Xbox  
 
Medal of Honor: Rising Sun
Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Electronic Arts LA

Erschienen bei:
Electronic Arts

Ein sei vorweggeschickt, um "Medal of Honor: Rising Sun" zu mögen, sollte man weder Pazifist, noch Japaner oder gar ein japanischer Pazifist sein. "Medal of Honor: Rising Sun" beginnt ebenso turbulent, wie sein Vorgänger "Frontline", nur befindet man sich dieses Mal als Joseph Griffin auf einem Kriegsschiff, welches in Pearl Harbor vor Anker liegt und das dummerweise am 07.12.1941. Von dem Angriff auf Pearl Harbor aus dem Schlaf aufgeschreckt, muss der Spieler versuchen, das Deck zu erreichen.

Schon zu Beginn baut das Spiel wieder eine unglaubliche Atmosphäre auf. Überall Explosionen und Feuer, jeder Einschlag eines Torpedos löst eine Erschütterung aus, so dass die Orientierung schwer fällt und der Controller hört nicht mehr auf zu vibrieren. Dieses imposante Szenario steigert sich dann noch, wenn man später die Zwillings-Kanone eines Schnellbootes bedient. Zwischen den brennenden und sinkenden Kriegsschiffen umherfahrend, schießt man die halbe japanische Fliegerstaffel vom Himmel. "Medal of Honor: Rising Sun" spielt dieses mal im Pazifik und man hat es vornehmlich mit Japanern zu tun. Das Spiel ist wieder extrem amerikanisch-patriotisch angehaucht. Aber die Hintergrundgeschichte ist historisch korrekt. Jeder Level wird mit kleinen historischen Original-Filmen eingeleitet und man bekommt somit eine Ahnung, worum es in diesem Level geht. Dies könnte quasi als Geschichtsunterricht angesehen werden.

"Medal of Honor: Rising Sun" besteht aus fünf Hauptmissionen, die in zehn riesige Level verpackt sind. Die einzelnen Level sind grafisch sehr abwechslungsreich geworden. Es wird auf dem Wasser, in Dörfern, im Dschungel oder in Tempelruinen gekämpft. So muss Pearl Harbor überlebt oder die Brücke am Kwai gesprengt werden. Das Versenken eines Flugzeugträgers steht dann ebenfalls noch auf dem Programm und nebenbei sucht Joseph Griffin noch seinen Bruder. Da die einzelnen Level schön groß geworden sind, besteht glücklicherweise die Möglichkeit, an bestimmten Stellen zwischenzuspeichern. Diese Stellen sind aber sehr gut versteckt und müssen erst einmal gefunden werden. Munition und Erste-Hilfe-Kästen sind gut verteilt und leicht zu erkennen. Die feindlichen Soldaten sind ebenfalls gut verteilt, aber nicht so leicht zu erkennen. Gerade im Dschungel sind diese sehr gut getarnt, stehen auf Bäumen oder springen aus Erdlöchern. Das Level-Design ist sehr geradlinig. Ab und zu ist eine alternative Route eingebaut, meistens führen Abzweigungen aber in eine Sackgasse. Störend finde ich die Tatsache, dass man auf Berge steigt oder über Brücken läuft, hier aber nicht herunterfallen oder springen kann. Teilweise ist es nicht einmal möglich über Geländer zu springen. Ebenso befremdlich mutet es an, dass die Kameraden, mit denen man einige Level bestreitet, unzerstörbar sind. Sie stecken sogar Schüsse aus der eigenen Waffe ein, ohne auch nur ein bisschen ärgerlich zu werden.

