XBOX 360  
 
Earth Defence Force 2017
Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:
Sandlot

Erschienen bei:
Deep Silver

Zwei Waffen, unendlich viel Munition und über 1000 Gegner, das ist eigentlich das, was "Earth Defence Force 2017" am besten charakterisiert. Wer also realitätsgetreue Simulationen durchführen, tiefgehende Rätsel lösen oder komplexe Strategien aufbauen will, ist hier absolut falsch, aber Freunde einer genialen, nicht enden wollenden Ballerorgie sind hier uneingeschränkt richtig.

Zur Story von "Earth Defence Force 2017". 2013 entdecken Wissenschaftler rätselhafte Funksignale aus dem All, die einen baldigen außerirdischen Besuch für die Erde ankündigen. 2015 melden sich die angekündigten Besucher nicht mehr und eine böse Vorahnung schleicht sich bei den Regierungen der Welt ein. Vorsichtshalber wird die Earth Defence Force (EDF), die aus den besten Soldaten der Welt besteht, gegründet. 2017 ist es dann soweit, die Besucher sind da, aber nicht so wie erhofft. Scharen von riesigen Ameisen und Spinnen, überdimensionale Roboter und Raumschiffe in den verschiedensten Größen fallen gnadenlos über die Erde her und wollen diese erobern. Hier kommt nun der Spieler als ein Mitglied der EDF ins Spiel, der in der klassischen "Thirt-Person-Perspektive" über beachtlich große Areale rennt und nur ein Ziel kennt, nämlich "den erbitterten Kampf zum Schutze unseres Planeten nicht aufgeben". Diese heroische Gesinnung ist typisch für Spiele, die aus Fernost ihren Weg zu uns geschafft haben. "Earth Defence Force 2017" ist mittlerweile der dritte Teil dieser in Japan ziemlich erfolgreichen Serie.

Das Spiel ist extrem arkade-lastig, was schon bei dem Sound, der beim Bestätigen der einzelnen Menüs abgespielt wird auffällt, da dieser sehr stark an das Geräusch erinnert, das ein Arkade-Automat beim Einwerfen einer Münze macht. Auch die Strategie der Gegner ist spielhallentypisch, sie greifen einfach direkt an, sobald sie den Spieler ausmachen. Hier überwiegt die Masse eindeutig der Intelligenz, was aber nicht weniger effektiv ist. Um sich nun gegen diesen scheinbar übermächtigen Feind wehren zu können, stehen dem Elitesoldaten ca. 170 Variationen verschiedenster Waffen wie Sturm- und Scharfschützengewehre, Raketen- und Flammenwerfer sowie Granaten zur Verfügung. Auch auf die Munition muss glücklicherweise nicht geachtet werden, denn diese steht uns in unendlicher Menge zur Verfügung, nur das Nachladen dauert immer eine bestimmte und von Waffe zu Waffe auch unterschiedliche Zeit. So scheinen wir also perfekt für die Verteidigung der Erde gerüstet zu sein, wobei ganz so einfach ist es natürlich dann doch nicht, denn zum Einen kann der Soldat grundsätzlich nur zwei Waffen mit sich herumtragen und diese können während einer Mission auch nicht gewechselt werden.

Da ist es manchmal schon etwas misslich, dass das Briefing erst nach der Waffenauswahl stattfindet. Bei einer falschen Bewaffnung bleibt dann nur der Neustart einer Mission, was aber auch nicht das Ende der Welt bedeutet, mehr oder weniger. Zum Anderen stehen zu Beginn des Spieles nicht alle Waffen zur Verfügung, sie müssen erst freigeschaltet werden. Einige der erlegten Aliens hinterlassen 2D-Items, die entweder für Panzerung, Gesundheit oder Waffen stehen. Die Gesundheit wirkt sofort und füllt unsere Lebensanzeige immer wieder auf. Die Panzerung und die Waffen werden am Ende einer jeder Mission aufgelistet, wobei die Panzerung die maximale Gesundheitsanzeige erhöht und die Waffen-Items uns ab und zu eine neue Waffe beschert. Wie bereits erwähnt fallen die Gegner in riesigen Horden ein und hinterlassen nach ihrem Ableben dementsprechend viele Items, die aber noch während einer laufenden Mission aufgesammelt werden müssen, denn wenn der letzte Gegner ausgelöscht wurde, ist auch die Mission fertig. Mit "Earth Defence Force 2017" stehen übrigens über 50 einzelne Missionen zur Verfügung. Die Schlachten werden beispielsweise in Städten, an Stränden oder in unterirdischen Höhlensystemen ausgetragen.

Ein dicker Pluspunkt sind hier nicht nur die groß ausgefallenen Areale, sondern auch die Tatsache, dass die Gebäude der Umgebung komplett zerstört werden können. Da verwandelt sich eine anfangs noch intakte Stadt schnell mal zu einem Trümmerfeld, welches sehr stark an das Endzeitszenario aus "Krieg der Welten" erinnert. Die Grafik selbst ist jedoch nicht auf dem neusten Stand und nutzt nur das Minimum der Xbox 360 aus. Am realistischsten sehen die Texturen der Spinnen aus, am imposantesten die riesigen Raumschiffe und die tollsten Lichteffekte machen die Roboter wenn sie schießen. Der eigene Soldat sieht dann aber so wie die Plastiksoldaten, mit denen ich früher im Sandkasten gespielt habe aus und hat anscheinend auch deren Beweglichkeit. Möglicherweise ist diese reduzierte Grafik aber auch Absicht, denn manchmal sind so viele Gegner auf dem Schlachtfeld, dass die Rechenpower der Xbox 360 anscheinend am Ende ist und alle Bewegungen nur noch in Zeitlupe ablaufen. Dies kommt aber wirklich nur sehr selten vor. Der Sound tut es der Grafik gleich und siedelt sich ebenfalls im Mittelmaß an. Die Hintergrundmusik rieselt unbemerkt vor sich hin und die Sprüche der Kameraden wiederholen sich bald. Dennoch wird schnell eine gute und zu dem Spiel passende Atmosphäre aufgebaut.

An der Steuerung gibt es nichts zu kritisieren. Sie wurde gut und einfach umgesetzt und ist intuitiv erlernbar. Hier sei noch zu erwähnen, dass zusätzlich vier unterschiedliche Fortbewegungsmittel zur Verfügung stehen. Ein Panzer, ein Airbike, ein Hubschrauber und ein Kampfanzug. Auch hier ist die Steuerung gut gelungen, wenn auch die Fahrzeuge, bis auf das Airbike, zu träge daherkommen. Wer nun gerne online spielen würde, wird enttäuscht, "Earth Defence Force 2017" unterstützt Xbox-Live leider nicht. Dieser Schwachpunkt wird, wenigstens teilweise, durch den Kooperations-Modus wieder ausgeglichen. Mit der doppelten Feuerkraft und geteiltem Bildschirm macht das Retten der Welt einfach noch mehr Spaß.

Das Fazit ist hier einfach. Wer auf tolle Grafik, ausgeklügelte Strategien oder hyperintelligente Gegner Wert legt, wird mit "Earth Defence Force 2017" sicher nicht glücklich. Wer jedoch Lust auf ein spaßiges Spiel hat, bei dem jede Mission grundsätzlich in einer Ballerorgie mit Blutrauschgarantie endet, kann hier beruhigt zugreifen, wobei die Langzeitmotivation lediglich im Freischalten aller Waffen, sowie im Durchspielen aller Schwierigkeitsgrade liegt.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Koop-Modus 2
Spielstände je 128kB
HDTV 720p/1080i/1080p
Dolby® Digital-Unterstützung