XBOX 360  
 
Mass Effect 2
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
BioWare

Erschienen bei:
Electronic Arts

Ganze Menschen-Kolonien werden ausgelöscht und die Bewohner von mysteriösen Aliens verschleppt und Commander Shepard, der der Sache ein Ende bereiten könnte, ist gerade etwas unpässlich, da nicht mehr am Leben.

Nach gut zwei Jahren setzt Electronic Arts nun die Mass Effect-Trilogie fort und erfreulicherweise haben die Entwickler von Bioware auf die Vorschläge und auch Kritik der vielen Fans gehört. Mass Effect 2 wurde in einigen Punkten verbessert und verändert und macht jetzt schon Lust auf den dritten Teil. Das Spiel knüpft fast nahtlos an seinen Vorgänger an, aber zu beginn stirbt unser Ego erst einmal. Wir als Commander Shepard, sind gerade auf einer langweiligen Patrouille, als unser Raumschiff von einem unbekannten Raumkreuzer förmlich in Stücke gerissen wird. Wir tun nun dies, was eben von einem guten Kapitän erwartet wird und retten die halbe Crew sowie unseren Kumpel, den Piloten und verlassen als letzter das Schiff. Dummerweise ist da dann nur noch Weltraum und irgendwie ist unser Raumanzug auch nicht wirklich zuverlässig und wir sterben. Dann, nach zwei Jahren, werden unsere kalten Überreste von der mächtigen Untergrundorganisation "Cerberus", an deren Spitze ein Typ, der sich "der Unbekannte" nennt steht, mit Hilfe von massig Implantaten und Nano-Technologie wieder in das Leben zurückgerufen und der Spielspaß kann nun für ca. 40 Stunden losgehen. Mit dieser Organisation hatten wir schon im ersten Teil von Mass Effect zu tun, was nicht unbedingt positiv für Cerberus verlief, dennoch arbeiten wir nun für "den Unbekannten", denn es werden immer mehr menschliche Kolonien von einer unbekannten Rasse angegriffen und die Bewohner verschleppt.

Bevor wir nun diesen Aliens auf die Finger hauen dürfen, benötigen wir noch ein Spezialteam, das wir in unterschiedlichen Missionen nach und nach zusammenstellen. Ein Raumschiff, auf dem wir wieder der Chef sind, bekommen wir auch noch zur Verfügung gestellt. Dies ist auch der Moment, in dem wir unsere Spielfigur aufwendig personalisieren können. Zur Auswahl steht neben dem Aussehen und dem Geschlecht sogar die Alien-Rasse. Dann muss sich der Spieler noch entscheiden, zu welcher Klasse er gehören möchte. Jede Klasse besitzt spezielle Fähigkeiten, z.B. kann der Soldat sehr präzise schießen, der Techniker kann Kampfdrohnen einsetzen und der Wächter hat eine sehr effektive Panzerung. Wer hier aber nicht zu viel Energie hineinstecken will, kann entweder mit Commander Shepard unter neuem Vornamen weiterspielen oder seinen Charakter aus Mass Effect 1 importieren. Die Fähigkeiten der Einzelnen Klassen, von denen es noch einige mehr gibt, wie z.B. Kryo-Frost, das Überladen der gegnerischen Schilde oder eine Schockwelle, sind während der einzelnen Missionen hilfreich, denn diese sind beinahe reine Shooter-Passagen, die aus der Third-Person-Perspektive gespielt werden. Es können vom Team aber nur zwei Personen mitgenommen werden. Da jedes Teammitglied spezielle Fähigkeiten und Waffen entsprechend seiner Klasse hat, sollte die Auswahl vorausschauend geschehen. Der Einsatz der Fähigkeiten wird durch den Spieler koordiniert. Für den reinen Shooter-Fan wird es etwas irritierend wirken, dass hier das Kampfgeschehen so lange angehalten wird, bis die entsprechenden Teambefehle getätigt wurden. Ansonsten machen die Kämpfe Spaß. Die gegnerische KI ist manchmal zwar einfach vorherzusehen, aber auf einem hohen Niveau.

