XBOX 360  
 
Too Human
Preis: ca. EUR 65,-

Entwickler:
Silicon Knights

Erschienen bei:
Microsoft Game
Studios

Maschinenwesen, die die Menschheit vernichten wollen, Menschen, die aufgrund ihrer kybernetisch aufgewerteten Körper einen Gottstatus haben, ein Cyberspace, in dem man Türen in der realen Welt öffnen kann und ein Hauptcharakter, der nicht sterben kann, das sind die Dinge, die bei "Too Human" auf den ersten Blick auffallen.

"Too Human" hat schon eine wahre Konsolen-Odyssee hinter sich. Geplant für die Playstation 1 über den Gamecube gelangte der Titel nun endgültig und exklusiv auf der Xbox360. Ganze zehn Jahre hat dies gedauert. Da "Too Human" als Trilogie angelegt wurde, bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten Teile nicht so lange auf sich warten lassen, denn die Spielhandlung ist interessant und macht Appetit auf mehr. Aber nun der Reihe nach. "Too Human" ist in der nördlichen Mythologie angelegt, was sich einfach an den Namen der Charakteren, die da Heimdall, Thor oder Odin heißen, erkennen lässt. Der Spieler selbst steuert Baldur, Sohn von Odin.

Im Prinzip sind wir "nur" ein Mensch, dessen Körper und Geist aber kybernetisch so aufgewertet wurde, dass wir als Gott durchgehen. Unsere Aufgabe ist es, Maschinenwesen, damit ist aber nicht unsere Verwandtschaft gemeint, zu vernichten, da diese wiederum die Menschheit vernichten wollen. Im Verlauf des Spieles, aber erst gegen Ende, wird die Story noch richtig Spannend und zeigt ein paar unerwartete Wendungen. Der Geübte Spieler wird das Ende aber leider schon nach zwölf bis 15 Stunden erreicht haben, was für ein Rollenspiel einfach zu kurz ist. Kommen wir nun aber wieder zum Anfang von "Too Human" zurück. Zu Beginn muss sich der angehende Gott für eine von fünf Kriegerklasse entscheiden, die seine Fähigkeiten festlegt. Mir gefiel von Anfang an der Berserker. Perfekt für den Nahkampf, kann mit zwei Waffen gleichzeitig umgehen und verursacht viel Schaden, verträgt aber selbst nicht viel.

Im Gegensatz hierzu hat der Defender wesentlich mehr Lebensenergie und eine bessere Rüstung und kann sogar Schilde zur Abwehr feindlicher Attacken tragen, ist aber langsamer. So haben alle Klassen ihre Vor- und Nachteile und der Spieler muss diese einfach nach seinen individuellen Vorlieben auswählen. Ist die Entscheidung für eine Klasse einmal gefallen, kann diese während des Spielverlaufes weiter aufgewertet werden, was mit Hilfe eines so genannten Fähigkeiten-Baum geschieht. Hier kann die Spielfigur zudem noch spezialisiert werden, indem verschiedene Zweige des Fähigkeiten-Baumes ausgebaut werden. Dies geschieht zum Beispiel mit Ausrüstungsgegenständen, die die getöteten Gegner während eines Kampfes fallen lassen und die eingesammelt und komplettiert werden müssen und natürlich auch durch Skill-Punkte, die wir durch das töten der Gegner erhalten. Dummerweise steigen mit den eigenen Fähigkeiten auch die Fähigkeiten der Gegner, so dass "Too Human" immer gleich gut ausbalanciert ist und unterm Strich kein wirklicher Vorteil für den Spieler zu erkennen ist.

