Xbox  
 
Fight Night Round 2
Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
EA Sports

Erschienen bei:
Electronic Arts

"Ring frei zur zweiten Runde"
ist wohl der abgedroschendste Satz, der einem im Zusammenhang mit "Fight Night Round 2" sofort in den Sinn kommt. Dummerweise passt er aber perfekt zu diesem Spiel und somit riskiere ich es, fünf Euro in die Phrasenkasse zu zahlen.

"Fight Night Round 2" ist der würdige Nachfolger des Spieles "Fight Night 2004" aus dem letzten Jahr, wobei es sich hierbei jedes Mal eher um eine ausgewachsene Boxsimulation handelt, bei der aber das Boxen immer noch im Vordergrund steht. Das schon damals gelungene Spiel wurde grafisch nochmals aufgewertet, jedenfalls was die Boxer angeht, und mit ein paar weiteren Zusatzoptionen ausgestattet. So ist es jetzt möglich, den Boxer in den Ringpausen professionell zu verarzten oder die körperliche Konstitution im Trainingscamp auch optisch zu verbessern. Die Steuerung wurde glücklicherweise nicht verändert, nur sinnvoll erweitert.
"Fight Night Round 2" bietet ein "Sofort-Spiel", in dem mit einem Boxer eigener Wahl gegen die Xbox oder einen menschlichen Gegner angetreten werden kann. Wer "Fight Night Round 2" zum ersten Mal spielt, sollte hier aus Übungszwecken mit einem Schwergewicht einen Hänfling durch den Ring zu prügeln, was zudem auch noch Spaß macht. Dann gibt es noch das Spiel "Harte Treffer", bei dem es darauf ankommt, seinen Gegner in 15 Runden so oft wie möglich auf die Bretter zu schicken, was gegen einen menschlichen Gegner erst richtig Spaß macht. In "Mein Gym" können durch Mini-Games die Fertigkeiten des virtuellen Boxers verbessert werden. Und dann ist da noch der sehr umfangreiche "Karriere-Modus". Ziel ist es, in der Rangliste ganz nach oben zu steigen. Bevor es jedoch soweit ist, muss die Entscheidung getroffen werden, ob ein vorgefertigter Boxer von der Stange benutzt oder ob ein eigener Boxer kreiert wird. Das Angebot an den in das Spiel integrierten realen Boxern ist sehr umfangreich und zieht sich durch das komplette Profilager. Wer schon immer mal Muhammad Ali oder Roy Jones Jr. steuern wollte, ist hier gut aufgehoben, da auch die Stärken bzw. Schwächen dieser Boxprofis sehr gut umgesetzt wurden.

Zeitaufwendiger, aber auf jedem Fall lohnenswert, ist das Erstellen eines eigenen Boxers. In diesem Menüpunkt kann einfach alles, angefangen an dem Körberbau bis hin zur Ohrläppchenlänge, eingestellt werden. Es ist somit möglich, sein Ebenbild oder sein durchtrainiertes Wunsch-Ego in den Ring zu schicken. Im Karriere-Modus verändert der Boxer mit der Zeit dann auch noch sein Aussehen. Wer immer fleißig trainiert, bekommt einen immer muskulöseren Körper und natürlich auch bessere Fähigkeiten. Hier wird dem Spieler drastisch vor Augen geführt, was mit weniger Chips und mehr Training im Bezug auf den Körperbau alles möglich gewesen wäre. Wer übrigens nicht trainiert, wird auch im Spiel immer dicker und verliert an Schlagkraft.
Zurück zum Karriere-Modus. Begonnen wird entweder als Amateur in abgewrackten Box-Clubs oder auf dem Jahrmarkt oder im hart umkämpften Profi-Lager. Das Amateurdasein hat den Vorteil, dass hier wichtige Box-Erfahrungen gesammelt werden können, nur die Siegprämien sind eher mau. Sobald der Wechsel zu den Profis vollzogen wurde, ändert sich das Bild komplett. Es wird unter Anderem in berühmten Arenen gekämpft, ein Trainer und ein Cutman können bzw. sollten angeheuert werden und die Einmarschmusik kann ausgewählt werden. Nun kann endlich richtig Geld verdient und dadurch weiteres Equipment freigeschaltet bzw. gekauft werden. Doch zuerst muss der Kampf gewonnen werden. Am unteren Ende der Rangliste mit 50 Boxern ist dies noch relativ einfach. Schon hier fallen die unterschiedlichen Kampfstiele ins Auge. Es gibt Boxer, die auf Beinarbeit Wert legen und somit fast nicht zu treffen sind oder solche, die sich fast nicht bewegen aber mit unglaublicher Nehmerqualitäten ausgestattet sind. Da sich die künstlichen Gegner auch noch auf den eigenen Kampfstiel einstellen ist sehr schnell klar, dass einfaches Drauflosprügeln nicht zum Sieg führt. Um gut zu taktieren und im rechten Moment den finalen Schlag zu landen, wird an die Steuerung eine hohe Anforderung gestellt.

