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Ghost In The Shell - Stand Alone Complex

Preis: ca. EUR 45,-

Erschienen bei:

Atari

Mamoru Oshii entwarf mit seinem Cyber Abenteuer Ghost In The Shell 1995 ein düsters Zukunftsszenario. Der Film avancierte schnell zum Kult, und gerade die Eingeweihten dürften sich auf eine Versoftung des Titels gefreut haben, zumal man die Original Stimmen im Spiel mitgeliefert bekommt. Section 9 ist eine Organisation, deren Aufgabe darin besteht, in einer Welt ohne Grenzen dem Terror Einhalt zu gebieten. Im Laufe des Spiels gilt es, das Rätsel um einen Terroristen-Angriffs zu lösen, bei dem die Veröffentlichung des brisanten Berichts H-88 verhindert wurde.

Umgesetzt wurde der Film als Ego-Shooter. Gespielt wird mit einem der vier Section 9 Charaktere. Motoko Kusanagi ist ein weiblicher Cyborg mit menschlichem Gehirn, mangalike mit einem neckisch knappem Slip bekleidet. Dazu gesellen sich der bullige Batou, ebenfalls ein Cyborg, Saito und Togusa – ein kybernetisch aufgewerteter Mensch. Jeder der Charaktere hat seine Spezialitäten und Standardwaffen. Die anwählbaren Waffen können frei auf die jeweiligen Waffenslots verteilt werden. Natürlich kommt im Laufe des Spiels eine Großzahl an Waffen hinzu. Das Arsenal reciht dann von der Faust über Granaten bis hin zum Raketenwerfer. Die Spezialität dieses Ego-Shooters ist, dass man die Missionen nicht alleine bestreitet, mit dem Tachikoma – einem Mini-Panzer, der von einer eigenen KI gesteuert wird – bekommt man eine schlagkräftige Unterstützung. Grotesk ist, dass dieser bis an die Zahnräder bewaffnete Roboter über eine quietschige Kinderstimme verfügt, die dem Spieler wohl mit der Zeit ganz gehörig auf die Nerven gehen wird.

Eröffnet wird das Spiel von einer ellenlangen, sparsam animierten Videosequenz, die dem Spieler die Story näher bringen soll. Auch werden immer wieder Zwischensequenzen eingeblendet. Es handelt sich meist um Gespräche zwischen dem Section 9 Boss und den wackeren Kämpfern für Recht und Ordnung. Diese Sequenzen können nicht abgebrochen werden und müssen nach einem Scheitern erneut durchzittert werden. Hat man sich mit seinem Gefährten ins Kampfgetümmel gestürzt, bekommt man es mit einer Reihe von Terroristen zu tun. Meist sind es Wachen, die einem mehr oder weniger kopflos vor die Flinte laufen. Intelligente Aktionen der Gegner sind nicht erkennbar. Hat Euer Tachikoma nicht schon vorher aufgeräumt, dürft Ihr auch ein paar Gegner ins Jenseits befördern. Natürlich lassen diese nach ihrem Ableben ihre Waffen und Türschloss-Codes zurück. Die einzelnen Szenarien sind sehr zweckmäßig gestaltet, meist quadratisch geschnitten, und auch die Hindernisse sind meist – Richtig – quadratisch. Für das Eyecandy sorgt höchstens Motoko mit ihrem durchsichtigen Slip, die typischen Schauplätze (Eisenbahnstation, Gebäudekomplexe oder eine schmucklose Innenstadt, die einzig und allein aus Hinterhöfen zu bestehen scheint) sorgen für wenige Grafikhighlights.

Kämpft man sich nicht eben so den Weg durch die Gegnerscharen, gibt es noch Aufträge wie Bomben zu finden, unter Statisten, die nicht zu Schaden kommen dürfen einen Gener ausfindig zu machen oder möglichst unbemerkt eine Geisel zu befreien. Hierbei sollte man auf der Hut sein, denn mitunter nimmt das Tachikoma auch gerne mal einen Statisten hopps oder erledigt einen Cyborg, der eigentlich „lebend“ eingefangen werden sollte. Ego-Shooter gibt es momentan noch wenige auf der PSP. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass es schwierig ist, eine brauchbare Steuerung ohne zweiten Analogstick hinzubekommen. Es gibt vier Tastaturlayouts, mit denen gespielt werden kann, und keines macht so richtig glücklich. Auch gibt es keine Zielfunktion, die Gegner werden lediglich hervorgehoben. So verkommt der Shooter schnell zum stupiden Geballer, nach dem Motto: Eine Kugel wird schon ihr Ziel finden. Dieser Umstand könnte aber auch die niedrige KI der Widersacher erklären, nicht auszudenken, wenn diese auch noch selbstständig in Deckung gehen oder gar aus dem Hinterhalt schießen. Auch die Soundkulisse ist äußerst schwach, und aufgrund des spärlichen Soundtracks und der nervigen Tachikoma-Stimmen kann man den Regler ruhig runter drehen. Der Vollständigkeit halber sei noch der Mehrspielermodus erwähnt. Hier können bis zu sechs Spieler in den Arenen aufeinander losgehen, hierzu können eigene Regeln erstellt werden. Aufgrund der dünnen Story und dem mäßigen Spielverlauf gibt es für Außenstehende eigentlich keinen Grund, sich genau dieses Spiel zuzulegen, lediglich für den Diehard Ghost In The Shell Fan könnte das Spiel als Merchandising-Artikel interessant sein.

Christian Dännart