XBOX 360  
 
Splinter Cell Conviction
Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Ubisoft Montreal

Erschienen bei:
Ubisoft

Sam Fischer ist zurück, ist ziemlich angefressen und sinnt nach Rache. Warum das so ist und weshalb es dann doch ganz anders kommt, muss der Spieler schon selbst herausbekommen, warum es aber gut und kein Programmierfehler ist, wenn das Spielgeschehen schwarz-weiß angezeigt wird, wird im nachfolgenden Text erklärt.

"Splinter Cell Conviction" ist ein Titel, dieses Mal nur für die XBox360 und den PC und erzählt die Geschichte von Sam Fisher, dem Ex-Top-Agenten von Third Echelon, nach dem fünften Teil der Spilnter Cell Reihe weiter. Erzählen ist hier ernst gemeint, denn sein Kumpel Victor Coste erklärt während des gesamten Spielverlaufs die Geschichte, legt die Zusammenhänge dar und kommentiert das Geschehen. Dies ist sehr gut gelungen und vermittelt den Eindruck, dass "Splinter Cell Conviction" ein interaktiver und auch noch spannender Film ist, dessen Ende ich förmlich entgegen fieberte, trotz des etwas holprigen Anfang. Sam Fisher will seine Tochter rächen, da diese durch einen fingierten Autounfall ums Leben kam. Wie das alles mit dem weißen Haus, einer Intrige, einer Menge Waffen und ziemlich brutalen Verhörmethoden zusammenhängt, soll der Spieler, wie eingangs bereits erwähnt, selbst herausbekommen. Insgesamt betrachtet, macht "Splinter Cell Conviction" einen sehr guten Eindruck. Die Story ist spannend und der Spieler wird durch eine unheimlich dichte Atmosphäre geleitet. Sam Fisher wird in der Third-Person-Perspektive ferngesteuert. Wir können gehen, rennen, schleichen und manchmal auch springen und klettern. Die meiste Zeit wird aber geschlichen. "Splinter Cell Conviction" lebt quasi vom anschleichen, umgehen und scheibchenweise Ausschalten der Gegner.

Dies wird besonders deutlich, wenn wir versuchen, in alter Rambo-Manier, plump mit gezückter Waffe durch den Vordereingang feindliches Territorium einzunehmen. Hier verfärbt sich der Bildschirm schnell rot und dann schwarz und es geht am letzten Checkpoint wieder los. Auch wenn wir entdeckt werden, ist der Tod unseres Helden ziemlich nah. Die Speicherpunkte sind vom Spiel festgelegt und ein manuelles Abspeichern ist nicht möglich, da diese aber sehr dicht und fair verteilt sind, ist dies auch nicht notwendig. Medi-Kits suchen wir vergebens, es gibt nicht mal einen Gesundheitsbalken. Werden wir angeschossen, zeigt ein Pfeil, aus welcher Richtung der Treffer kam und der Bildschirm wird immer röter, sobald wir dem Kugelhagel ausweichen, erholen wir uns nach kurzer Zeit aber auch wieder. Viele Treffer kann Sam aber nicht einstecken, was aber wiederum fair ist, denn die Gegner können mit einem gezielten Kopfschuss außer Gefecht gesetzt werden. Die Gegner sind so eine Sache. Sie sind sehr intelligent aber auch strohdumm. Werden wir entdeckt, merken sich unsere Feinde unsere Position, konzentrieren das Feuer auf diese Stelle und umgehen uns um uns in den Rücken zu fallen. Dann aber erzählen sie die ganze Zeit, was sie gerade tun und was sie nicht tun werden. Die Sprüche sind leider nicht sehr ausgefallen und noch weniger abwechslungsreich und sie nerven nach kurzer Zeit mächtig. Gerade dann, wenn zum Beispiel nur noch ein Gegner übrig ist und dieser die ganze Zeit erzählt, dass er nicht den Raum betreten wird (in dem wir gerade sind) oder dass er sich nicht von hier wegbewegen wird. Dann haben einige von ihnen auch noch ein kleines Aufmerksamkeitsdefizit.

