Xbox  
 
Kingdom under Fire: Heroes
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Phantagram

Erschienen bei:
Koch Media

Die feindliche Dunkelelfen-Armee nähert sich von Norden genau wie der Späher gesagt hat. Noch einmal lass ich mir schnell alles durch den Kopf gehen, dann kommen die ersten Gegner auch schon in die Reichweite meiner Bogenschützen. Ich begrüße die Neuankömmlinge zunächst mit einem Pfeilhagel und lass die Infanterie gegen die ersten Reihen marschieren. Alles scheint soweit in Ordnung, bis ein feindlicher Offizier einen Meteor-Zauberspruch auf meine vordersten Reihen wirkt. Unter der Wucht des Spruchs vergeht fast der ganze Trupp und zu allem Übel erscheinen an der Flanke plötzlich Orkische-Kavallerie-Einheiten, welche sich wohl im Schutz der Wälder seitlich angeschlichen haben müssen. „Das wird knapp“ denk ich mir, schick die Speeträger vor die bedrohten Bogenschützen, sprech noch kurz einen Heilzauber auf die geschundene Infanterie und stürze mich mit meinen Jungs selbst ins Getümmel. „Sehr knapp“.

Das, lieber Leser, war eine typische Szene aus Heroes - Kingdom under Fire, wie sie alltäglicher nicht sein könnte. Das ungewöhnliche Spielprinzip ist eine gelungene Mixtur aus Hack`n Slay, Echtzeitstrategie sowie einer kleinen Prise Rollenspiel. Was sich auf den ersten Blick als unvereinbar anhört, funktioniert in der Praxis wunderbar und macht, um es gleich vorneweg zu nehmen, einen Heiden Spaß. Das Spiel erzählt die Geschichte eines vom Krieg zerrissenen Landes und den darin bestehenden Königreichen der Menschen Elfen, Dunkelelfen, Orks und Vampiren, die bis vor kurzen noch in relativem Frieden miteinander gelebt haben. Doch wie immer in der Geschichte gibt es eine expansionswillige Macht, in diesem Fall das dunkle Vampirkönigreich Vellon, welche das Gleichgewicht ins wanken bringt. Zu Anfang des Spiels wählt Ihr Eure/n Helden/in aus.

Von jeder Rasse ist mindestens ein Charakter verfügbar. Dieser fungiert im Spiel als Hauptmann der Euch unterstellten Truppen und ist für sich genommen schon fast eine kleine Ein-Mann-Armee. Als Einstieg empfiehlt sich die Halbelfe Ellen aus dem Königreich Ecclesia. Jeder Charakter absolviert seine eigene Kampagne und außerdem gilt die Charakterwahl auch als Kriterium für den Schwierigkeitsgrad, welcher schon auf der niedrigsten Stufe nach wenigen Missionen gehörig anzieht. Die meiste Zeit verbringt Ihr bei Heroes auf dem Schlachtfeld. Die verschiedenen Missionsorte erreicht man über eine Weltkarte. Auf diese Art und Weise erreicht Ihr Städte und Lager, wo man neue Ausrüstung kaufen und bei Bedarf Söldner anheuern kann. Doch dazu später mehr. Im Kampf steuert Ihr nicht einzelne Soldaten sondern immer Truppen unterschiedlicher Mannschaftsstärken. Das gilt ebenfalls für Euren Helden, welcher immer an seine Truppe gebunden ist und keine Solo-Ausflüge unternehmen kann. Neben den üblichen Waffengattungen wie Schwert- und Speerträger sowie Bogenschützen, Katapulten und Kavallerie könnt Ihr auch Greifenreiter, Lindwürmer, Riesenskorpione, verflixt große Sumpfmammuts und zauberwütige Elementarwesen wie z.B. einen Erdgolem ins Getümmel schicken.

Die verschiedenen Trupps werden entweder direkt per Klick über das Schlachtfeld oder, was viel effizienter und extrem übersichtlicher ist, über die lebenswichtige Minikarte befehligen. Den Umgang mit der Minikarte solltet Ihr Euch sofort angewöhnen um in der Hitze des Gefechts nicht den Überblick zu verlieren. Damit das Spiel nicht zur bloßen Echtzeitstrategie verkommt darf man mit seinem Charakter kräftig in den gegnerischen Reihen schnetzeln. Mit mächtigen Comboattacken und Spezialmanövern, die jedoch Fähigkeitspunkte verbrauchen, lehrt Ihr den feindlichen Truppen das Fürchten. Je nachdem wie gut sich die einzelnen Trupps nach dem Kampf geschlagen haben ernten sie Fähigkeitspunkte und steigen einen Level auf, wodurch sie bessere Ausrüstung benutzen können. Taktisch geht es auch nach den Gefechten zu. Zwischen den Kämpfen könnt Ihr in Städten neue Ausrüstung, Zaubersprüche und Spezialfertigkeiten für Eure Truppen, Offiziere und natürlich Euren Held kaufen. Als Zahlung dienen Gold und die Fähigkeitspunkte, welche beide im Getümmel erstritten werden. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine einfache Aufwertung. Offiziere können gesondert ausgerüstet und Fähigkeiten verstärkt oder neue erlernt werden.

Dasselbe gilt natürlich auch für Euren Held. Durch bessere Waffen, Schilde und Rüstungen, die meist zusätzliche Modifikatoren wie z.B. bessere Abwehr von Eismagie beinhalten, verstärkt Ihr nach Gutdünken die Kampfkraft Eurer Truppen und baut Euch so eine individuelle Streitmacht auf. In Punkto Grafik gibt es viel Licht und Schatten zu verzeichnen. So sehen die einzelnen Einheiten mit ihren glitzernden Rüstungen und Schwertern sowie geschmeidigen Animationen richtig gut aus. Das Geschehen lässt sich jederzeit frei drehen und in Nah- oder Fernsicht zoomen. Andererseits zeigen sich bei der Menge an zu bewegenden Figuren auch deutlich die Grenzen der Grafikengine in Form einer miserablen Weitsicht, welche mehr oder minder geschickt mit der guten alten Nebelmethode (unter Spielern auch liebevoll Nebel des Grauens genannt) kaschiert wurde. Als musikalische Untermahlung gibt es hauptsächlich fette Metal-Mucke auf die Ohren. Leider gibt es nur ein Stück, was zur Folge hat, dass einem die Musik nach einiger Zeit, obwohl sie durchaus zum Kampfgeschehen passt, auf die Nerven geht. Da hilft nur noch ausschalten.

Fazit: Die Tolle Mischung aus Hack´n Slay und Echtzeitstrategie hat mir auf Anhieb gut gefallen. Die Kämpfe verlaufen sehr spannend und dynamisch und befriedigen sowohl meine Beat´em Up als auch Strategie-Bedürfnisse. Die Tatsache, dass sich meine Truppen per Levelaufstieg im Verlauf der Kampagne verbessern und die vielen Ausrüstungsmöglichkeiten runden die Sache ab und motivieren zum weiterzocken. Einzige die geringe Weitsicht und der doch teilweise recht knackige Schwierigkeitsgrad trüben etwas das Gesamtbild. Dafür gibt’s aber eine tolle Fantasy-Schlachten-Atmosphäre und das Gefühl, mitten drin statt nur dabei zu sein.

Sven Eggen