gesamtpaket stimmt hier einfach. Das Game an sich kann so überzeugen, daß es auch ohne den bekannten Titel der Film Trilogie gut ankommen würde, da das Gameplay absolut massenkompatibel ist. Ich kann das Spiel bedenkenlos auch an Nicht-Herr der Ringe Fans und Rollenspielmuffel wie ich es einer bin ans Herz legen, die Kämpfe machen Spaß, die Optik und die aufkommende Atmosphäre ist einfach gut, also reinschauen lohnt sich auf alle Fälle. Gute Umsetzung, liebe Entwickler.

Siegfried Wondrak