XBOX 360  
 
Mirror's Edge
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Digital Illusions Creative Entertainment

Erschienen bei:
Electronic Arts

Rennen, Rennen was das Zeug hält und nicht umdrehen, niemals umdrehen, denn dazu reicht die Zeit nicht. Selten war ein Spielerlebnis intensiver und hat den Spieler stärker in seinen Bann gezogen als es bei "Mirror's Edge" der Fall ist.

Hier rennt nicht Lola sondern Faith, die Hauptperson des Action-Spieles, das eher als neuartiges "Jump'n'Run" beschrieben werden sollte. (Dies wird übrigens auch die einzige Phrase gewesen sein). Die Story ist schnell umrissen, ist jedoch tiefgründiger als es auf den ersten Blick erscheint. In einer Stadt, in einer nicht allzu fernen Zukunft, wurde, nachdem das Verbrechen überhand nahm, dieses durch die totale Überwachung vermeintlich erfolgreich bekämpft. Aus diesem Grund werden sensible Dinge und Daten per Kurier, außerhalb der Reichweite der Staatsorgane transportiert. Diese Kuriere, die im Parkour-Stiel über die Dächer der Stadt unterwegs sind, werden "Runner" genannt. Faith ist eine Runnerin, die plötzlich und unfreiwillig in eine Verschwörung hineingezogen wird. Zuerst wird ihrer Schwester ein Mord angehängt und Faith wird, bei dem Versuch diesen aufzuklären, plötzlich selbst zur gejagten. Ab hier beginnt eine adrenalinfördernde Jagt, quer durch die ganze Stadt. "Mirror's Edge" zeigt die Welt aus der Ego-Perspektive, ist aber kein Ego-Shooter. Hierzu würden die zwei Duzend Waffen fehlen, die in solchen Spielen üblicherweise mitgeschleppt werden und wenn wir an uns hinunter schauen werden wir feststellen, dass wir tatsächlich Beine haben.

Auch das HUD zeigt keinerlei Informationen über den Gesundheitszustand oder Munitionsvorrat an. In "Mirror's Edge" kommt es hauptsächlich auf gutes Timing und Kombination verschiedener Sprungtechniken an. Im Prinzip liegt das Ziel darin, von A nach B zu gelangen. Hierzu bewegen wir uns in dem, seit "Assassin's Creed" oder " Prince of Persia" bekannten Parkour-Stiel, meistens auf den Dächern der Stadt und benutzen Hauswände, Mauervorsprünge oder Rohrleitungen als natürliche Wege oder Hilfsmittel um Zäune oder Häuserschluchten zu überwinden. Meistens werden wir dabei von Ordnungshütern verfolgt, so dass fast keine Zeit zum Überlegen bleibt. Dies baut eine unheimlich intensive Stimmung auf, wenn mit der Kombination einzelner Sprünge und Techniken fast spielerisch scheinbar unüberwindbare Hindernisse bezwungen werden. Es sollte dabei aber nicht verschwiegen werden, dass bei "Mirror's Edge" dieses Erlebnis und Glücksgefühl erst dann eintritt, wenn dem Spieler die Steuerung in Fleisch und Blut übergegangen ist. Diese kann als komplex bezeichnet werden, da einige Tasten mehrfach belegt wurden, ist aber dennoch logisch und sogar intuitiv aufgebaut, also gut erlernbar. Ein kurzes Tutorial erklärt den Neuling gut und schnell die grundlegende Steuerung, so richtig verinnerlicht habe ich diese aber erst nach etwa einem Drittel des Spieles, welches leider schon nach ungefähr zwei Stunden erreicht ist. Dies ist übrigens das größte der wenigen Mankos an "Mirror's Edge", die Spielzeit liegt bei zirka sechs Stunden, je nach können des Spielers. Immerhin ist dies aber auch ein Spiel, das mich zum erneuten Spielen des Story-Modus animiert hat. Dies liegt nicht zuletzt an der fantastischen Grafik.

