XBOX 360  
 
Nier
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Cavia

Erschienen bei:
Square Enix

Als alleinerziehender Vater hat man es nicht leicht, jedenfalls nicht im Spiel Nier. Die eigene Tochter hat die Runenpest, der beste Kumpel ist ein fliegendes Buch, das sich ganz gerne reden hört, um Geld zu verdienen nimmt man so ziemlich jeden Job der Dorfbewohner an und mit überdimensionalen Waffen kämpft man gegen noch überdimensionalere Schatten.

Nier ist eigentlich ein Krieger und der Name unseres Charakters, der verzweifelt versucht, seine kranke Tochter zu retten. Als diese eines Tages ausbüchst, finden wir auf der Suche nach ihr ein Buch, welches nicht nur magische Fähigkeiten besitzt und fliegen kann, sondern auch noch spricht. Neben den immer wieder erfrischend ironischen Bemerkungen des leicht blessierten Buches, können wir mit seiner Hilfe Magie anwenden, was eine ziemlich effektive und hilfreiche Waffe im Kampf gegen die Schatten ist. Die Schatten sind wiederum Wesen, die die Menschen immer öfter und anscheinend grundlos angreifen. Im Prinzip geht es also in dem Spiel Nier darum, ein Heilmittel für unsere Tochter zu finden. Dabei reisen wir in unterschiedliche Dörfer und müssen unterschiedlichste Aufgaben und Rätsel lösen. Nier ist ein Rollenspiel mit Action-Elementen oder eher ein Actionspiel mit Rollenspiel-Elementen, denn der Rollenspiel-Part ist nicht so umfangreich. Wir können unsere Waffen, welche aus überdimensionale Ein- und Zweihand-Schwertern und Speeren bestehen, durch Schmieden verbessern oder durch magische Worte hoch-leveln.

Unser Charakter selbst steigt automatisch immer wieder auf, wenn er ausreichend viele Punkte im Kampf gesammelt hat. Mehr geht hier aber nicht. Dann können wir uns noch mit anderen Personen unterhalten, hier fällt die etwas lückenhafte Vertonung auf, denn nicht alle Texte werden auch gesprochen. Grafisch bewegt sich Nier nicht unbedingt auf einem hohen Niveau. Die Charaktere sind ziemlich grob gerändert und bewegen sich ziemlich steif. Auch die Umgebung und die Gestaltung der Level ist eher öde und nicht wirklich abwechslungsreich. Primär wird in der Third-Person-Perspektive gespielt. Hier lässt sich unser Held recht gut steuern, obwohl die Steuerung manchmal etwas zu unpräzise ausgefallen ist. Betreten wir gewisse Räume, wechselt die Perspektive von 3D in das Zweidimensionale, was an die guten alten Jump-and-Run-Spiele erinnert. Hier wurden Sidescroller und Sokoban-Ähnliche Puzzelspiele aus der Vogelperspektive integriert. Dies ist richtig gut gelungen, lockert den Spieleablauf angenehm auf und macht dann wieder richtig Spaß. Eine kleine Ausnahme gibt es aber, denn in einem alten Haus haben die Entwickler ein perfektes Beispiel für "unmögliche Perspektiven" geliefert. Betritt man aus einem Raum den nächsten, wechselt die Perspektive in eine unlogische Richtung, was auch Einfluss auf die Steuerung hat. Vielleicht war das aber auch beabsichtigt. In einem Dorf wird sogar komplett auf Grafik verzichtet und die Rätsel müssen im klassischen Text-Adventure-Stiel gelöst werden. Da es sich hier um ziemlich wirre Traumwelten der Dorfbewohner handelt, hätte ich mir dann aber doch Grafik gewünscht.

Zurück zur Perspektive. Befinden wir uns im dreidimensionalen Raum, wird die Kamera leider nicht automatisch mitgeführt, was ebenfalls zu ungewollten und während des Kampfgeschehens auch zu ungeschickten perspektivischen Eindrücken führt. Die Steuerung selbst ist aber einleuchtend, nicht überfrachtet und schnell erlernbar, lediglich die Vibrations-Funktion fehlt komplett und sie ist nicht unbedingt präzise. Das Kampfsystem ist gut, aber weder fordernd noch innovativ, macht aber dennoch oder gerade deswegen Spaß. Wir treten gegen Horden von Schatten oder Roboter an und ab und zu taucht auch ein überdimensionaler Endgegner auf. Im Prinzip wiederholt sich dies dann immer wieder.
Die Hintergrundmusik bewegt sich akustisch stark im Vordergrund, da sie äußerst eindringlich und nicht besonders abwechslungsreich ist, wirkt aber komischerweise nicht störend. Die restliche Geräuschkulisse ist angenehm und passend und sie Synchronisation ist klasse. Nier gibt es nur auf englisch mit deutschen Untertiteln, wobei die englischen Sprecher wirklich eine hervorragende Arbeit geleistet haben.
Wer Nier richtig spielen will, muss unheimlich viel Zeit mitbringen, denn leider müssen wir unheimlich viel laufen, um zu den einzelnen Aufgaben oder Nebenaufgaben zu gelangen. Diese "Lauf-Passagen" können einigermaßen als "open world" bezeichnet werden. Die eigentlichen Level sind dann aber wieder extrem geradlinig, jedenfalls was die zeitliche Abfolge der zu erledigenden Aufgaben angeht. Neben den Hauptaufgaben gibt es unheimlich viele Nebenaufgaben, die aber zum Geldverdienen einfach wichtig sind. Je nach Schwierigkeitsgrad und dem Umfang der gewählten Nebenmissionen, kann die Spielzeit schon bis über 40 Stunden betragen.

Eigentlich deutet dies alles nicht unbedingt auf ein wirklich gutes Spiel hin. Dennoch schafft es Nier, den Spieler immer wieder für Stunden an die Konsole zu binden, was mit der unheimlich dichten Atmosphäre und der fesselnden Geschichte, die erzählt wird, zu tun hat. Zuerst ist alles ziemlich undurchsichtig, dann scheint man durchzublicken und dann wird doch wieder alles ganz anders. Vor allem lohnt es sich unbedingt, das Spiel ein zweites Mal durchzuspielen. Man steigt aber nicht ganz am Anfang sondern etwa in der Mitte des Spieles wieder ein. Von nun an erhalten wir eine andere und unheimlich erschreckende Sichtweise auf die Geschehnisse und eine Menge unklare Gegebenheiten ergeben nun plötzlich einen grausamen Sinn. Ob sich beim dritten Durchspielen noch ein Mal etwas ändert, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je 495kB
HDTV 720p/1080i/1080p
ingame Dolby® Digital

Xbox-Live:
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