Gegner gibt es natürlich unterschiedliche, die ähnlich den göttlichen Klassensystem, unterschiedliche Stärken besitzen. Dies reicht vom Fußvolk, das eher als Kanonenfutter dient, bis hin zum übergroßen Endgegner, der aber auch seine tödlichen Schwachstellen besitzt. Der Spielverlauf ist streng linear ausgefallen. In der Regel bahnt sich der Spieler auf ziemlich großen Arealen seinen Weg durch Horden von Gegnern und sammelt deren Ausrüstungsgegenstände auf. Ab und zu müssen auch kleinere Rätsel gelöst werden, was aber in einer Art Cyberspace geschieht. Hier können etwa, wie eingangs erwähnt, in der realen Welt verschlossene Türen geöffnet werden. Die Steuerung in "Too Human" ist für diese Art von Spielen neu und bedarf einer deutlich längeren Eingewöhnungsfase. Hier werden einige Spieler zu früh aufgeben, denn wer diese Fase überstanden hat, wird das Spiel gekonnt und intuitiv bedienen. Die Spielfigur wird hauptsächlich mit den beiden Analog-Sticks gesteuert, wobei der Linke der Fortbewegung und der Rechte dem Angriff zugeordnet ist. Prinzipiell visiert man mit dem rechten Analog-Stick einen Gegner an, indem einfach auf ihn gedeutet wird.

Wird nun ein Fernangriff ausgelöst, benutzt die Spielfigur seine Fernwaffen, was Pistolen, Gewehre mit Granatenwerfern oder Kanonen sein können. Je nach Munition schießen diese mit Plasma, Lasern oder einfachen Kugeln. Im Nahkampf können unter anderem Schwerte, Hämmer oder Stangen benutzt werden. Hier werden mit dem rechten Analog-Stick dann ziemlich einfach verschiedene Combos ausgelöst. Grafisch macht "Too Human" richtig Spaß. Die Animationen dieser Kampf-Combos sind flüssig und sehen einfach nur spektakulär aus. An Lichteffekten und Explosionen wurde glücklicherweise ebenfalls nicht gespart. Auch die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet, lediglich die Gesichter während der Zwischensequenzen sind grafische nicht so toll gelungen. Dies wäre eigentlich kein Problem, könnte der Held des Spieles sterben. In "Too Human" existiert eine Gesundheitsanzeige, die auch sinkt, wenn wir einen Treffern einstecken müssen. Ist diese leer, sind wir logischerweise auch tot, aber nur für kurze Zeit. In einer 25-sekündigen Zwischensequenz werden wir wieder in das Leben zurückgerufen und setzen unseren Kampf an der Stelle fort, an der wir zuvor gescheitert sind, diesmal aber mit voller Gesundheit.

Die bereits erledigten Gegner bleiben zerstört und die Endgegner behalten ihre Schäden. Komischerweise kann dies beliebig oft wiederholt werden und hat keine Auswirkung auf den weiteren Spielverlauf, was mich eher an einen Trainer-Modus als an ein Gesundheits-System erinnert. Lediglich die Tatsache, dass die 25-Sekunden-Sequenz nicht abgebrochen werden kann, scheint genug Ansporn zu sein, um am Leben zu bleiben. An der Soundkulisse gibt es nichts auszusetzen. Musik und Geräusche, in Verbindung mit den grafischen Effekten, erzeugen schnell eine epochale Atmosphäre. Ein weiterer Pluspunkt von "Too Human" ist der Kooperations-Modus, indem es möglich ist, die Level mit einem Freund zusammen durchzuspielen. Dies ist jedoch nur mit Xbox-Live möglich, wobei, ein Split-Screen wäre aufgrund der Spielfeldgröße und Scharen von Gegnern sicherlich zu unübersichtlich. Die Anzahl der Gegner wurde in diesem Modus anscheinend einfach verdoppelt aber immerhin ist es möglich Gegner zusammen anzugreifen und Items untereinander zu tauschen.

"Too Human" ist ein gut gelungenes Action-Rollenspiel, das leider zu kurz ausgefallen ist. Die neuartige Steuerung bedarf einer etwas längeren Eingewöhnungsfase, kann dann aber ihr großes Potential ausspielen. Die Grafik und der Sound sind klasse und die Atmosphäre stimmt. Dass "Too Human" einen Kooperations-Modus besitzt muss einfach noch einmal erwähnt werden, da dieser richtig Spaß macht und das Spiel auch auf längere Sicht hin interessant hält. Dennoch sollten sich Silicon Knights mit dem nächsten Teil nicht allzu lange Zeit lassen.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je !MB
HDTV 720p/1080p/1080p
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
Co-Op 2
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