EA hat dies schon im Vorgängerspiel durch die "Total Punch Control" meisterhaft gelöst. Zu Beginn ist es etwas ungewöhnlich, dass die Fäuste des Boxers nur durch den rechten Ministick gesteuert werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase laufen dann aber sogar ganze Schlagkombinationen intuitiv ab. Die Beinarbeit übernimmt der linke Ministick, die Deckung und das Ausweichen wird über die Trigger auf der Vorderseite des Controllers gesteuert. Ein Lieblingsschlag kann dann auch noch auf eine Aktionstaste gelegt werden.
Sobald ein Boxer in das Reich der Träume geschickt wurde, wird der letzte Schlag eindrucksvoll in Zeitlupe und Großaufnahme wiederholt. Spätestens hier fällt die unglaublich gute Grafik ins Auge. Die Boxer sind sehr detailreich ausgefallen und ähneln ihren realen Vorbildern ungemein. Im Verlauf eines Kampfes kann sogar beobachtet werden, wie sich das Gesicht des Sportlers nach und nach zu Hackfleisch verwandelt. Auch die Animation lässt keine Wünsche offen. Die Bewegungen wirken weich und stimmig. Bei guten Treffern kann sogar eine Schweißgischt, manchmal auch eine Blutfontaine, beobachtet werden und geht ein Boxer KO, wird in Zeitlupe und Nahaufnahme das Entgleisen der Gesichtszüge gezeigt. Diese Zwischensequenzen werden wohldosiert eingesetzt und wirken keinesfalls störend, können aber auch übersprungen werden. Wurde man selbst ausgeknockt, zählt der Ringrichter bis Zehn. In dieser Zeit sieht man den Ringrichter gleich dreimal. Diese drei Bilder müssen deckungsgleich übereinander gebracht werden. Wurde dies geschafft, ist man dem KO noch mal entgangen, geht aber geschwächt in die nächste Runde. Hier wurde ebenfalls eine Verbesserung eingebaut. Konnte man sich bei "Fight Night 2004" nur an den Ohren oder dem EA Logo auf der Hemdtasche des Ringrichters orientieren, wurde bei "Fight Night Round 2" zur Orientierung eine Art Fadenkreuz eingebaut. Dies macht das Aufstehen aber nur ein kleines bisschen leichter. In den Pausen kann man sich selbst vom Cutmann in Form eines Mini-Spieles verarzten. Auch bei dieser Großaufnahme des Gesichtes zeigt "Fight Night Round 2", was grafisch heutzutage alles möglich ist.
Leider hat es den Anschein, dass die Entwickler von EA all ihr grafisches Potential in die Boxer gesteckt haben. Das Publikum und die Sportarenen sind hier eher etwas zu kurz gekommen.
An der Geräuschkulisse wurde aber nicht gespart. Alles klingt so, wie man es sich vorstellt. So gibt z.B. der Leberhaken ein Geräusch von sich, das es sogar vor dem Fernseher weh tut. Ein Kommentator ist auch zugange. Leider wiederholt er sich öfters und dann auch nur in Englisch. Musikalisch wird das komplette Boxgeschehen durch Rap-Musik untermalt. Hier wurden Größen wie Geto Boys, PitBull oder Jac-P mit aktuellen Titeln eingebunden.
"Fight Night Round 2" ist und bleibt eines der besten Boxspiele für die Xbox, und das nicht nur wegen der fehlenden Konkurrenz. Durch die innovative Steuerung und die detailreiche Grafik ist die Langzeitmotivation garantiert. Wenn die Entwickler jetzt noch ein Online-Modus oder wenigstens das Systemlink spendiert hätten, wäre dieses Spiel nahezu perfekt.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Dolby® Digital-Unterstützung