XBOX 360  
 
Alone in the Dark
Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Eden Games

Erschienen bei:
Atari

"Alone in the Dark" ist eigentlich schon ein alt ehrwürdiger Spieltitel, der Pate für diverse Horrorfilme stand und überaus erfolgreiche Ableger wie zum Beispiel "Resident Evil" oder" Silent Hill" hervorbrachte. Mit der aktuelle Neuauflage möchte Atari an diese alten Erfolge anknüpfen, was auch beinahe gelungen wäre, wäre da nicht die Steuerung ...

"Alone in the Dark" beginnt wie gewohnt verwirrend. Der Spieler wacht in die Rolle von Edward Carnby in einem heruntergekommenen Zimmer auf und hat keine Ahnung, was eigentlich los ist. Anscheinend wurde er zuvor von zwei Schlägern in die Mangel genommen, was aber eigentlich egal ist, da er sein Gedächtnis komplett verloren hat. Nun sollen wir "beseitigt" werden, und werden dazu durch ein Gebäude geführt. Aber kurz bevor das Spiel scheinbar auch schon wieder zu Ende ist, tut sich plötzlich ein gewaltiger Riss auf und verschlingt unseren Bewacher.

Nun sind wir frei, aber weiterhin orientierungslos. Im weiteren Verlauf des Spieles müssen wir an Häuserfassaden entlang klettern, Rätsel lösen, uns gegen diverse Zombies wehren, dürfen Auto fahren und treffen einige interessante Leute, die manchmal wieder recht schnell sterben. Das wichtigste scheint aber, dass wir herausfinden sollten, wer wir sind und dann sollten wir noch versuchen, am Leben zu bleiben. "Alone in the Dark" ist vom Prinzip her ein sehr gut gelungenes Action-Survival-Spiel. Die Interaktion mit der Umgebung ist grandios. Fast alle Gegenstände können benutzt oder zerstört werden. Dies ist wichtig, damit die gut durchdachten und teilweise auch nicht allzu einfachen Rätsel gelöst werden können. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Spieler einer Ratte einen Molotow-Cocktail mittels Klebeband auf dem Rücken befestigen muss.

Dass sich die Gegenstände, die zum Lösen eines Rätsels meistens in der Nähe befinden, ist eher eine Hilfe und stört nicht. Des Weiteren ist es möglich, unterschiedliche Gegenstände aus dem Inventar zu kombinieren, wie zum Beispiel das Feuerzeug und die Spraydose, was in Kombination zu einem Flammenwerfer wird. Das Auswählen des Inventars ist optisch ein Augenschmaus. Auf Knopfdruck öffnet Carnby seinen Mantel und die Gegenstände können theoretisch intuitiv mit dem Analog-Stick des Controllers ausgewählt werden. Leider wird diese gute Idee durch die unpräzise Steuerung zu einem Geduldspiel. Da das Spiel beim Auswählen des Inventars nicht unterbrochen wird, kann es schon mal vorkommen, dass der Charakter, beim Versuch sich zu heilen, von Gegnern getötet wird, da wir es nicht schaffen, das Verbandzeug auszuwählen. Dann ist die Steuerung leider auch zu komplex bzw. zu überfrachtet ausgefallen. Auf ganzen vier Seiten werden in dem Handbuch die unterschiedlichen Tastenbelegungen bei unterschiedlichen Situationen beschrieben.

Diese Fülle führt schnell zur Überforderung und Frustration des Spielers, da in manchen Situationen einfach nicht die richtige Taste gefunden wird. Auch bei der Bewegung der Spielfigur haben sich die Entwickler nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es ist positiv, dass zwischen der "Ego-" und der "Third-Person-Perspektive" frei hin- und hergeschaltet werden kann. Leider ist die Kameraperspektive in der "Third-Person-Perspektive" nicht immer gut gewählt und dann ziemlich verwirrend. Dann bewegt sich Carnby in dieser Sicht ziemlich schwammig und hat einen größeren Wendekreis als mein Auto, weswegen er öfters an Gegenständen hängen bleibt. Wird eine Waffe oder ein Feuerlöscher benutzt, schaltet "Alone in the Dark" automatisch in die "Ego-Perspektive" um. Hier kann sich unsere Spielfigur zwar schneller bewegen, dafür aber leider nur ziemlich ungenau, was das präzise Schießen extrem erschwert. Immerhin hat Atari diesen Schwachpunkt erkannt, denn die Besitzer einer PS3 werden bei ihrer Version von "Alone in the Dark" in den Genuss einer neu überarbeiteten Steuerung kommen.

"Alone in the Dark" spielt größtenteils im Central Park von New York, in dem sich der Spieler fast frei Bewegen kann, was nicht selten in einem Fahrzeug geschieht. Prinzipiell ist dies gut, da die Fahrzeuge erst einmal geknackt und kurzgeschlossen werden müssen (außer man weiß, wo der Amerikaner meistens seinen Schlüssel versteckt). Leider schlägt auch hier die schlechte Steuerung zu, die das Reagieren auf unvorhergesehene Situationen erfolgreich verhindert. Da hilft nur das Auswendiglernen des Spielverlaufes. Immerhin wurde der Central Park von "Eden Games" wunderschön umgesetzt. Hier stimmt die Atmosphäre, jedenfalls so lange, bis irgendjemand etwas sagt. Leider ist die deutsche Synchronisation nicht wirklich gelungen. Die Sprecher hören sich gelangweilt an und sind frei von jeglicher Emotion. Die Soundkulisse ist aber wieder perfekt. Ein Orchester nebst Chor baut eine wunderbare Stimmung auf, die durch passende Zwischensequenzen gut unterstützt wird.

Manchmal kommt "Alone in the Dark" sogar ganz ohne Hintergrundmusik aus, was das Spiel positiv auszeichnet. Ebenfalls eine wunderbare Idee, zeigt sich beim fortsetzen eines bereits vorhandenen Spieles. Hier werden chronologisch einige Szenen aus dem Spiel gezeigt und der Spieler ist wieder auf dem Laufenden. Dies ist der typische "was vorher geschah"-Zusammenschnitt, den man aus Fernsehserien kennt. Grafisch bewegt sich "Alone in the Dark" auf der Höhe der Zeit. Die Umgebung ist ausreichend detailliert umgesetzt und die einzelnen Charaktere können sich sehen lassen. Das Feuer und die Explosionen sind besonders gut gelungen, nehmen aber auch einen besonders wichtigen Teil im Spiel ein, denn manche Gegner können nur … das soll aber jeder selbst herausbekommen.

"Alone in the Dark" hätte enorm viel Potential. Die Mischung aus Action und endlich mal wieder nicht zu einfache Rätsel sind macht das Spiel abwechslungsreich und interessant. Die düstere Atmosphäre und die gruselige Inszenierung mit den Zwischensequenzen lassen den Spieler immer wieder schaudern. Leider wird dieses Potential durch die schlechte Steuerung und Synchronisation grundlos verschwendet.

Bernhard Prommer

Features:
1 Spieler
Spielstände je 4,5 MB
HDTV 720p/1080i/1080p
Dolby Digital 5.1