PSP  
 
Dissidia 012
Final Fantasy
Preis: ca. EUR 40,-

Entwickler:
Square Enix

Erschienen bei:

Square Enix

Zwei Jahre ist es nun her, dass Square Enix zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Final Fantasy Serie die Klopperei „Dissidia Final Fantasy“ für die PSP ins Rennen schickte. Schnell entpuppte sich das Kampfspiel, in welchem dutzende Helden und Schurken der gesamten Final Fantasy Geschichte vertreten waren, nicht nur als kommerzieller, sondern auch als spielerischer Hit mit einem für PSP Verhältnisse phänomenalen Umfang. Auf die Bitte vieler Fans hin entschied man sich bei Square nun mit „Dissidia 012 Final Fantasy“ ( Sprich: „Dissidia duodecim Final Fantasy“ ) einen Nachfolger der beliebten Keilerei zu produzieren. Doch ob Final Fantasy Fans erneut in den Ring steigen oder „Dissidia 012“ lieber eine Abfuhr erteilen sollten, zeigt der Test.

Warum eigentlich 012 bzw. „duodecim“? Das werden sich wahrscheinlich viele Spieler bei dem etwas seltsam anmutenden Titel fragen. Eine Erklärung liefert ein Blick auf die Handlung der „Dissidia“- Serie. Cosmos, die Göttin der Harmonie und Chaos, der Gott der Zwietracht befinden sich nun schon seit Jahrtausenden in einem endlosen Konflikt um die Vorherrschaft. Aber da sich die göttlichen Herrschaften natürlich zu fein sind, sich selbst die Finger schmutzig zu machen, rekrutieren beide Götter reihenweise legendäre Krieger aus unterschiedlichen Welten, um für sie in die Schlacht zu ziehen. Das Wort „endlos“ ist in diesem Kampf allerdings wörtlich zu nehmen, da der Konflikt jedes mal, wenn eine Seite zu gewinnen scheint und die Balance ins Wanken gerät, von neuem beginnt, da ein leuchtender Drache aus Licht einen Teil der gefallenen Krieger auf beiden Seiten wieder zum Leben erweckt und alles wieder „auf Null setzt“.

Der Krieg der Götter lässt sich also sozusagen in einzelne Kreisläufe unterteilen, wobei der Erstling den dreizehnten und letzten Kreislauf erzählte, wogegen „Dissidia 012 Final Fantasy“ („Duodecim“ ist das lateinische Wort für „Zwölf“ ) die Geschehnisse des vorherigen, zwölften Kreislaufes erzählt. Es handelt sich also um ein Prequel. Hört sich total Banane an? Ist es auch! Aber um ehrlich zu sein, musste man damit schon fast rechnen, da in diesem Spiel Charaktere und Themen aus sage und schreibe dreizehn Final Fantasy Spielen zusammengewürfelt werden. Handlungstechnisch kann eigentlich nur völlig Abstruses dabei herauskommen. Da es sich bei der „Dissidia“- Serie zudem im Kern um ein Beat 'em up Spiel handelt, welche ja allgemein nicht gerade für oscarreife Handlungen bekannt sind, ist dem Spiel die ziemlich an den Haaren herbeigezogene Handlung aber zu verzeihen. An welche Zielgruppe sich „Dissidia 012 Final Fantasy“ richtet, ist schnell klar: Natürlich in erster Linie an alteingesessene Final Fantasy Fans. Und die werden beim spielen mehrmals in nostalgisches Schwärmen geraten, wenn sie mit Cloud Strife aus „Final Fantasy VII“ erneut in den Kampf gegen den legendären Widersacher Sephiroth ziehen, mit Squall Leonheart aus „Final Fantasy VIII“ einsam über das Schlachtfeld streifen oder Tidus aus „Final Fantasy X“ dabei helfen, seine offene Rechnung mit seinem Vater Jecht zu begleichen.

Da unzählige Charaktere aus Final Fantasy I bis XIII im Spiel enthalten sind, ließe sich die Liste beliebig weiterführen. Für Fans ist „Dissidia 012“ also absolutes Pflichtprogramm! Aber auch für Neulinge hat das Spiel einiges zu bieten. Zunächst wäre der wieder einmal gigantische Umfang, der im Vergleich zum Vorgänger noch einmal ordentlich zugelegt hat, positiv zu erwähnen. Zum einen wurde der Kämpferkader um diverse Recken, von denen fast jeder wieder eine eigene Story mitbringt, erweitert, zum anderen hat man einige Neuerungen, wie eine begehbare Oberwelt Karte (noch ein „Nostalgie- Bonus- Punkt“! ) mitsamt zahlreicher Dungeons integriert. Die Dungeons haben wieder den aus dem ersten Teil bekannten „Schachbrett“- Aufbau. Bei den neuen Kämpfern handelt es sich um: Lightning aus FF XIII, Vaan aus „FF XII“, Tifa aus „FF VII“, Laguna aus „FF VIII“, Kain aus „FF IV“ und Yuna aus „FF X“. Zudem wurden als versteckte Bonus Kämpfer noch Prishe aus „FF XI“ und Gilgamesch aus „FF V“ integriert. Selbstverständlich bringen die neuen Kämpfer auch neue Kampfarenen mit sich, von denen einige wirklich hervorragend gelungen sind. Aber auch am Kampfsystem hat sich etwas getan. So kann man nun sogenannte „Assist Charaktere“ in brenzligen Kampfsituationen zu Hilfe rufen, was die actionreichen Scharmützel nochmals etwas taktischer gestaltet.