Das "in Deckung gehen" wird bei Mass Effect 2 ziemlich groß geschrieben. So ist das Deckungs-System recht gut ausgeklügelt aber leider erkennt der versierte Spieler sofort, ob es Action gibt oder nicht. Denn in einem Raum ohne Deckungsmöglichkeit wird auch nicht geschossen. Mass Effect 2 ist aber nicht nur ein Shooter sondern auch ein Rollenspiel, wobei der Rollenspiel-Charakter nicht (mehr) so stark ausgeprägt ist. Wir können unsere Fähigkeiten und die der Teammitglieder verbessern, unterhalten uns mit den unterschiedlichsten Personen und Wesen und treffen Entscheidungen. Diesen Entscheidungen prägen unseren Charakter. Extrem gesehen können wir uns entweder zum rücksichtslosen Raubein oder zum verständnisvollen Seelentröster entwickelt. Beide Charakterzüge haben ihre Vor- und Nachteile. So ist der rücksichtslose Shepard quasi ein Genie im Beschaffen von Informationen, jedenfalls dann, wenn der Befragte noch Zeit zum Antworten hat, bevor er aus einem Fenster oder quer durch einen Raum fliegt. Das Weichei hat hingegen unheimlich loyale Teammitglieder und auch Erfolg bei den Frauen. Deswegen gab es ja schon ziemlich viel Aufregung beim ersten Teil. Ansonsten hat der Spieler noch die Aufgabe sich um Rohstoffe zu kümmern, um Waffen- und Rüstungs-Upgrades herstellen zu können. Dies ist aber eher ein netter und grafisch ansprechender Zeitvertreib. Optisch bewegt sich Mass Effect 2 auf höchstem Niveau. Die verschiedenen Orte, die wir besuchen, unterscheiden sich stark voneinander und sind interessant gestaltet. Das ganze Spiel vermittelt einen Eindruck der Tiefe und Weitläufigkeit.

Da fällt es gar nicht störend auf, dass wir uns während der Shooter-Missionen auf einem vorgegebenen linearen Weg bewegen. Ein weiteres sehr schönes grafisches Extra, ist die Veränderung der eigenen Spielfigur, je nach dem, wie wir uns charakterlich verändern. Der "böse" Shepard schaut finster drein und die Narben in seinem Gesicht werden immer ausgeprägter, der "gute" Charakter sieht hingegen freundlich und vertrauenserweckend aus. Selbst das Weltall mit seinen unterschiedlichen Planeten wurde grafisch eindrucksvoll umgesetzt und die Effekte im Kampf, wie z.B. die Explosionen sehen einfach richtig gut aus. Mass Effect 2 erzeugt hier eine ziemlich dichte Atmosphäre, die durch die Musik im Hintergrund noch verstärkt wird, denn diese passt sich dynamisch dem jeweiligen Spielgeschehen an. Die Steuerung ist den Entwicklern von Bioware ebenfalls sehr gut gelungen. Obwohl die Tasten, Knöpfe und Bumper teilweise mehrfach belegt sind, es wird zwischen "Antippen" und "Halten" der Taste unterschieden, ist Mass Effect 2 einfach zu erlernen und die Spielfigur lässt sich auch in hektischen Situationen präzise Steuern. Bei so viel Positivem muss es auch etwas Negatives geben. Hier nerven die häufigen und auch ziemlich langen Ladezeiten, das kann aber umgangen werden, wenn das Spiel auf der Festplatte installiert wird. Der Umfang von Mass Effect 2 hat ganze zwei DVD's in Anspruch genommen. Diese müssen während des gesamten Spieles aber nur einmal gewechselt werden, was wiederum positiv ist. Arg viel Negatives fällt mir jetzt auch nicht mehr ein, höchstens dass der Tanzstiel unseres Charakters wirklich sehr sehr gewöhnungsbedürftig ist und die Wege im Raumschiff etwas zu lange ausgefallen sind.

Mass Effect 2 ist der verbesserte zweite Teil der Mass Effect-Trilogie, kann aber problemlos auch ohne Kenntnis von Mass Effect 1 gespielt werden. Die gelungene Mischung aus Rollenspiel und Shooter macht richtig Spaß, da beides nicht zu kurz kommt. Die Story hat überraschende Wendungen und ist bist zum Schluss interessant. Selbst wenn das Spiel nach ca. 40 Stunden durchgespielt wurde, bleibt der Reiz es noch mal mit einem anderen Charakter zu spielen. In Punkto Langzeitmotivation kann hier fast nicht mehr erwartet werden. Wie zu Anfang bereits erwähnt, kann nun ungeduldig auf den dritten Teil gewartet werden.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je 3MB
HDTV 720p/1080i/1080p
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
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