Xbox  
 
BLACK
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Criterion Studios

Erschienen bei:
Electronic Arts

Ein guter Ego-Shooter muss unkompliziert und brutal sein. Diesen Vorsatz haben sich die Entwickler von Criterion zu Herzen genommen und bei ihrem Shooter-Debüt mit "Black" ein ordentliches Spiel auf die Konsole gezaubert, wobei sie ihr außerordentlich gutes Können im Punkt auf die Grafik voll einfließen ließen.

"Black" ist vom Spielablauf her eine Vergangenheitsbewältigung, denn der Spieler sitzt in einem Verhörzimmer und erzählt was geschehen ist. Dass hier etwas schief gelaufen sein muss, merken wir daran, dass wir Handschellen tragen und ausgefragt werden. Im Prinzip geht es darum, dass wir einer Spezialeinheit angehören und Aufträge aller Art für die US-Regierung in Krisenregionen durchführen. Eine dieser Missionen geht aber gehörig schief und nun wird der Spieler hierzu in Form von Zwischensequenzen ausgefragt. Nach jeder dieser Zwischensequenzen wird die Situation dann auch gespielt. Dies ist mal eine andere Art des Briefing. Wenn es dann endlich in das Kampfgetümmel geht, die Zwischensequenzen können leider nicht übersprungen werden, wird sehr schnell klar, dass "Black" endlich mal wieder ein echter Ego-Shooter alter Schule ist. Es gibt keine Interaktion mit Fahrzeugen und es müssen keine Teamkameraden strategisch eingesetzt werden. Hier gilt noch das Motto "der Feind, meine Wumme und ich". Einfach ist das Spiel aber keineswegs. Schon auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe hat man seine liebe Not, das Kampfgeschehen zu überleben. Dies liegt zum Einen an der Vielzahl der Gegner, zum Anderen müssen einige von ihnen quasi mit Blei förmlich gespickt werden, bis sie endlich das Zeitliche segnen. Zwei Magazine sind da keine Seltenheit und so wird die Munition schon mal zur Mangelware. Die Intelligenz der Gegner ist durchwachsen. Einige von ihnen reagieren auf den Spieler, gehen gekonnt in Deckung und verstehen es mit ihrer Waffe umzugehen. Andere wiederum machen einen eher beschränkten Eindruck und schauen mit der Präzision von Homer Simpson immer wieder aus ihrer Deckung hervor und warten förmlich auf einen Treffer. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis endlich der finale Todesschuss gesetzt werden kann.

Die Waffen selbst sind gut gelungen und bieten das gewohnte Inventar. Unter den verschiedensten Tötungsinstrumenten kann während des Spielgeschehens hin- und hergewechselt werden, da es möglich und nötig ist, sich auch die Waffen der Gegner anzueignen. Positiv ist hier zu vermerken, dass nur zwei davon gleichzeitig herumgetragen werden können. So muss schon mal taktisch vorgegangen werden, denn die Schrotflinte eignet sich zum Türen öffnen und ist auf kurze Distanz einfach unübertroffen, der Raketenwerfer oder das Scharfschützengewehr ist eher für weit entfernte Ziele sinnvoll und die Pistole mit Schalldämpfer eignet sich, wenn man unbemerkt bleiben will. Egal welche Waffe ausgesucht wird, die Entwickler von Criterion haben es geschafft, die Kraft, die hinter den Geschossen steckt eindrucksvoll zu vermitteln. Beim Einsatz der Waffe verreißt es den Lauf nach oben, so dass es manchmal besser ist auf Einzelfeuer umzuschalten, wenn Ziele präzise getroffen werden müssen. Auch der Einschlag einer Kugel lässt entweder einen Feind eindrucksvoll zusammenbrechen, hier wird auch schon mal gekonnt aus dem zweiten Stock gefallen, oder Scheiben zerbersten, wenn das Ziel verfehlt wird. Die Interaktion mit der Umgebung ist dort, wo es vorgesehen ist, ebenfalls eindrucksvoll. Fast alles auf den großen Arealen kann in das Spielgeschehen einbezogen werden. Fahrzeuge und Gasflaschen explodieren bei einem Treffer und reißen alle, die sich in der Nähe befinden mit in das Verderben. Barrikaden, die eigentlich zum Schutz da sein sollten, können mit der richtigen Feuerkraft einfach aufgelöst werden und Fensterscheiben oder Lampen zersplittern bei einem Treffer. Sogar ganze Häuserfronten werden teilweise zum Einsturz gebracht, aber natürlich nur dort, wo es von dem Spielverlauf auch vorgesehen ist. Hier zeigt "Black", dass auch die eher schlechten Eigenschaften eines Ego-Shooters übernommen wurden.