Auch die neuen „Party Battles“, bei denen mehrere Charaktere der eigenen Truppe gegen mehrere gegnerische Charaktere abwechselnd kämpfen, ist eine gelungene Neuerung, die für ordentlichen Spielspaß sorgt. Für Neulinge, die mit den flotten echtzeit- Kämpfen anfangs überfordert sind, gibt es zudem den „RPG“ Mode, bei dem komplexe Kampfhandlungen per simplen Knopfdruck ausgelöst werden können, wobei rechts im Bildschirm ein Menü mit den verfügbaren Attacken aufgezeigt wird, ähnlich wie in den klassischen „Final Fantasy“ Spielen. Trotz dieser Neuerungen blieb das gelungene Grundgerüst der Kämpfe aber erhalten und wurde nur sinnvoll erweitert. Die Besonderheit bei den Kämpfen in „Dissidia“ gegenüber anderen Kampfspielen ist, dass die Kämpfer nicht nur eine Lebensenergie- Leiste haben, sondern auch einen durch einen über dem Lebensbalken platzierten Zahlenwert dargestellten „Mut- Wert“ haben, welcher grob gesagt als ein Indikator dafür dient, wie viel Schaden die nächste Attacke auf den Lebensbalken des Gegners verursachen wird. Dementsprechend sind auch die verfügbaren Angriffe der Recken in „HP-Angriffe“, welche direkten Schaden auf die Lebensleiste des Gegners ausüben und „Mut- Angriffe, welche den Mut- Wert des Gegners dezimieren, wobei sie den eigenen Mut aufladen, unterteilt. Auch wenn sich das alles auf den ersten Blick sehr kompliziert anhören mag, hat man das System schnell begriffen und erkennt die vielfältigen taktischen Möglichkeiten, die die Kämpfe bieten.

Abgerundet werden die spaßigen Keilereien noch durch eine gehörige Portion Rollenspiel. So kann man seine Lieblingskämpfer in mühevoller Hingabe zu echten Superkämpfern aufleveln, sie neue Fähigkeiten lernen lassen sowie an ihrer Ausrüstung schrauben. Negativ ist hier allerdings zu bemerken, dass sämtliche Menüs in Englisch gehalten sind, obwohl alle Zwischensequenzen ins Deutsche übersetzt wurden. Was dieser Blödsinn soll, weiß wohl nur Square Enix selbst, besonders, da der Vorgänger „Dissidia Final Fantasy“ schon komplett auf Deutsch (inklusive Menüs) war. Englischkenntnisse sind also von Vorteil! Als ob der wuchtige neue Inhalt noch nicht genug wäre, hat Square Enix zusätzlich noch den kompletten ersten Teil, der nach dem Beenden von „Dissida 012 Final Fantasy“ verfügbar wird mit auf die UMD gepackt! Das bedeutet in Zahlen, dass Ihr nochmal locker zusätzliche 40 Std. Spielzeit nach den etwa 20 Stunden, die ihr für „Dissidia 012 Final Fantasy“ benötigt, spendiert bekommt. Auch für Kenner des Erstlings bietet das erneute Durchspielen einen Reiz, da der erste Teil jetzt natürlich sämtliche Neuerungen von „012“ enthält. Wer noch alle versteckten Charaktere und Dungeons freispielen möchte sowie den hervorragenden Mehrspielerdmodus für bis zu 10 Spieler spielt, verbringt gut und gerne 150 bis 200+ Stunden mit „Dissidia 012 Final Fantasy“. Was hier also an Umfang geboten wird, geht auf keine Kuhhaut mehr!

Als Fazit lässt sich sagen, dass „Dissidia 012 Final Fantasy“ eigentlich Pflicht für jeden PSP Besitzer ist, der auf fantasiereiche Actionspiele steht. Obwohl die Story nicht zu überzeugen weiß, können der unglaubliche Umfang, die toll inszenierten und spaßigen Kämpfe sowie die schieren Massen an bekannten und beliebten Charakteren aus dem Final Fantasy Universum begeistern! Unbedingt anschauen!

Andreas Chmieliczek