Xbox  
 
Miami Vice
Preis: ca. EUR 30,-

Entwickler:
Davilex

Erschienen bei:
Koch Media

Hurra, die 80'er sind wieder da. Weiße Leinen-Jacketts mit hochgekrempelten Ärmeln, rosa T-Shirts mit extraweitem Ausschnitt, weiße Leinenhosen, mindestens eine Nummer zu groß und weiße Leinenschuhe aber auf jedem Fall ohne Socken. Wenn darin dann auch noch der Sprücheklopfer Sonny Crockett steckt, sollte eigentlich ein gutes Spiel dabei herauskommen.

"Miami Vice" ist ein auf einer TV-Folge basierender Third-Person-Shooter. Im Prinzip geht es darum, das Drogenkartell von Ortega zu zerschlagen. Der entscheidende Einsatz stellt sich jedoch als Falle heraus. Ab diesem Moment übernimmt der Spieler die Steuerung der beiden Detektive aus Miami. Die Hauptrollen haben Sonny Crockett oder Ricardo Tubbs. Da sie immer zu Zweit unterwegs sind, kann während des Spieles frei zwischen den beiden Charaktere gewechselt werden. Dies ist sinnvoll, da sie mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet wurden. So gibt es Türen, die nur Tubbs aufbrechen kann, dafür kann Crockett besser klettern. Um dieses Spiel zu meistern, darf man in erster Linie bei der Erfüllung der Missionen nicht sterben. Damit der Ehrgeiz auch richtig angestachelt wird, gibt es während jeder Mission auch kleinere Zusatzaufgaben, wie das Verhaften von Verbrechern oder das Auffinden von Drogen oder Lastern. Die einzelnen Missionen sind, wenn man keinen Wert auf die Zusatzmissionen legt, recht kurz gehalten. Leider sind sie geradlinig ausgefallen. Alternative Wege oder Abkürzungen sucht der ambitionierte Nobel-Cop vergebens. Die Handlung spielt in Miami, wie der Titel verrät. Die Umgebung wurde grafisch auch so umgesetzt, wie man es aus der TV-Serie gewohnt ist. Teure aber sterile Villen oder heruntergekommene Hafenanlagen, die dennoch sauber und aufgeräumt wirken, sind nur einige der Schauplätze, in denen auf Verbrecherjagt gegangen wird.

Leider haben die Grafiken mit der Serie eins gemeinsam. Sie wirken so, als wären sie ebenfalls aus den späten 80'ern entsprungen. Sie sind, wie auch die Personen, zu glatt. Natürlich erkennt man Tubbs und Crocket auf den ersten Blick, die Grafikleistung der Xbox wird aber bei Weitem nicht ausgeschöpft. Etwas detailreicher hätte Davilex hier schon zu Werke gehen können. Auch die anderen Mitstreiter haben einen enormen Wiedererkennungswert. So tut es gut, sich mal wieder von Lt. Martin Castillo anbrüllen zu lassen.

Bei der Musik ist es nicht möglich, etwas zu verbessern. Schon zu Beginn hämmert das "Miami Vice Theme" von Jan Hammer aus den Boxen. Die Soundeffekte sind auch in Ordnung. Die einzelnen Waffen klingen unterschiedlich und wenn einer der Cops getroffen wird, vermittelt das Geräusch den fiesen Eindruck einer Fleischwunde. Eine Sprachausgabe wurde ebenfalls eingebaut. Wenn ein Gegner zu Boden geht oder wenn ein gesuchter Gegenstand gefunden wird, gibt einer der Detektive einen coolen Spruch von sich, theoretisch in der Originalstimme aus der Serie. An den Synchronsprechern scheint die Zeit aber auch nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Wenn diese Sprüche jetzt noch etwas vielfältiger ausgefallen wären, wären sie auch nach längerer Spielzeit noch komisch.

Gar nicht komisch ist die Steuerung. Im Prinzip ist sie gut durchdacht, logisch aufgebaut und einfach zu erlernen. Das Problem liegt in der Kameraführung. Die Kamera kann zwar gesteuert werden, aber nicht immer und manchmal nur in einem, mir nicht ersichtlichen, begrenzten Winkel. So kommt es vor, dass die Kamera beim öffnen einer Tür in einem sehr steilen Winkel zur Person steht und es nicht möglich ist, durch die Tür in den Raum zu schauen. Da meistens bewaffnete Gangster in solchen Räumen warten, läuft man blind in einen Kugelhagel. Dann ändert sich ab und zu auch die Perspektive, was filmtechnisch ein guter Effekt ist, die Person am Controller aber verzweifeln lässt. Macht die Kamera plötzlich einen 180-Schwenk, da man gerade eine Tür passiert hat, muss man so lange rückwärts laufen um vorwärts zu kommen, bis die Kamera wieder hinter einem ist.

Das System um auf einen Gegner zu zielen ist theoretisch gut, hat aber auch so seine Macken. Ein Gegner wird mit dem "Schalter rechts" anvisiert und das Ziel, wenn es mehrere gibt, mit dem rechten Ministick gewächselt. Da aber auch die Kamerasteuerung auf dem rechten Ministick liegt, kann man sich bei einer Schießerei nicht mehr umschauen und somit die Gegner teilweise nur erahnen. Zielen muss man übrigens nicht, da immer auf einer geraden Linie auf den angewählten Gegner geschossen wird. Dumm ist nur, wenn ein Hindernis in dieser Linie liegt. Hier wird stupide auf dieses Hindernis geballert, auch wenn rechts oder links davon genug Platz wäre, um dem Gangster den finalen Todesschuss zu verpassen. Hier muss durch umherlaufen eine bessere Position gefunden werden, wenn die Steuerung mitspielt. Die Möglichkeit, sich seitwärts zu bewegen, gibt es nur an Wänden. Dies sieht richtig gut aus und ist in vielen Situationen hilfreich. Wenn aber keine Wände in der Nähe sind, sieht der Spieler alt aus.

Die Intelligenz der Gegner ist durchwachsen. Einige machen einen recht pfiffigen Eindruck, und gehen auch in Deckung, wenn auf sie geschossen wird, andere bleiben stehen und schießen nur in die Richtung des Spielers, auch wenn eine Hauswand zwischen beiden ist (vielleicht haben die auch Probleme mit dem Zielsystem).

Bei "Miami Vice" handelt es sich um einen klassischen Third-Person-Shooter, der die guten alten 80'er wieder auf den Bildschirm bringt. Die Story und das Umfeld werden nicht nur dem Nostalgie-Fan Spaß machen. Nur bei der Grafik und der Steuerung müssen Abstriche gemacht werden.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1