Die Umgebung der Außenwelt ist steril, kühl und hauptsächlich hellblau. Die Fernsicht ist gigantisch und das Areal scheint schier unendlich. Beim Rennen setzt dezent eine Bewegungsunschärfe ein und sämtliche Objekte haben Schatten. Die Innenräume sind dagegen auch schon mal intensiv mit gelb oder grün gestrichen, was für einen gewissen Ausgleich sorgt. Rot ist ebenfalls eine wichtige Farbe. Auf ein Radar oder ein Navigationssystem haben die Entwickler von DICE (Digital Illusions Creative Entertainment) verzichtet und stattdessen hilfreiche Objekte, die den Weg vorgeben, rot eingefärbt, jedenfalls bei dem "normalen" Schwierigkeitsgrad. Zu beginn des Spieles transportieren wir gemütlich, gemütlich im Sinne einer Runnerin, Daten und haben Zeit, den richtigen Weg zu suchen. Seit der Geschichte mit dem Mord werden wir aber permanent von Polizisten, Ordnungshütern oder Helikoptern verfolgt. Hier rennen wir im wahrsten Sinne des Wortes um unser Leben, halten permanent und hektisch Ausschau nach dem weiteren Weg, denn wenn wir zu lange suchen oder falsch abbiegen, sind der Schwung und die Geschwindigkeit weg, die Ordnungshüter da, Kugeln strecken uns nieder oder wir stürzen in die Tiefe, was fast immer mit dem Tod endet. Das Sterben kommt in "Mirror's Edge" leider recht häufig vor, da die Parcours recht anspruchsvoll sind. Oft muss ein bestimmter Abschnitt duzende Male versucht werden, bis das richtige Timing und die optimale Strecke sitzen. Die einzelnen Level selbst, sind trotz der erwähnten Weitsicht, dann doch sehr linear aufgebaut. Ab und zu gibt es alternative Wege, meist besteht die Kunst aber darin, den vorgegebenen Weg zu finden.

Dieses Prinzip von "Versuch und Irrtum" kann stellenweise auch zur mittelschweren Frustration führen. Umso höher ist dann aber der Glücksfaktor, wenn genau dieser Abschnitt dann doch überwunden wurde. Die automatischen Speicherpunkte sind aber absolut fair und engmaschig gesetzt. Auch das Gesundheitssystem kann löblich erwähnt werden, denn diese regeneriert sich von selbst, wenn ihr es schafft, Faith einen Moment aus jeglichen Schießereien herauszuhalten. Selbst können wir auch Schießen, nachdem wir einen Gegner entwaffnet haben. Da das Nachladen aber nicht möglich ist und die Schießprügel uns beim Klettern enorm behindern, tun wir dies aber eher selten. In der Regel ist es geschickter, die Feinde zu umgehen, vor allem, wenn mehr als drei von ihnen auftauchen. Wenn es sich aber nicht vermeiden lässt, kommt unsere gute und schön anzuschauende Nahkampftechnik zum Einsatz. Als zusätzliche Hilfe gibt es auch hier eine Zeitlupenfunktion à la Max Payne. Das sieht nicht nur super aus, sondern ist auch ungemein hilfreich. Was die Animationen angeht, läuft bei "Mirror's Edge" alles flüssig und geschmeidig ab, bis auf das seltene Ruckeln, wenn plötzlich mitten im Geschehen nachgeladen wird. Dies kommt zum Glück nur sehr selten vor. Die Grafik wirkt auf den ersten Blick schlicht, offenbart beim genaueren Hinschauen aber eine unheimliche Liebe zum Detail und ist in sich absolut stimmig. Das Spielgeschehen wird nur selten durch Zwischensequenzen unterbrochen. Diese sind komplett im Comic-Stiel und passen grafisch nicht wirklich zum Hauptspiel, aber genau diesen Stielbruch finde ich auflockernd und interessant.

Auch die Soundeffekte und die Hintergrundmusik sind erstklassig und wurden perfekt in das Spiel eingebettet. "Mirror's Edge" ist ein leises Spiel. Wenn wir auf einer Mission sind, hören wir zuerst nur unsere Schritte, unseren Atem und den Wind, die elektronisch gehaltene Musik fällt hier nicht auf. Sobald es gefährlich wird, wird diese entsprechend schneller und lautere Geräusche setzen ein. Die dadurch aufgebaute Stimmung ist fast nicht zu beschreiben und die jähe Unterbrechung dieser, wenn wir mal wieder den Absprung vermasselt haben und nach einem Sturz in die Tiefe auf dem Boden aufschlagen, ist absolut heftig und tut akustisch enorm weh. Neben dem Story-Modus, können nur noch so genannte "Time Trails" bewältigt werden. Hier geht es darum, eine vorgegebene Strecke so schnell wie möglich zu bewältigen. Hat der Spieler die Strecke schon einmal bewältigt, kann er gegen seinen eigenen Geist laufen. Besonders gute Zeiten können dann in Xbox Live veröffentlicht werden und es ist möglich, die Geisterläufer von Freunden herunter zu laden. Ein echtes Rennen ist leider nicht möglich.

Dennoch, "Mirror's Edge" hebt sich von den üblichen Konsolenspielen erfreulich ab und kann als frisches und mutiges Spiel bezeichnet werden. Das Spielprinzip macht Spaß und die Atmosphäre ist unbeschreiblich. Die Hintergrundmusik ist cool, die Geräusche authentisch und dieses Mal ist sogar die deutsche Synchronisation klasse. Wer also auf einen erhöhten Adrenalinspiegel steht und kein Problem mit diversen "Trail & Error"-Situationen hat, ist hier sehr gut aufgehoben. Lediglich die kurze Spieldauer und der recht magere Umfang trüben den Gesamteindruck ein wenig.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je 9MB
HDTV 480p/720p/1080i/1080p
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
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