Xbox  
 
Far Cry Instincts
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Ubisoft

Erschienen bei:
Ubisoft

Endlich ist es soweit. Der Überraschungserfolg "Far Cry" aus dem Jahre 2004 wurde für die Xbox umgesetzt. Wer jetzt aber eine exakte Kopie des PC-Spieles erwartet, der wird enttäuscht. "Far Cry Instincts" für die Xbox ist besser...

Jack Craver ist die Hauptperson, in dessen Rolle der Spieler schlüpft. Irgendwo im Paradies in der Südsee verdient er sein Geld, indem er Touristen zu kleinen unbewohnten Inseln schippert. Als eines Tages die vermeintliche Reporterin Val Cortez unbedingt eine Privatinsel näher unter die Lupe nehmen will und mit seinem Jetski abhaut, nimmt das Unheil seinen Lauf. Plötzlich tauchen Hubschrauber auf, versenken Jack Cravers Boot und er findet sich unter Wasser wieder.
Ab diesem Moment übernimmt der Spieler die Steuerung. Je weiter der Spielverlauf fortschreitet, umso klarer wird die Story. Nach und nach stellt sich heraus, dass Val Cortez keine Reporterin ist, dass die Insel von einer Menge Söldnern bewacht wird und dass ein Wissenschaftler Gen-Experimente an Menschen und Tieren durchführt. Aufgrund dieser Experimente tummeln sich auch noch diverse Mutanten auf der Insel, zu denen nach einiger Zeit auch Jack Craver gehört, da er ebenfalls in den Genuss einer "Gen-Spritze" kommt, natürlich unfreiwillig. Von Seiten seiner Gegner war dies aber ein tödlicher Fehler, denn nach und nach setzten die Wirkungen des Mittels ein und Jack wird stärker, schneller und kann besser sehen. Wie mit diesen neuen Fähigkeiten sowie mit der Steuerung im Allgemeinen umzugehen ist, wird während des Spielverlaufes in kleinen und gut eingebetteten Tutorials erklärt. So lernt der Spieler nach und nach mit der Steuerung und den Besonderheiten des Spieles umzugehen und wird nicht, wie sonst üblich, gleich am Anfang mit Informationen überschüttet. Die Steuerung an sich wurde von Ubisoft gekonnt umgesetzt. Obwohl alle Tasten und Schalter mit Funktionen belegt sind, teilweise sogar doppelt, geht die Bedienung nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut über. Da macht es auch nichts aus, dass der Kontroller nicht individuell eingerichtet werden kann. Schnelle Bewegungen werden genauso exakt und direkt ausgeführt, wie das filigrane Zielen mit dem Scharfschützengewehr, wobei erwähnt werden sollte, dass hier eine Zielhilfe im Hintergrund arbeitet. Da, im Gegensatz zu den Gegnern, die Munition in "Far Cry Instincts" eher zu den selteneren Dingen gehört, ist ein exaktes "auf den Kopf zielen" auch überlebenswichtig.

An diesen kleinen Details wird klar, dass es sich bei "Far Cry Instincts" nicht unbedingt um ein Familienspiel handelt. Hier war Ubisoft zum Glück konsequent und hat den Titel erst ab 18 Jahren freigegeben. Somit ist das Blut rot und die Gegner sind Menschen und keine Roboter oder Hologramme. Ein weiterer dicker Pluspunkt ist der, dass es sich bei "Far Cry Instincts" endlich mal wieder um einen echten Ego-Shooter der alten Schule handelt. Der Spieler ist auf sich selbst gestellt und muss überleben, ohne Kompromisse und ohne auf Andere Rücksicht nehmen zu müssen. Es gibt keine Teams und keine Partner. Es müssen keine Befehle erteilt werden und es muss auf keine weitere Person Rücksicht genommen werden. Eine weitere angenehme Abwechslung zu den zurzeit auf dem Markt befindlichen Spielen dieses Genre sind die animalischen Kräfte, die Jack Craver nach und nach entwickelt. Optisch und akustisch ist dieser Modus sehr gut in das Spiel integriert, bei der Aktivierung ist sein Herzschlag zu hören, was unweigerlich auch den Adrenalinspiegel des Spielers vor dem Bildschirm in die Höhe treibt. Adrenalin ist nämlich der Schlüssel zu dieser Kraft. Ähnlich wie bei der Gesundheit steht auch bei dieser Kraft nur ein gewisser Vorrat zur Verfügung. Einmal aktiviert ist es möglich, super schnell zu laufen, extrem weit zu springen, im Dunkeln zu sehen oder seine Feinde meilenweit durch die Luft zu schleudern, was für diese dann auch tödlich endet. Die menschlichen Gegner sollen, laut Herstellerbeschreibung, ziemlich intelligent sein und auf die Aktionen des Spielers reagieren. Reagieren tun sie auch, nur nicht immer so intelligent. Teilweise ist es tatsächlich so, die Gegner reagieren aufeinander und versetzen sich gegenseitig in Alarmbereitschaft, springen gekonnt in Deckung und erweisen sich als sehr zielsicher. Dann wiederum reagieren sie völlig kopflos, erschießen unschuldige Kisten und merken es nicht, wenn ihr neben ihnen stehende Kollege von Jack mit einem Fausthieb an das andere Ende des Spielfeldes befördert wurde. Glücklicherweise überwiegt die intelligente Seite der Gegner und diese können auch von einem geübten Spieler als solche angesehen werden.

