PSP  
 
The 3rd Birthday
Preis: ca. EUR 40,-

Entwickler:
Square Enix

Erschienen bei:

Square Enix

Vor langer, langer Zeit, in einem Zeitalter, das uns heute nur noch dunkel unter dem Namen „Die Neunziger“ bekannt ist und welches uns heute vor allem durch die Erinnerungen an schlechte Heavy Metal / Hip Hop Crossover- Bands, Tamagochies und den damals bei der holden Weiblichkeit so beliebten „Arschgeweihen“ noch heute kalte Schauer über den Rücken jagt, hat Sony den Videospielemarkt mit einer kleinen unscheinbaren Konsole genannt Playstation, im Sturm erobert. Und genau in jener Zeit sind auf Sonys Daddelkiste einige der besten Spieleserien entstanden, von denen viele noch heute bestehen und sich großer Beliebtheit erfreuen. Seltsamerweise gab es aber auch einige Serien, welche sich zwar damals durchaus erfolgreich und beliebt waren ( Ja, Dino Crisis, ich schaue in Deine Richtung! ), aber über die Zeit leider trotzdem komplett von der Bildfläche verschwanden. So auch die „Parasite Eve“ Spiele aus dem Hause Squaresoft (heute Square Enix). Doch das soll sich nun ändern, denn nach über 10 Jahren versucht Square nun mit „The 3rd Birthday“, der Serie neues Leben einzuhauchen.

Allerdings soll „The 3rd Birthday“ weniger eine waschechte Fortsetzung darstellen, sondern man versucht viel mehr einen Neuanfang der Serie durch einen eigenen Plot zu schaffen. Die Story des Spiels beginnt im verschneiten New York der heutigen Zeit. Es ist gerade Weihnachtsabend, als plötzlich die Straßen der Millionenmetropole aufbrechen und riesige, tentakelähnliche Gebilde aus dem Boden hervorschießen, die alles zertrümmern, was ihnen in den Weg kommt. Anschließend wird die Stadt von einer giftigen Wolke überzogen und seltsame, deformierte Wesen, welche „Twisted“ genannt werden, machen die Straßen unsicher.

Eine Spezialeinheit namens „CTI“ (Counter Twisted Investigation) soll nun die mysteriösen Vorgänge untersuchen. Mitglied eben jener Einheit ist auch die schöne Protagonistin Aya Brea, in deren Haut der Spieler nun schlüpft und versucht, die Twisted-Invasion aufzuhalten. „In die Haut von jemand anderem schlüpfen“ ist ein gutes Stichwort - denn selbiges macht auch die Protagonistin während des Spiels ständig. Während ihrer Missionen verlässt Agentin nämlich niemals das „CTI“ Hauptquartier, sondern teleportiert sich mit einer Maschine, die auf den schicken Namen „Overdive“ hört, in die Körper der dort anwesenden Einsatzkräfte. Der Clou daran ist, dass der Spieler dies während des Spielverlaufs ständig und ohne Begrenzung machen kann, um sich so einen taktischen Vorteil zu verschaffen. Ihr habt keine Munition mehr? Macht nix - der Typ neben Euch hat noch massig davon, also schlüpfen wir einfach in seine Haut. Ihr seid fast tot? Der Kollege am Ende der Straße sieht noch frisch und unverbraucht aus, also ab gehts in seinen Körper! Das scheint zwar teilweise durchaus etwas makaber zu sein, macht aber in der Praxis wirklich Spaß und funktioniert tadellos.

Zudem haben die Entwickler die Bosskämpfe so konzipiert, dass man dieses Feature taktisch einsetzen muss, um beispielsweise schneller fliehen zu können oder einen besseren Schusswinkel zu bekommen. Das Zielen an sich ist durch die automatische lock-on Funktion absolut simpel und funktioniert auch einwandfrei. Das ist auch gut so, denn ein Großteil des Spiels besteht aus Schusswechseln und Actionszenen. Und genau hier werden alte „Parasite Eve“- Hasen die Nase rümpfen. Waren die alten Spiele noch echte survival horror Titel vom Schlage der früheren „Resident Evil“ Spiele, ist „The 3rd Birthday“ klar in die Kategorie Third Person Shooter einzuordnen. Daher sollte man das Spiel ausdrücklich nicht als „Parasite Eve 3“ ansehen! Wenn man nämlich mit einer solchen Erwartung an das Spiel herangeht, wird man enttäuscht werden! Vielmehr sollte man „The 3rd Birthday“ als einen völlig eigenständigen Titel ansehen. Das actionreiche Spielprinzip gewinnt durch einen leichten Rollenspiel-Einschlag an Tiefe. So kann man sich natürlich im Laufe des Spiels allerhand Schießprügel kaufen, diese nach belieben modifizieren, Erfahrungspunkte in jeder Waffenklasse sammeln, welche den Umgang mit der jeweiligen Waffenart verbessern oder verschiedene Statuswerte von Aya Brea nach den eigenen Wünschen anpassen.

Das System ist insgesamt gut gelungen und bietet Einiges an Experimentierspielraum. Auch grafisch macht „The 3rd Birthday“ einiges her. Die Zwischensequenzen, seien es die vorgerenderten oder die in Spielgrafik, sehen allesamt hervorragend aus und suchen momentan auf der PSP ihresgleichen. Die Spielegrafik während der Missionen ist dann allerdings wieder etwas trister ausgefallen und bietet durchaus Luft nach oben. Zudem bietet „The 3rd Birthday“ leider nur recht wenige Gegnertypen, sodass sich relativ schnell eine leichte Monotonie einstellt. Auch das Leveldesign hätte etwas mehr Abwechslung vertragen können, denn viel mehr als einige Straßen und Gassen, ein paar unterirdische Tunnel und einige Gebäudekomplexe bekommt man nicht zu Gesicht. Einige der Bosskämpfe sind dafür aber toll inszeniert. So befindet man sich bei einem Kampf beispielsweise im freien Fall, während man mehreren Hindernissen ausweichen muss und gleichzeitig das riesige Ungetüm, welches sich unter einem befindet mit ordentlich Blei versorgt.

Zum Schluss lässt sich sagen, dass „The 3rd Birthday“ durchaus ein gutes Actionspiel für die PSP geworden ist. Wer mit den linearen Leveln und den wenigen Gegnertypen auskommt, wird hier durchaus seinen Spaß haben. Wichtig ist eben wie gesagt nur, dass man „The 3rd Birthday“ nicht als „Parasite Eve 3“ ansehen sollte, denn das ist es definitiv nicht geworden! In diesem Sinne wünsche ich frohe Jagd auf die „Twisted“!

Andreas Chmieliczek