Wenn wir schon bei den nicht gelungenen Dingen sind, die Intelligenz der Gegner lässt stark zu wünschen übrig. Wenn sie aus der Distanz oder aus einem Hinterhalt auf Joseph Griffin schießen ist die Sache noch in Ordnung. Kommt man aber näher, stehen sie meistens nur herum und bemerken einen erst, wenn man auf sie feuert. Dann rennen sie planlos in der Gegend herum und wenn sie mal feuern, ist nicht immer klar, worauf sie schießen. Zudem nehmen sie auch oft wieder die Positionen ein, auf der gerade ein Soldat in das Jenseits befördert wurde. Dies macht in diesem Fall erneutes Zielen unnötig. Dann gibt es noch einige stationäre Geschütze. In dem Moment, in dem man so eins benutzt, stürmen wie auf Befehl duzende Gegner auf einen zu und lassen sich problemlos abballern. Dies ähnelt mehr einem Schlachtfest als einem Spiel mit intelligenten Gegnern. Schöne Effekte gibt es natürlich auch, und davon nicht wenige. Einige der gegnerischen Soldaten stürmen mit gezogenem Schwert auf den Spieler zu. Kommen diese durch, richten sie erheblichen Schaden an. Da ist es gut, wenn diese in letzter Sekunde noch gestoppt werden. Es wurden in der Art mehrere Effekte eingebaut, die dem Spieler ein "gerade noch geschafft" -Gefühl vermitteln. Die Grafik ähnelt der des Vorgängers. Die einzelnen Szenarios sind detailreich aufgebaut und vermitteln die gewünschte Atmosphäre sehr gut. Teilweise wirkten die Texturen jedoch verwaschen.

Die Effekte wie Explosionen oder über dem Boden stehende Nebelschwaden sind sehr gut gelungen. Nur bei größeren Explosionen kommt es vor, dass sogar bei der Xbox die Framerate einbricht. Alle Personen wurden detailreich gerändert, nur auf Blut wurde komplett verzichtet, obwohl das Spiel erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Das Leveldesign ist überraschend abwechslungsreich. Neben dem Absuchen der Umgebung nach Gegnern muss man auch eine Konferenz infiltrieren oder bedient die Kanone auf einem Schnellboot, einem Jeep und sogar auf einem Elefanten. Die Steuerung ist wie von EA gewohnt gut durchdacht und lässt sich bei Bedarf auch komplett selbst konfigurieren. Sie ist exakt, so dass auch der Umgang mit dem Zielfernrohr kein Problem darstellt. Der Rückstoß beim Schießen wurde ebenfalls sehr gut umgesetzt. Nicht nur, dass einem fast der Controller aus der Hand springt, nach einem Schuss verreist es das Fadenkreuz auf dem Bildschirm und es muss entsprechend korrigiert werden. Der Schwierigkeitsgrad als solches ist schon in der leichtesten Stufe recht hoch, was "Medal of Honor: Rising Sun" aber nur zugute kommt. Die Hintergrundmusik wurde sorgfältig ausgewählt und passt zu dem Spiel. Eine kleine Ähnlichkeit mit der Musik aus "Krieg der Sterne" ist nicht zu überhören. Der Sound wurde ebenfalls stimmig umgesetzt. Ein Schuss hört sich als solcher an und bei unerwarteten Explosionen kann man sich schon mal richtig erschrecken.

Auch die Sprachausgabe ist gelungen. Alles was gesagt wird ist gut zu verstehen und in deutscher Sprache. Nur wenn japanisch gesprochen wird, tragen Untertitel zum Verständnis bei. Ein Multiplayer-Modus wurde auch eingebaut. Da die Xbox-Version von "Medal of Honor: Rising Sun" nicht online-fähig ist, können hier maximal vier Personen im Split-Screen-Verfahren gegeneinander antreten. Es ist schade, dass die Xbox-Live Funktion nicht eingebaut wurde, denn dieses Spiel enthält auch einen Kooperations-Modus. Hier ist es möglich, die Einzelspieler-Kampagnen mit einem Freund durchzuspielen was schon auf dem geteilten Bildschirm großen Spaß macht. Das große Plus von "Medal of Honor: Rising Sun" ist die packende Atmosphäre. Von der Umgebung über die Kleidung bis hin zu den Waffen basiert dieses Spiel auf einem realen Hintergrund. Dies ist bei Ego-Shootern ziemlich selten. Jedoch können auch die großen und abwechslungsreichen Level die schlechte KI aber nicht ganz wettmachen. Auch das geradlinige Gameplay ist nicht mehr ganz aktuell. Dafür stimmt aber die Soundkulisse wieder. Allen denen, denen der Vorgänger "Frontline" schon zugesagt hat, sind auch mit diesem Teil von "Medal of Honor" bestens bedient.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-4
Memory Unit (6 Blöcke)
Dolby® Digital-Unterstützung