Um nun die Gegner auszuschalten und im Spielverlauf weiterzukommen, haben sich bei mir zwei Taktiken durchgesetzt, die von der Levelarchitektur perfekt unterstützt werden. Voll bewaffnet in die feindliche Stellung rennen, maximalen Schaden anrichten und, bevor jemand richtig reagieren kann, wieder in den Dschungel flüchten, ist die "Überrumpel-Taktik". Hierfür sind das Spiel und die Steuerung schnell genug. Die zweite Taktik ist etwas langwieriger aber dafür sicherer, da die Feinde aus der Entfernung nach und nach aus dem Weg geräumt werden. Dies funktioniert aber nur, da die Entwickler von Ubisoft immer ein paar alternative Wege in die einzelnen, teilweise großen Level eingebaut haben. So können zum Beispiel Stellungen am Fluss von beiden Uferseiten aus oder vom Fluss direkt angegriffen werden. Manchmal sind einige Anläufe nötig, um den besten Weg zu finden, was aber dank der gut verteilten automatischen Speicherpunkte nicht allzu schlimm ist. Selbständiges Speichern ist aber nicht möglich. Gerade bei einem zweiten Anlauf kann auch mal die wunderschöne Gegend betrachtet werden. Es ist dieser Flair des Südsee-Paradies, der den Reiz von "Far Cry Instincts" ausmacht. Kaum zu glauben, dass in einer Gegend mit weißen Sandstränden, kristallklaren Lagunen und einem immergrünen Dschungel der Tod lauert. Die Grafik ist so detailverliebt, dass sogar die Flugbahnen von einzelnen Insekten verfolgt werden können. Um die Atmosphäre nun perfekt zu machen, und das hebt "Far Cry Instincts" von seinem PC-Vorgänger noch weiter ab, wurden die Hintergrundgeräusche perfekt integriert. Erschreck-Effekte sind hier selbstverständlich. Die Musik, die fast unbemerkt im Hintergrund läuft, unterstützt dies noch, da sie ebenfalls sich den einzelnen Gegebenheiten anpasst. Ob sie abschaltbar ist oder ob es möglich ist, eigene Stücke einzuspielen habe ich schlichtweg vergessen zu prüfen, da mir dies zu keiner Zeit in den Sinn kam. Die Synchronisation, das komplette Spiel ist in Deutsch, wurde ebenfalls makellos umgesetzt. Die Stimmen passen sehr gut zu den einzelnen Charakteren und wirken zu keiner Zeit lächerlich oder nervtötend, was bei anderen Titeln leider immer mal wieder vorkommt. Die Geräusche der einzelnen Fahrzeuge und Waffen runden die Soundabteilung positiv ab. Waffen sind bei einem solchen Spiel natürlich unentbehrlich.

Hier fällt "Far Cry Instincts" wiederum positiv auf, da es nicht möglich ist, einen ganzen Waffenladen mit sich herumzuschleppen. Das Inventar ist auf drei Waffentypen beschränkt, von denen einige auch doppelt verwendet werden können. Hier muss immer mal wieder eine Entscheidung getroffen werden, wie weiter vorgegangen wird. Die Schrotflinte für den Nahangriff oder doch lieber den Raketenwerfer um aus der Ferne agieren zu können. Aufgrund der permanent akuten Munitionsknappheit muss dann aber meistens das benutzt werden, was gerade den Gegnern abgenommen wurde. Es ist übrigens auch möglich, den Gegnern ihre Fahrzeuge abzunehmen und diese zu benutzen. Mit Booten, Jetskis, Luftkissenbooten, Jeeps oder Quads können dann die einzelnen Level erkundet werden. Da dies aber auf dem Hauptweg geschieht, stellt hier der Spieler ein gut sichtbares Ziel dar und bleibt nicht lange unentdeckt.
Damit der ambitionierte "Far Cry Instincts"-Spieler nicht vereinsamt, hat Ubisoft natürlich noch einen Multiplayer-Modus integriert. Mehrere Spielvarianten stehen zur Auswahl. Drei davon sind alte Bekannte nämlich Deathmach, Team-Deathmach und Capture The Flag, heißen nur anders. Speziell auf "Far Cry Instincts" zugeschnitten ist das Spiel "Predator". Einer ist der Mutant und die Anderen versuchen ihn zu erledigen. Der beste Jäger wird im nächsten Spiel dann zum Mutanten. Es können entweder bis zu vier Personen via Split-Screen oder bis zu 16 via Systemlink gegeneinander antreten. Xbox-Live ist natürlich auch integriert und macht am meisten Spaß, teilweise dauert es aber, bis ein freier Server zur Verfügung steht. Die von Ubisoft vorgefertigten Maps sind schon eine Augenweide, wer aber denkt, er könne es besser, kann mit dem integrierten Editor seine eigene Südsee-Insel erschaffen, inkl. Fahrzeuge. Diese eigenen Maps können dann zum Download zur Verfügung gestellt werden.

"Far Cry Instincts" ist ein Ego-Shooter wie ein Ego-Shooter eigentlich sein soll. Unglaublich schöne und große Level, ein abwechslungsreiches Spielgeschehen und eine einfache Bedienung. Schon der Storry-Modus fesselt den Spieler für sehr lange Zeit an die Konsole. Aufgrund der Xbox-Live-Funktionalität ist hier ein Ende des Spielspasses nicht abzusehen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-4
In-Game Dolby® Digital

Xbox-Live:
Content Download
Online Multiplayer
Scoreboards
Friends
Voice