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Black & White 2

Preis: ca. EUR 45,-

Entwickler:
Lionhead Studios

Erschienen bei:
Electronic Arts

Wie währe es wohl, ein allmächtiger Gott zu sein, der tun und lassen kann was er will? Mit dieser Frage beschäftigt sich Spieledesigner Peter Molyneux nicht erst seit gestern, ist er doch sozusagen der Vater und Erschaffer der Gott-Sims. Licht und Schatten gab es schon im ersten Teil von Black & White, um nicht zu sagen: Viele warfen wegen einiger Design- und Spielmängel die Maus frustriert an die Wand. In „Black und White 2“ soll aber laut Entwickler Lionhead Studios, da man schließlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, alles besser, schöner und einfacher werden.

Wie auch schon im Vorgänger müsst Ihr Euch im zweiten Teil um sämtliche Belange eines Volkes kümmern und es von Insel zu Insel zur Beherrschenden Kultur hochzüchten. Auf welchem Weg Ihr das erreicht bleibt Euch vorbehalten. Gütige Götter bauen riesige Metropolen, in denen zufriedene Bürger ihr glückliches Dasein fristen. Von solcher Pracht derart beeindruckt schließen sich Euch feindliche oder neutrale Siedlungen von alleine an und bringen dabei liebenswürdigerweise noch ihre gesammelten Rohstoffe mit. Eher böse veranlagte Naturen pfeifen auf schön angelegte Städte und herrschen tyrannisch mit eiserner Faust über ihr Volk, stellen große Armeen auf und fegen die gegnerische Zivilisation mit militärischer Gewalt von der Landkarte. Eure Gesinnung spiegelt sich hierbei deutlich in den Gebieten wieder, welche unter Eurem Einflussbereich stehen.

Je nach Spielart wandelt Euer Volk auf grünen saftigen Wiesen im Sonnenschein oder schreitet über karge mit Lavalinien durchzogene Erde. Ein wichtiger Aspekt des Spiels ist natürlich die Kreatur, welche man sich zu Anfang des Turtorial unter Affe, Wolf, Löwe und Kuh aussuchen darf. Die knuffigen Tierchen sind zunächst noch recht klein, wachsen aber unter der Aufsicht des Spielers zu riesigen Kreaturen heran. Je nachdem, wie man seine Kreatur durch Belohnen oder Bestrafen unterrichtet, wächst sie zu einem gutmütigen Kuscheltier oder einer blutrünstigen Bestie heran. Anders als im Vorgänger könnt Ihr Euer Schoßtier nun viel gezielter trainieren. Entweder gebt Ihr ihm durch die interaktive „Götterhand“ direkt Anweisungen oder schaut Euch im Kreatur-Menü den Fortschritt der jeweiligen Verhaltensweisen an. Sollte Euch eine Verhaltensweise nicht gefallen oder förderlich erscheinen reicht ein Klick auf dieselbe und ein paar Streicheleinheiten oder saftige Ohrfeigen später hat Euer Zögling das gewünschte Verhalten verinnerlicht. Black & White 2 setzt sich aus einem Mix aus Aufbau- und Echtzeitstrategiepart zusammen, wovon allerdings nur der geniale Aufbaupart voll überzeugen kann. Ein Beispiel hierfür ist der innovative Straßenbau.

Per göttliches Händchen zieht Ihr Eure Straßen durch die Landschaft, wie es Euch beliebt. Hierbei sind Kurven, Kreise oder Schleifen etc. überhaupt kein Problem. Die anschließend platzierten Gebäude richten sich anschließend automatisch nach den zuvor gezogenen Straßen aus. Das Ergebnis ist ein unglaublich lebensecht aussehendes Stadtbild wie es bisher noch nie in einem Aufbauspiel zu sehen war. Zu bauen gibt es in B&W 2 wahrlich jede Menge, so dass Städtetüftler ihre wahre Freude haben werden. Etwas auf der Strecke geblieben ist der Echtzeitstrategiepart. Mit gerade drei zur Verfügung stehenden Waffengattungen (Infanterie, Bogenschützen, Katapulte) fällt dieser Bereich eher bescheiden aus. Hinzu kommt, dass die Gefechte trotz wählbarer Formation am Ende immer in einer heillosen Massenkeilerei enden. Einer der Glanzpunkte in B&W 2 ist ohne Frage die göttliche Grafik. Ein leistungsfähiges System vorausgesetzt, könnt Ihr hier Licht und Wassereffekte bestaunen, dass es einem die Kinnlade nach unten schraubt. Alles wirkt wie aus einem Guss und die Liebe zum Detail ist überall zu sehen. Per Zoomfunktion könnt Ihr stufenlos ganz nach Belieben entweder hoch über der Insel thronen oder das sprichwörtlich weiße im Auge Eurer Untertanen bestaunen.
Fazit: Black & White 2 ist seinem Vorgänger um Längen überlegen und macht mit Abstrichen jetzt wirklich Spaß. Zum ganz großen Wurf hat es aber meiner Meinung nach nicht gereicht. So driftet man z.B. viel zu schnell in eine böse Gesinnung ab. Auch viele der guten alten Schriftrollenmissionen mache ich nur weil sie mir Punkte einbringen, mit denen ich dann neue Gebäude oder Fähigkeiten einkaufen kann, nicht aber weil sie spannend oder gar abwechslungsreich währen. So, jetzt ist aber Schuss mit der Nörgelei! Ich will ja nicht, dass Ihr den Eindruck gewinnt, dass Black & White kein gutes Spiel wäre. Kein Titel lässt Euch soviel spielerische Freiheiten wie dieser. Wie ihr zum Ziel kommt bleibt Euch überlassen. Und auch wenn ich mich an dem ein oder anderen Detail störe, duchgezockt hab ich es dennoch und hatte jede Menge Spaß dabei.

Sven Eggen

Systemvoraussetzungen:
Windows 2000/XP
CPU mit 1.6 GHz
512 MB RAM
64 MB Grafikkarte
3,5 GB Festplattenspeicher
DVD-Laufwerk