Xbox  
 
Red Ninja: End of Honour
Preis: ca. EUR 30,-

Entwickler:
Sierra

Erschienen bei:
Vivendi Universal Games

Japan, irgendwann nach 1500, mysteriöse Ninjas mit ihren außergewöhnlichen Kampftechniken und Waffen, Grafiken im Anime-Stil und eine Heldin, die einen guten Grund zur Rache an ihren Peinigern hat. Dann trägt sie auch noch einen recht knapp geschnittenen Kimono, bei dem es den Anschein hat, dass kurz nach dem Gürtel der Stoff ausgegangen ist. Eigentlich sollten dies die besten Voraussetzungen für ein gutes Action-Adventure sein.

Die Hintergrund-Story scheint aus einem Kinofilm entsprungen zu sein. Kurenai ist die Hauptperson und die Tochter eines Waffenschmiedes, der eine neuartige Waffe entwickelt hat. Da diese Waffe sehr mächtig ist, werden Kurenai und ihr Vater von geheimnisvollen Ninjas überfallen, wobei ihr Vater getötet wird und sie selbst zum Sterben in einen Kirschbaum gehängt wird. Doch Kurenai überlebt dies und wird von Chiyome, eine Ninja-Meisterin, adoptiert und zu einer tödlichen Kampsmaschine ausgebildet. Als Waffe benutzt Kurenai selbst das Tetsugen, das Drahtseil an dem sie aufgehängt wurde.
"Red Ninja: End of Honour" ist aber kein reines Prügelspiel. Es ist teilweise unerlässlich, sich an seinen Gegnern vorbei zu schleichen oder Fallen auszuschalten. Dann wurden noch Geschicklichkeitspassagen eingebaut. Hier kommen die Ninja-Fähigkeiten von Kurenai zum tragen. Sie kann, wenn sie schnell genug ist, an Wänden entlanglaufen und ziemlich gut springen. Spektakuläre Kampfszenen sind aber dennoch unumgänglich. Mit dem Tetsugen können die Gegner auf elegante Weise in das Jenseits befördert werden. Hier sind verschiedene Angriffskombinationen möglich, die im Anime-Stil gut animiert wurden. Ebenfalls schön anzusehen sind die Zwischensequenzen, die den Spieler durch die Geschichte führen. Englischkenntnisse sind aber Voraussetzung, da das Spiel nicht in das Deutsche übersetzt wurde.

Leider konnte dieser gute Ansatz nicht auf die Steuerung übertragen werden. Die Belegung des Controllers ist glücklicherweise noch gut gelungen, da sie nicht geändert werden kann. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase oder dem ausführlichen Tutorial ist es dann möglich, Kurenai zu steuern. Das Springen und die Kampfattacken funktionieren gut und gehen flüssig von der Hand. Da aber das "Schleichen" und das "Rennen" über die Auslenkung des linken Mini-Stick gesteuert wird, ist hier ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl notwendig, um gewollte Schleich-Aktionen nicht zunichte zu machen. Einige Kletter-Aktionen scheitern ebenfalls an diesem Umstand, da die Spielfigur ab und zu ungewollt einen Satz nach vorne macht. Glücklicherweise hat Kurenai sehr gute Reflexe und fängt sich fast immer ab, so dass man nicht gleich in eine Schlucht fällt. Dies nützt aber nicht viel, wenn einen dadurch die Wachen entdeckt haben.
Aber selbst wer die Steuerung beherrscht wird regelmäßig fluchen, da die Kameraführung nicht gelungen ist und eher dazu beiträgt, die Orientierung zu verlieren. Beim Erkunden von Geländen oder Gebäuden ist eine ständige Nachsteuerung der Kamera nötig. Zudem fehlt der klassische Seitwärts-Schritt leider vollständig. Während der Kampfszenen ist die Orientierungslosigkeit dann komplett. Zwar wurde von den Entwicklern von Sierra ein wirklich brauchbarer Zielmodus eingebaut, hier umkreist Kurenai ihre Gegner, aber in dem Moment, in dem es nötig ist, den Zielmodus zu deaktivieren, verliert der Spieler die Kontrolle über das Geschehen. Gerade dann, wenn Kurenai in Bedrängnis ist, ist es ratsam, den Zielmodus zu verlassen, da die Spielfigur sich so wesentlich schneller bewegen kann. Dummerweise hat man dann aber auch keine Ahnung mehr, wo sich die Gegner gerade befinden.

Da die Intelligenz der Gegner aber eher durchwachsen ist, können die Kampfszenen dennoch gemeistert werden. Typisch bei dieser Art von Spielen ist der Endgegner, der am Ende jedes Levels auf einen wartet. Hier wurden in "Red Ninja: End of Honour" interessante Typen eingebaut, die auch bestimmte übermenschliche Fähigkeiten aufweisen. Es sind aber oft mehrere Anläufe nötig, bis man endlich verstanden hat, wie der manchmal übermächtige Gegner auszuschalten ist. Die Wiedereinstiegspunkte, falls Kurenai die Puste ausgeht (was dank der Kameraführung auch immer wieder passiert), wurden in recht kurzen Abschnitten der Level platziert. Gespeichert kann aber nur am Level-Anfang werden und das in gerade mal fünf Speicherplätze. Die einzelnen Level sind groß ausgefallen und, obwohl die Grafik einfach gehalten wurde, auch abwechslungsreich. Auch die Spielfiguren können sich sehen lassen, entsprechen aber nicht unbedingt dem derzeitigen Stand der Technik. Hier hätten die Entwickler von Sierra doch etwas mehr Liebe zum Detail zeigen können. Die Animationen haben eine etwas höhere Qualität als die Grafik und sind flüssig ausgefallen. Bei bestimmten Kampfkombinationen wurden Bewegungsabläufe integriert, z.B. wenn Kurenai einen Gegner in das Jenseits befördert und nicht einmal hinschaut wenn er hinter ihr zu Boden geht, die das typische Eastern-Feeling aufkommen lassen. Der Sound hilft ebenfalls, die richtige Stimmung aufzubauen. Die östliche Hintergrundmusik verschwindet wirklich im Hintergrund, wirkt aber nicht störend sondern untermalt die Szenerie gut. Die restliche Geräuschkulisse wurde ebenfalls passend in das Spiel integriert.

"Red Ninja: End of Honour" ist ein Spiel, in dessen Story viel Potential steckt. Auch die Charaktere und Waffen wurden gut Umgesetzt. Letztlich die Steuerung und vor allem die Kameraführung schaffen es, den Spielspaß und die Langzeitmotivation zu trüben.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Dolby® Digital-Unterstützung