Xbox  
 
Sniper Elite
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Rebellion

Erschienen bei:
Atari

Zugegeben, bei Counterstrike gehöre ich hin und wieder zu der Gattung der "Camper" also Personen, die mit einem Scharfschützengewehr ausgerüstet auf Dächern herumliegen und warten, bis ein potentielles Opfer im Zielfernrohr zu sehen ist. Nun hat Atari mit "Sniper Elite" endlich ein Spiel auf den Markt gebracht, bei dem es sich ausschließlich um diesen Personenkreis dreht.

Die Story ist einfach. Zweiter Weltkrieg, April 1945, Berlin. Die Deutschen und die Russen liefern sich erbitterte Gefechte um die Hauptstadt. Der Spieler selbst schlüpft in die Rolle eines als deutscher getarnter amerikanischer Elitescharfschütze, der verhindern soll, dass die Russen die deutschen Forschungsergebnisse über die Atombombe und V2-Raketen in die Hände bekommen. Der Kalte Krieg hat begonnenů

Im Einzelspieler-Modus macht sich der Spieler, ausgerüstet mit einem Scharfschützengewehr, einem Fernrohr und diversen anderen Waffen, auf den Weg, die 28 umfangreichen Level und Missionen von "Sniper Elite" zu erledigen und vor allem zu überleben, da der Schwierigkeitsgrad auch auf der leichtesten Stufe ziemlich anspruchsvoll ist. Die KI der Gegner wurde ziemlich gut umgesetzt. Sie gehen in Deckung, helfen ihren angeschossenen Kollegen und die feindlichen Scharfschützen können verdammt gut zielen. Hier wird gleiches mit gleichem aufgewogen. Ist es dem Spieler möglich, einen Gegner mit nur einem Kopfschuss in die digitalen Jagdgründe schicken, so können seine Gegner dies auch. Aus diesem Grund schleicht man in "Sniper Elite" meistens von Deckung zu Deckung und sondiert das Gelände äußerst gründlich mit dem Feldstecher.

Zu Beginn sind die feindlichen Soldaten noch recht gut zu erkennen, da über ihnen in farbiger Schrift steht, zu welcher Armee sie gehören. Dieser Vorteil verschwindet aber schon nach kurzer Zeit und die Zeit, die man auf dem Boden liegt um das Gelände zu erkunden wird immer länger. So gesehen ist dieses Spiel nichts für ungeduldige Zeitgenossen, denn wer in Rambo-Manier das Spielfeld stürmt, hört nicht mal, aus welcher Richtung der tödliche Schuss kam. Glücklicherweise können die Spielstände frei gespeichert werden, jedoch nur vier Mal pro Mission, was bei dem großen Umfang dieser manchmal recht wenig ist. Dass die Gegner schwer zu erkennen sind, liegt daran, dass sie immer wieder in Deckung gehen und dass sie durch ihre Uniformen sich recht gut in das Level-Design integrieren. Die Grafiken sind nicht unbedingt ein Highlight und können als "normal", "solide" aber auch "eintönig" bezeichnet werden, wobei sich dies keineswegs negativ auf die Atmosphäre auswirkt. Nacht, Regen, verlassene Straßen und hinter jeder Ecke kann der Tod lauern. Immer wieder schlagen Bomben ein, in der Ferne sind Gewehrsalben zu hören und ab und zu kreuzt ein Panzer den Weg. Dann spielt "Sniper Elite" auch noch in Berlin, was in jedem ortskundigen das unheimliche Gefühl des vertrauten unbekannten aufsteigen lässt. Hier wird grandios eine Stimmung erzeugt, die seines gleichen sucht. Da ist es fast selbstverständlich, dass die Geräuschkulisse ebenfalls stimmt. Die Steuerung wurde größtenteils gut umgesetzt. Bewegt sich der Spieler, geschieht dies in der "Third-Person-Perspektive", was manchmal etwas ungenau ist, so dass man schon mal an Mauern hängen bleibt. Mit einem Druck auf den rechten Ministick wird dann in den Scharfschützen-Modus gewechselt und die Welt ist wieder in Ordnung.

In dieser "Ego-Shooter-Perspektive" funktioniert das präzise Zielen einwandfrei. Natürlich sollte bedacht werden, dass ein Geschoss auf eine lange Distanz in einem Bogen fliegt, somit muss immer ein bisschen über das weit entfernte potentielle Opfer gezielt werden. Der eigene Herzschlag wirkt sich ebenfalls störend auf die Zielversuche aus, es gibt aber die Möglichkeit, im richtigen Moment die Luft anzuhalten. Da wäre es gut gewesen, wenn die Entwickler von "Rebellion" diesen Zielmodus nicht nur auf das Scharfschützengewehr beschränkt hätten. Somit wird das Benutzen der anderen Waffen eher zum Glücksspiel.
Um die Steuerung zu erlernen, benötigt der Elitesoldat kaum Zeit, denn die Belegung des Kontrollers ist gut gelungen und übersichtlich. Der Wechsel zwischen den einzelnen Waffen bzw. Ausrüstungsgegenstände erfolgt schnell und intuitiv. Wer möchte, kann den Kontroller aber auch frei konfigurieren, was nicht immer selbstverständlich ist. Ebenfalls gut gelungen ist der Coop-Modus. Mit einem Teamgefährten kann hier richtig aufgeräumt werden. Der Eine spielt Zielscheibe und sondiert das Gelände, wobei der Andere ihm Feuerschutz gibt. Leider ist dies nur im Splitscreen-Verfahren möglich. Wenn diese Variante schon nicht als Xbox-Live möglich war, hätten die Entwickler von "Rebellion" dies wenigstens als System-Link verwirklichen können. Online stehen dann die bekannten Spiele "Deathmatch" und "Team- Deathmatch" sowie ein das neue Spiel "Attentat" zur Verfügung. Die Deathmatch-Varianten haben das Problem, dass eine Horde von Scharfschützen sich in Häuserruinen verschanzen und darauf warten, bis sich jemand blicken lässt. Fragt sich nur wer das sein soll, da ja alle in Deckung liegen. So gesehen ist "Attentat" sinnvoller, da es hierum geht, einen VIP zu töten bzw. zu beschützen.

Wer sich gerne auf dem Boden liegend durch den Dreck wühlt, Geduld und gute Nerven hat und vor allem die Welt gerne durch ein Zielfernrohr betrachtet, ist mit "Sniper Elite" bestens bedient. Das Spiel ist ziemlich realistisch gehalten und der Einzelspieler-Modus ist sehr umfangreich aber auch schwierig. Wegen der Langzeitmotivation braucht sich hier aufgrund des Coop-Modus und der Möglichkeit online zu spielen, niemand Sorgen zu machen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Dolby® Digital 5.1

Xbox-Live:
Online Multiplayer
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