Playstation 3  
 
Spiderman:
Edge of Time

Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Beenox

Erschienen bei:
Activision

Und schon wieder steht ein Superheldeneinsatz auf der PS3 an! Diesmal schwingt sich Spider-Man in den Kampf, um böse Buben im Akkord zu verkloppen. Dabei begnügt sich der rot-blaue Wandkrabbler allerdings nicht nur mit einer Dimension, denn das neue Spidey-Abenteuer spielt sich auf zwei verschiedenen Dimensionsebenen ab! Ob der Marvel-Held mit seinem neuesten Spiel für ähnliche Begeisterung sorgen kann, wie Batman oder Cole McGrath in ihren Auftritten, zeigt der Test.

Tja als Superheld dürfte man ja eigentlich an so manche ungewöhnliche Situation gewohnt sein, aber als Peter Parker bei der Arbeit von seinem eigenen Spider-Man Nachfolger aus der Zukunft kontaktiert wird, verschlägt es selbst ihm zunächst die Sprache! Dies wird sich allerdings im Laufe des Spiels noch gravierend ändern…Doch dazu später mehr. Wie auch schon im Vorgänger „Spider-Man: Dimensions“ steuert man auch in „Edge of Time“ wieder verschiedene „Versionen“ des Spinnenmannes. Diesmal allerdings leider nur noch zwei, nämlich den klassischen „Amazing Spider-Man“ und den futuristischen „Spider-Man 2099“.

Soll also im Klartext heißen, dass die beiden anderen Spideys aus dem Vorgänger leider nicht mehr mit von der Partie sind, was schon mal im Voraus für eine kleine Enttäuschung sorgt, denn im Vorgänger konnte besonders „Spider-Man Noir“ mit seinem einzigartigen Stil für frischen Wind im Gameplay-Alltag sorgen. Doch zunächst einmal zur Story des Spiels. Gleich in der Anfangssequenz wird man Zeuge, wie der arme Spiderman von einer besonders fiesen Version seines Erzfeindes Venom namens „Anti-Venom“ totgeprügelt wird. Es folgt ein Zeitsprung, in dem man die Kontrolle von Spider-Man 2099 übernimmt, der versucht einen Wissenschaftler namens Walker Sloan daran zu hindern, ein Zeitreise-Experiment durchzuführen. Das geht natürlich schief und der Bösewicht schafft es, durch das Zeitreiseportal zu schlüpfen und die Zukunft zu seinen Gunsten zu verändern.

Als Spider-Man 2099 daraufhin zu spät versucht, Walker Sloan durch das Portal zu folgen, wird er in einer Art Zeitwirbel gefangen und kann von nun an Teile der Vergangenheit sehen und sogar mit seinem „Spinnen-Kollegen“ Peter Parker aus der Vergangenheit kommunizieren. Da der „Zukunfts-Spider-Man“ auch sehen kann, wie der „Vergangenheits-Spider-Man“ von Venom abgemurkst wird, versucht er ihn zu warnen und zu verhindern, dass dieses schlimme Ereignis tatsächlich eintrifft. Im anschließenden Spiel sind die beiden von nun an immer in Kontakt und helfen sich gegenseitig mit Tipps und Aktionen, die Einfluss auf die Zeitperiode des jeweils anderen haben, aus der Patsche. Dabei schlüpft man als Spieler immer wieder abwechselnd in die Haut eines der Protagonisten. Das Stichwort „die beiden bleiben immer in Kontakt“ ist dabei wörtlich zu nehmen, denn beide Spider-Männer entwickeln sich mit der Zeit zu echten Tratschtanten. Im Ernst! Es wird einfach ohne Pause geplappert!

Egal, ob ihr gerade Gegner vermöbelt, an Wänden rumklettert, oder Euch an einem „Netzseil“ wie Tarzan durch die Level schwingt- die beiden Babbeltaschen wollen einfach nicht aufhören, den neuesten Kaffeeklatsch miteinander auszutauschen! Das kann gelegentlich echt auf die Nerven gehen. Die Sprecher (übrigens die Englischen Originalsprecher) machen allerdings einen tollen Job und verleihen unseren sympathischen Quasselstrippen durchaus Charakter. Unter den Sprechern befindet sich sogar echte Prominenz in Form von Val Kilmer, der den Bösewicht Walker Sloan spricht. Tatsächlich sind die Stimmgeber und die ordentliche Story, auch wenn sich diese auf Anhieb etwas abstrus anhören mag, leider das Beste an „Spider-Man: Edge of Time“. Über das Gameplay lässt sich nämlich nicht allzu viel berichten. Ihr streift mit Spiderman eigentlich die ganze Zeit nur durch uninspiriert gestaltete und langweilige Innenräume und verprügelt in relativ anspruchslosen Kämpfen ganze Hundertschaften an Gegnern.

Hier und da ein paar Spider-Man-typische Manöver wie z.B. am Netz umherschwingen und an den Wänden herumkrabbeln. Punkt. Das war es dann auch schon. Einfach nur von Raum zu Raum rennen und ein paar Gegner verprügeln kann auch durchaus gut umgesetzt sein, wie schon so manch anderes Spiel gezeigt hat, allerdings sollte dann zumindest das Kampfsystem einen gewissen Anspruch und Tiefgang haben, den „Spider-Man: Edge of Time“ aber leider schmerzlich vermissen lässt. Denn, wo Cole McGrath unglaublich variabel zwischen Nahkampf, Luftkampf und Shooter hin- und herwechselt oder Batman geschickt seine unzähligen Gadgets und Konterangriffe gegen seine Widersacher einsetzt, bleibt Spider-Man beim simplen „Prügeln-mit-leichten-und-schweren-Angriffen“. Man kann Spider-Mans Move-Repertoire zwar durch neue Combos erweitern, allerdings sind diese meist sowieso unnötig, weil die Gegner die Intelligenz einer Erbse aufweisen und für einen auch nur ansatzweise geschickten Spieler keine Herausforderung darstellen.

Das langweilige Leveldesign trägt zudem dazu bei, dass die Motivation, sich näher mit dem Spiel zu befassen, im Keim erstickt wird. Auch Soundtechnisch gibt es wenig erwähnenswertes. Die Kampfgeräusche hören sich unspektakulär an und die Musik geht relativ unauffällig im Hintergrund unter. Vielleicht wird sie aber auch einfach durch Spider-Mans Dauergeplapper übertönt…Man weiß es nicht. Die Steuerung ist relativ simpel gehalten, was bei der doch recht schmalen Aktionspalette des Helden auch nicht weiter verwundert. Immerhin funktioniert sie ziemlich gut und geht leicht von der Hand.


Fazit: Tja, mit seinem neuesten Auftritt hat sich Spider-Man, bzw. die Jungs von Beenox, leider nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ich würde wirklich gerne mehr (… und auch mehr Positives!) über dieses Spiel berichten, aber leider fehlt es „Spider-Man: Edge of Time“ dazu schlicht und einfach an Inhalt und Substanz. Eigentlich mag ich Spider-Man als Helden! Aber dieses Spiel wird dem sympathischen Superhelden einfach nicht gerecht. Und wenn der charismatische Protagonist nicht wäre, würde dieses Spiel vermutlich total in den Abgrund der Belanglosigkeit fallen. Eigentlich schade, denn der Vorgänger „Spider-Man: Dimensions“ hatte bereits einige gute Ansätze, die man hier gerne verfeinert gesehen hätte! Unerschütterliche Spidey Fans sollten das Game eventuell aus der Videothek ausleihen, alle anderen greifen lieber zum Vorgänger.

Andreas Chmieliczek