XBOX 360  
 
Die Geheimnisse der Spiderwicks
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Stormfront Studios

Erschienen bei:
Sierra Entertainment

"Wage nicht, dieses Buch zu lesen, denn es könnte tödlich sein. Darin geht es um viele Wesen, die man besser lässt allein." Logisch, dass einer der Hauptcharaktere diese Warnung in den Wind schlägt und das Spiel beginnt.

"Die Geheimnisse der Spiderwicks" ist ein typisches Action-Adventure, basierend auf der Filmlizenz des gleichnamigen Filmes, der zurzeit in den Kinos läuft. Die Geschichte selbst wurde bei uns bereits 2004 veröffentlicht und stammt von der insgesamt achtteiligen Fantasy-Reihe "Spiderwick the Chronicles". Kurz gesagt geht es um drei Geschwister, die Zwillinge Jared und Simon, sowie ihre ältere Schwester Mallory. Diese ziehen mit ihrer Mutter in das alte Haus ihrer Großtante. Als nun Jared das Buch "Arthur Spiderwicks Handbuch für die fantastische Welt" findet und trotz der zu Beginn genannten Warnung liest, überschlagen sich die Ereignisse. Ein bösartiger Oger will das Buch und mit dessen Geheimnissen die Welt beherrschen. Ihm stehen diverse Widerlinge wie böse Kobolde, Wechselbälger oder Trolle zur Seite. Ihm stellen sich die drei Geschwister und ein netter Kobold entgegen. Es ist erfreulich und abwechslungsreich, dass in "Die Geheimnisse der Spiderwicks" alle vier Charaktere abwechseln gesteuert werden können. Genauer gesagt ist dies auch zwingend notwendig, denn jede Person verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten.

So ist Jared mehr der Kämpfer und muss ab und zu auch seinen Bruder Simon beschützen. Dieser hat seine Fähigkeiten mehr auf der technischen Seite und kommt meist dann in das Spiel, wenn etwas gebastelt werden muss. Der nette Kobold wiederum ist klein und kann dementsprechend durch enge Spalten krabbeln. Der Spieler hat aber keinen Einfluss darauf, wann welcher Charakter zum Einsatz kommt. Dies spiegelt die Geradlinigkeit von "Die Geheimnisse der Spiderwicks" wieder. Wie es bei einem Action-Adventure üblich ist, gilt es auch hier Rätsel zu lösen und Gegner zu vernichten. Die Rätsel bestehen meist aus dem Auffinden und kombinieren bestimmter Gegenstände oder dem Aktivieren von Mechanismen. Es können aber immer nur die Utensilien benutzt werden, die gerade für die aktuelle Aufgabe gebraucht werden. Alle Anderen können nur angeschaut werden. So stellt das lösen der Rätsel eigentlich kein Problem dar, nicht mal für die zwölfjährige Zielgruppe. Alle Aufgaben können immer im hand- und Tagebuch nachgelesen werden. Hier bekommt der Spieler auch wertvolle Tipps, wenn er tatsächlich mal nicht mehr weiter weiß. Neben den Rätseln gibt es dann noch die Kämpfe. Jeder Charakter hat seine persönlichen Nah- und Fernwaffen, die im Laufe des Spieles immer besser werden, die Gegner werden aber ebenfalls immer schwieriger zu besiegen. Auch scheint der Vorrat an Gegnern, an manchen Stellen des Spieles jedenfalls, unendlich zu sein. Dieser Strom versiegt erst, wenn eine bestimmte Aufgabe gelöst oder ein bestimmter Punkt erreicht wurde. Ein weiteres Element eines Action-Adventure sind die Geschicklichkeitspassagen, die bei "Die Geheimnisse der Spiderwicks" natürlich auch nicht fehlen.

Was aber fehlt ist eine Sprung-Taste. Sobald der Spieler an einen Abgrund kommt, springt er automatisch. Dies geschieht auch beim Hochhangeln an Hindernissen oder beim Herunterklettern von Leitern. Prinzipiell funktioniert das recht gut, ich persönlich fühle mich aber etwas in meiner Freiheit eingeschränkt. Ein weiteres und auch größeres Manko der Steuerung ist der, dass sie zum Beispiel bei einem Richtungswechsel etwas zu hektisch reagiert. So kommt es, gerade bei den Geschicklichkeitspassagen, immer wieder zu unfreiwilligen Abstürzen. Immerhin sind die Kontrollpunkte, bei denen das Spiel wieder aufgenommen werden kann, sehr gut und eng genug verteilt. Die technische Umsetzung von "Die Geheimnisse der Spiderwicks" ist gekonnt. Die Charaktere haben einen eindeutigen Wiedererkennungswert, sie sehen liebenswert aus und ihre Animationen sind flüssig. Nur die Lippensynchronisation hat nicht geklappt. Die Umgebung ist wiederum detailreich ausgefallen, wenngleich eine richtige Interaktion mit dieser nicht möglich ist. Grafisch ist das Spiel im oberen Mittelfeld anzusiedeln, was aber nicht stört, denn schon nach einigen Minuten wird eine ansprechende Atmosphäre aufgebaut. Hier trägt natürlich auch die Hintergrundmusik bei. Sie stammt sdirekt aus dem Kinofilm und untermalt die Szenerie gut, obwohl sie sich nicht wirklich den entsprechenden Situationen anpasst. Die In-Game-Geräusche sind passend und gut zusammengestellt. Die Sprüche der Hauptakteure wiederholen sich relativ schnell, was aber genre-typisch ist.

Lediglich die Stimme der Zwillinge begann mich sehr schnell zu nerven. Die Steuerung ist, bis auf die bereits erwähnten hektischen Bewegungen, gut umgesetzt. Gespielt wird in der Thirt-Person-Perspektive, wobei sich eine fiktive Kamera schräg hinter der Spielfigur befindet. Diese wurde sehr gut platziert und kann frei bewegt werden, führt aber nicht von selbst nach. Die Tastenbelegung ist schnell und einfach erlernbar, obwohl fast der ganze Kontroller belegt ist. "Die Geheimnisse der Spiderwicks" ist ein klassisches Single-Player-Spiel. Zwar gibt es einen Mehrspieler-Modus, dieser muss aber erst im Einzelspieler-Modus freigeschaltet werden und beschränkt sich auf Minispiele. Xbox-Live wurde nicht integriert. Hier hätte es ruhig einen umfangreicheren Mehrspieler-Modus geben können. Ist das Spiel einmal durchgespielt, ist der einzige Anreiz das erneute Spielen mit einem höheren Schwierigkeitsgrad, was nicht wirklich als Langzeitmotivation angesehen werden kann.

"Die Geheimnisse der Spiderwicks" ist ein solides Action-Adventure, das auf dem gleichnamigen Film basiert. Die Grafik ist in Ordnung, mindestens eine Synchronstimme kann nerven und die Spieldauer ist recht kurz. Dennoch schafft das Spiel es, den Spieler sehr schnell in seinen Bann zu ziehen und in diese ganz spezielle Welt der Trolle, Kobolde und Waldgeister zu entführen. Mit einem Blick auf den Preis hätte aber etwas mehr für die Langzeitmotivation gemacht werden sollen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Coop-Modus 2 Spieler
Spielstände je 72kB
HDTV 720p/1080i/1080p
in-game Dolby® Digital