PSP  
 
Pro Cycling 2008 -
Tour de France
Preis: ca. EUR 35,-

Entwickler:
Cyanide Studio

Erschienen bei:

Focus Home Interactive


Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Publisher ein Spiel zum bekanntesten Radrennen der Welt zu veröffentlichen? Die Antwort ist schnell gegeben: Natürlich im Juli, denn jedes Jahr in dieser Zeit fährt das Peleton quer durch Frankreich. In drei Wochen fahren die Jungs stolze 3500 Kilometer. Respekt, allerdings gibt es leider immer noch den ein oder anderen, welcher zu verbotenen Substanzen greift. Ich möchte den Dopingsumpf im Radsport nicht schönreden, doch auch in anderen Sportarten wird kräftig nachgeholfen. Der Gerolsteiner-Profi Sebastian Lang hat bei der diesjährigen Tour einen netten Satz gesagt: „Er meinte, es werden sich noch andere Sportarten wundern, welche sich bis jetzt noch hinter dem Radsport versteckt haben.“ Da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Trotz dieser schlechten Zeit im Radsport bin ich ein begeisterter Rennradfahrer und freute mich sehr auf dieses Spiel aus dem Hause Focus Home Interactive.

Erst dieses Jahr war ich mit meinem Radkollege in den französischen Alpen. Dort haben wir bekannte Pässe wie den Col de I´Iseran (2764m) oder den Col du Galibier (2645m) und zu guter letzte das Mekka eines jeden Radfahrers L´Alpe-d´Huez (1860m) erklommen. Die Landschaften dort sind absolut einmalig und nicht nur für jeden Fahrradfahrer sehenswert. Die Berge sind wahre Schätze für Frankreich. Kommen wir nun aber wieder zurück in die virtuelle Welt des Rennradsports. Die Entwickler Cyanide Studio schicken die aktuellste Version des Radsport Managers an den Start. Eines vorweg, es können keine Dopingmitteln erworben geschweige den eingesetzt werden. Hier wird alles im Kopf und natürlich mit den Beinen entschieden. Als ich im Hauptmenü angekommen bin und dieses ein wenig durchgestöbert habe, stellte ich fest, dass der Umfang sich sehen lassen kann.

Zum ersten sind alle Lizenzen, welche Fahrer und Teams beinhalten mit an Bord. Egal ob Team High Road (bei der Tour nannten sie sich Team Columbia), Gerolsteiner oder CSC, welche den diesjährigen Tourssieger Carlos Sastre stellen. Insgesamt sind 18 Teams mit dabei, und jedes besteht aus mindestens 25 Fahrern. Insgesamt umfasst das Spiel fünf Spielmodis. Da wären zum ersten die Klassiker wie „Mailand – San Remo“ um nur eines zu nennen. Ihr könnt aber auch nur gewisse Etappen der bekanntesten Rundfahrten wie „Giro di Italia“ oder die der „Tour de France“ separat abfahren. Wenn euch das immer noch nicht reicht dann startet doch einfach eine komplette Rundfahrt. Wie wäre es da mit der Spanien- oder der Deutschlandtour. Wem dies immer noch nicht genügt, der hat sogar die Möglichkeit auf die Bahn zu wechseln. Zu guter Letzt wäre dann noch das Herzstück des Spiels: Der Saison-Modus ermöglicht es dem Spieler, über fünf Jahre hinweg sein Team zu führen. Es warten Vertragsverhandlungen, Fitness-Programme und natürlich das tägliche Training auf Euch. Führt ein Team Eurer Wahl durch den kompletten Rennkalender der Pro Tour. Zu jeder Veranstaltung müsst Ihr fünf Fahrer abrufen. Doch Vorsicht, jeder Sportler hat seinen Saisonhöhepunkt, auf welchen er hinarbeitet. Beachtet dies unbedingt, denn Ihr möchtet ja keinen müden Radfahrer am Start haben, oder? Starten wir nun einmal ein Rennen um die technische Seite des Titels näher zu betrachten. Hoppla, was müssen meine Augen erblicken, eine Optik bei welcher es einem eiskalt den Rücken runter läuft. Die Sportler strampeln durch einen wahren Pixel-Horrortrip. Kahle Landschaften, welche zusätzlich ohne jegliche Bewegungen wie z.B. Zuschauer dargestellt sind. Auch die Animationen der Fahrer wirken sehr hölzern.

Zusätzlich als Bonbon erhält der Spieler noch jede Menge an Clipping-Fehlern. Also von der optischen Seite ist es bei weitem einer der schlechtesten Titel, welchen ich für die PSP bisher testen durfte. Springen wir nun einmal zum Gameplay über und hoffen auf Besserung. Jeder Eurer Fahrer verfügt über mehrere Energiebalken. Einer steht für die Ausdauer, der andere für die Zähigkeit des Sportlers. Der Herzschlag des Fahrers sagt ebenfalls viel über seinen Zustand aus. Mit den Schultertasten könnt Ihr problemlos zwischen Euren Fahrern hin und her schalten. Auf das Lenkverhalten habt Ihr keinen Einfluss. Es besteht nun die Möglichkeit, einen Angriff zu starten. Betätigt hierfür den Kreis-Button. Sobald dies geschehen ist erscheint ein Reflexbalken. Dieser füllt sich nun langsam auf. Sobald dieser ganz voll ist solltet Ihr erneut den Kreis-Knopf drücken. Je genauer dieser Vorgang über die Bühne geht, desto erfolgreicher ist Eure Attacke. Des Weiteren lassen sich Eure Fahrer noch verpflegen. Außerdem habt Ihr die Möglichkeit, die Position zu halten oder in der Gruppe Führungsarbeit zu leisten. Natürlich sind Sprint-/Bergwertungen in jedem Rennen eingebaut. Bei Rundfahrten ist selbstverständlich auch ein Zeitfahren im Rennprogramm eingebaut. Hier müsst Ihr mittels Richtungstasten Euren Fahrer selbst lenken. Aber nicht nur das, sondern Ihr seid auch für das Bremsen und Beschleunigen zuständig. Wie wir es aus dem Radsport gewöhnt sind beginnt circa zehn Kilometer vor dem Ziel der Sprint. Hier solltet Ihr flinke Finger haben, denn Ihr müsst nun den Kreis-Button abwechselnd drücken. Mein Fazit fällt sehr durchwachsen aus.

Die optische Seite des Titels ist ein absoluter Reinfall. Das Gameplay überzeugt auf jeden Fall ein wenig mehr, wohingegen mir auch hier die nötige Abwechslung fehlt. Sicherlich feierte ich schon nach wenigen Rennen meine ersten Erfolge, jedoch ist der Ablauf sehr eintönig. Das Thema Radsport ist alles andere als leicht in ein Computerspiel umzusetzen, allerdings konnte mich die PSP-Version des Radsport Manager 2008 – Tour de France nur in kleinen Ansätzen überzeugen. Einziger Pluspunkt sind sicherlich die originalen Lizenzen sowie die exakten Etappen der diesjährigen Tour de France. Radelt virtuell das Mekka des Radsports L´Alpe-d´Huez hinauf. Der Umfang ist ein weiterer Lichtblick im Dunkeln dieses Titels. Trotzdem muss ich leider den Daumen nach unten richten. Sorry, liebe Entwickler aber die Qualität des Spiels ist einfach nicht zeitgemäß.

Michael Birkle