Xbox  
 
Half-Life 2
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Valve Software

Erschienen bei:
Electronic Arts

Wer die Spielanleitung von "Half-Life 2" in den Händen hält, wird sich sagen, "die einfachsten Spiele waren schon immer besten die Spiele". Das Handbuch ist genauso einfach gehalten wie die Steuerung und obwohl hier kein Wort über die Story fällt, ist das Ziel des Spieles klar, einfach Überleben.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Gordon Freeman, der einst die Katastrophe in der geheimen Forschungsanstalt Black Mesa überlebt hat. Damals fielen Aliens durch ein Dimensionstor in die Forschungsanstalt ein und zu allem Überfluss versuchte die Regierung den gesamten Vorfall zu vertuschen. Gordon Freeman wurde unfreiwillig zum Helden und musste sich gegen die beiden Seiten behaupten. Zwar hat er das alles überlebt, wurde aber von dem geheimnisvollen "G-Man" rekrutiert, von dem er jetzt einen Auftrag bekommt. Kaum hat dieser ausgesprochen, befinden wir uns in einem Zug nach City 17 und wissen eigentlich gar nicht genau, was los ist. Dieser Zustand hält das ganze Spiel über an, denn die Story klärt sich nie so richtig auf. Gerade das schafft aber eine Stimmung, die einfach atemberaubend ist. Gordon erlebt "Half-Life 2" quasi aus seiner Sicht. Durch das Aufschnappen von Informationen, wenn sich z.B. Personen untereinander unterhalten, können wir uns immerhin zusammenreimen, was als nächstes getan werden muss. In City 17 herrscht übrigens eine bilderbuchreife Endzeit-Diktatur. Die Häuser sind heruntergekommen und die Straßen sind voll mit Soldaten, die erst gar nicht versuchen, ihren Hang zur Gewalt zu kontrollieren. Ständige Durchsagen quälen nicht nur die Bürger von City 17 sondern auch den Spieler, der aber so erfährt, dass er mit vorschreitendem Spielverlauf zum Staatsfeind Nummer Eins wird.

Zu Beginn ist "Half-Life 2" noch sehr einfach. Geschickt werden die einzelnen Funktionen der Steuerung, wie das Ducken oder Springen erklärt. Auch das Interagieren mit der Umgebung können wir ausführlich üben, denn es dauert sehr lange, bis wir unsere erste und gut bekannte Waffe bekommen, das Brecheisen. Nun nimmt "Half-Life 2" aber rasant an Geschwindigkeit zu. Die Soldaten werden aggressiver und intelligenter und einige Aliens aus dem ersten Teil tauchen auch wieder auf. Natürlich gibt es auch neue Feinde, die so mies drauf sind, dass man sich irgendwann fragt, was am Ersten Teil von Half Life eigentlich schwierig war. Die Effekte sind wieder absolut spitze und können leicht zum Herzinfarkt führen. Da wirft ein Alien schon mal ein brennendes Fass nach Gordon, dann verschwindet ein Freund durch die Decke und ab und zu Stürzen ganze Hauswände ein. Unterstützt wird dies durch die Hintergrundmusik, die sich der jeweiligen Situation perfekt anpasst. Damit es Gordon nicht zu langweilig wird, haben die Entwickler von Valve Software nicht nur ein ansehnliches Waffenarsenal sondern auch noch zwei Fortbewegungsmittel kreiert. Es kann mit einem Luftboot, eine Kombination aus Motorrad auf Schwimmkufen mit Propellerantrieb und mit einer Art Leichtbaujeep, der den starken Hang zum Umkippen hat, die Gegend unsicher gemacht werden. Lustig ist hierbei, dass sich auch während der Steuerung der Fahrzeuge frei umgesehen werden kann, da dies zwar zum Steuern der Bordwaffe sinnvoll ist, aber so gut wie immer zu einem Unfall führt. Das was der Spieler aber zu sehen bekommt, ist eine wahnsinnig gute Grafik. So eine Vielzahl an Details habe ich bei fast noch keinem Spiel gesehen, schon gar nicht bei einem Ego-Shooter. Da dann auch noch die einzelnen Levels teilweise extrem unterschiedlich gestaltet wurden, kann hier nur gestaunt werden. Die Animationen der Akteure sind ebenfalls flüssig und glaubwürdig gelungen. Da macht es fast nichts aus, dass die Xbox ab und zu mal ein bisschen ruckelt, "Half-Life 2" bleibt die ganze Zeit spielbar. Was eine wunderbare Überleitung auf die Steuerung ist, die gut gelungen ist. Das Wichtigste, der Controller kann konfiguriert und somit in einem gewissen Rahmen auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Gordon lässt sich sehr direkt steuern und durch ein bisschen Feintuning der Sichtgeschwindigkeit wurde ich auch nicht mehr Seekrank. Der guten Grafik und Steuerung schließt sich der Sound an. Die Waffen und die Geräusche klingen echt und unterstützen die gute Atmosphäre. Die Sprachausgabe ist, wie das komplette Spiel, in das Deutsche übersetzt, nur passen die Sprecher nicht immer so richtig zu dem Spiel. Teilweise hat es den Anschein, als ob sie die Texte nur ablesen und kein Interesse daran haben, was sie gerade sagen.

Das Leveldesign ist streng linear ausgefallen. Alternative Wege gibt es nicht. Dies fällt aber zuerst gar nicht auf, denn aufgrund vieler Verstecke, in denen Munition, Verbandskästen oder Monster lauern, ist die gefühlte Freiheit groß. Nur wenn es nicht mehr weitergeht, z.B. wenn ein Rätsel nicht gelöst wurde, wird einem die beschränkte Bewegungsfreiheit klar. Die Rätsel sind intelligent aber dennoch einfach gehalten und stellen keine allzu große Herausforderung dar. So müssen Türen geöffnet oder Ventile geschlossen werden, damit es auf dem Weg zum nächsten Gegner weitergeht. Das Einzige, was hier wirklich stört, sind die Ladezyklen. Stein des Anstoßes ist nicht die Länge, sondern die Häufigkeit und die Platzierung. Die einzelnen Level sind förmlich zerstückelt, was angesichts der abwechslungsreichen Grafik aber auch kein Wunder ist. Leider taucht der Ladescreen manchmal an den unpassendsten Stellen auf. So brettert Gordon z.B. mit Höchstgeschwindigkeit auf dem Luftboot über einen Kanal und plötzlich steht alles, weil nachgeladen wird. Dies reißt den Spieler förmlich aus dem Spielfluss. Die einzelnen Ladezeiten sind aber angenehm kurz gehalten und sobald es weitergeht, ist die Welt wieder in Ordnung. Natürlich müsste jetzt noch obligatorisch angemerkt werden, dass die Spieldauer viel zu kurz ist. Objektiv betrachtet ist sie für ein solches Spiel mehr als ordentlich. Nach ungefähr 15 Stunden wird der geübte Spieler alle 15 Kapitel hinter sich gebracht haben. Danach bleibt nur noch die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, denn leider haben die Entwickler von Valve Software dem Spiel weder einen Multiplayer-Modus noch Xbox-Live spendiert.

Es ist klar, dass der Ego-Shooter-Fan dieses Spiel braucht, und das nicht nur wegen dem Kult-Status. Schon alleine die Grafik ist die Anschaffung wert. Zudem hat "Half-Life 2" durch die Umsetzung auf die Xbox absolut nichts von seiner Atmosphäre eingebüßt, wodurch sich nun endlich auch den Konsolenbesitzer in die "Gordon-Freeman-Endzeitstimmung" versetzen lassen kann.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Dolby® Digital-Unterstützung