Wir besitzen eine Menge gut modellierter Waffen, zu denen auch unterschiedliche Granatentypen gehören. Werden die Splittergranaten schon beim Werfen von den Gegnern entdeckt, kann man die Haftgranaten den Jungs fast gegen den Kopf werfen, ohne dass sie reagieren. Mich würde es schon wundern, wenn plötzlich ein blinkendes und piependes Metallding direkt neben mir an der Wand kleben bleibt. Würden die Jungs die Klappe halten und wären etwas aufmerksamer, wären sie noch gefährlicher, als sie es schon sind. Der Schwierigkeitsgrad kann auch in der leichtesten Stufe als herausfordernd bezeichnet werden. Der Spielverlauf selbst ist stark linear aufgebaut und alternative Wege gibt es, vor allem im Freien kaum, was schade ist, denn "Splinter Cell Conviction" lebt eigentlich vom umgehen und anschleichen. In Gebäuden wird das Spielareal schon größer und bietet mehr Freiheitsgrade, von einer "open world" ist "Splinter Cell Conviction" aber noch weit entfern. Nun aber zurück zu Sam Fischer. Er hat gelernt, die Dunkelheit zu nutzen, um unentdeckt zu bleiben. Wenn wir uns also in dunklen Ecken herumtreiben, können uns die Gegner nicht sehen und um das darzustellen, wird die Welt um uns schwarz-weiß. Zu Beginn ist das etwas befremdlich, denn da hat man einen sauteuren HD-Fernseher und "Splinter Cell Conviction" ist die meiste Zeit schwarz-weiß. Doch schon nach kurzer Zeit erkennen wir, dass Farbe böse ist und fühlen uns nur bei einem schwarz-weißen Bildschirm wohl. Um das zu erreichen können wir Lampen ausschießen und -schalten oder EMP-Granaten verwenden und natürlich in Deckung gehen, was durch das Halten des linken Trigger geschieht. Ist dieser gedrückt, werden weitere Deckungen angezeigt, zu denen wir durch Drücken der A-Taste gelangen. Leider kann ich mit der A-Taste auch die Waffen der gefallenen Gegner aufnehmen, verliere dann aber meine eigene Waffe, die meistens schon Aufgerüstet war.

Ansonsten ist die Steuerung aber sehr gut gelungen. Im Vergleich zu den "Splinter Cell"-Vorgängern wurde die Steuerung stark entschlackt, es gibt fast keine Doppelbelegungen mehr und die Eingewöhnungsfase ist recht kurz, wenn auch bei mir etwas holprig zu Beginn, da ich mich erst an das "in Deckung gehen" gewöhnen musste. Nach kurzer Zeit ist aber eine flüssige Steuerung möglich, die auch richtig Laune macht. Auch die grafische Umsetzung ist einfach gelungen. Neben den flüssigen Animationen und den unterschiedlichen und somit interessanten Schauplätzen haben sich die Entwickler von Ubisoft Montreal noch was Besonderes einfallen lassen. Die Missionsziele werden übergroß an Wände projiziert, so als ob irgendwo ein Diaprojektor oder Video-Beamer aufgebaut wäre. Manchmal mutet es etwas komisch an, wenn über einer Person in übergroßen Buchstaben "Wache ausschalten" steht. Aber gerade diese Projektionen, die zusätzlich kleine Filmchen zur Unterstützung der Handlung zeigen, tragen wie auch die gelungene Soundkulisse, zu der gesamten Atmosphäre bei.

Neben dem Einzelspieler-Modus ist "Splinter Cell Conviction" eines der wenigen Spiele, die auch einen ausgewachsenen Koop-Modus anbieten, der ebenfalls mit einer eigenen Story aufwartet.

"Splinter Cell Conviction" ist nicht nur eine würdige Fortsetzung sondern auch eine gelungene Modernisierung der Splinter Cell Reihe. Der Spielverlauf ist actionreicher, die Steuerung fast perfekt überarbeitet, die Grafik ausgezeichnet und der Schwierigkeitsgrad bringt auf der höchsten Stufe auch Konsolenveteranen zum Weinen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Koop-Modus 2
Spielstände je 256kB
HDTV 720p/1080i/1080p
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
Online-Multiplayer 2
Koop-Modus 2
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Chat-Funktion