Die einzelnen Level sind sehr linear gehalten. Zwar gibt es aufgrund der Größe der Spielfelder auch schon mal alternative Wege, richtig weiter geht es aber erst dann, wenn eine bestimmte Aktion bzw. ein Missionsziel erfolgreich erledigt wird. Dies ist aber eher nebensächlich und fällt fast nicht auf, denn "Black" schafft es, den Adrenalinspiegel gehörig nach oben zu schrauben. Die Atmosphäre, die im Zusammenspiel mit der Grafik und dem Sound erzeugt wird, habe ich selten bei einem solchen Spiel erlebt. Grafisch wurde hier nochmals aus der Xbox herausgeholt, was die Technik hergibt. Explosionen bei denen unzählige Glassplitter durch die Luft fliegen, beeindruckende Licht- und Schatteneffekte oder die gut animierten Akteure auf dem Schlachtfeld, sind nur einige Beispiele. Auch die kleinen grafischen Raffinessen, wie z.B. dass beim Nachladen der komplette Bildschirm unscharf wird, runden das Spiel weiter ab. Der Sound ist satt und passend gewählt. Die Waffen hören sich unterschiedlich an, die Bahn von Querschläger kann mit dem akustischen Auge sehr genau verfolgt werden und die Kommentare unserer Gegner sind auch gut zu hören, wenn auch nur in ihrer Landessprache. Dies ist aber Absicht, denn das Spiel ist komplett in das Deutsche übersetzt. Die orchestrale Hintergrundmusik lässt sich nur manchmal im Spielgeschehen hören, stört aber nicht. Etwas störend wirken sich die sehr knapp gehaltenen Speichermöglichkeiten sowie die raren Checkpoints des Spieles aus. Richtig gespeichert kann nur vor Beginn eines Levels werden, und diese sind verdammt groß. Während des Spieles gibt es nur vereinzelte Punkte für den automatischen Widereinstieg nach einem unfreiwilligen Ableben. Teilweise liegen diese Punkte aber bis zu 20 Minuten auseinander, und das bei einer zügigen Spielweise. Die Steuerung des Elitesoldaten kann sich wieder sehen lassen. Zwar kann er nicht springen und Türen nur mit Waffengewalt öffnen, dafür beherrscht er aber das Ducken, das Nachladen, den schnellen Waffenwechsel und den 1000 Meterlauf perfekt. Der Kontroller ist nur mit dem nötigsten belegt und intuitiv aufgebaut. Im ersten Level wird sogar die Steuerung erklärt, was für einen sicheren Umgang vollkommen ausreichend ist. So gut "Black" auch gelungen ist, ein ganz großes Manko gibt es noch, nämlich keinen Multiplayer-Modus und auch kein Xbox-Live. Hier wurde ein reines Einpersonenspiel erstellt, bei dem die Motivation mit dem Abschluss des letzten Level endet. Aufgrund der überragenden Grafik und der spektakulären Schießorgien hätte ich mir hier gut einen erfolgreichen Online-Modus vorstellen können.

"Black" ist ein ehrlicher einfacher Ego-Shooter mit einer unglaublichen Grafik. Schon alleine deswegen wird der Genre-Fan um dieses Spiel nicht herumkommen, auch wenn der Multiplayer- und Online-Part komplett weggelassen wurde. Grundlegenden Neuerungen, die das Genre grundlegend verändern, sucht man bei "Black" vergebens. Aber schon alleine die Tatsache, dass jedes Gefecht zwangsläufig zu einer Zerstörungsorgie führt, macht den Titel interessant und wer braucht schon Innovationen, wenn das Gameplay stimmt.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Eigene Soundtracks
Dolby® Digital-Unterstützung