Xbox  
 
James Bond 007: NightFire
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Eurocom Entertainment

Erschienen bei:
Electronic Arts

Normalerweise rettet James Bond zuerst auf der Kinoleinwand und danach in der Spielkonsole die Welt. Bei dem Spiel "James Bond 007: NightFire" von Electronic Arts ist das etwas anders, da hierzu niemals ein Film gedreht wurde. Der Vorteil ist (sieht man von einigen gesparten "Lizenz-Millionen" mal ab), dass den Entwickler keine Story vorgegeben wurde und sie sich in Punkto Bauwerke, Schauplätze und Ausrüstung so richtig austoben konnten, was ihnen auch sehr gut gelungen ist.

Die Story ist einfach: Ein grüner Industrieller will die Weltherrschaft an sich reißen, indem er mittels einer orbitalen Waffenplattform und einigen Nuklearwaffen, mit deren Abrüstung er eigentlich beauftragt wurde, einen Krieg oder ähnliches auslösen will (nicht mal den Grünen kann man noch trauen). Dass dies von Pierce Brosnan Bond verhindert werden muss, versteht sich von selbst. Die zwölf Missionen sind zum Glück komplexer als die Story vermuten lässt. Schon beim Intro, mit dem dann auch die erste Mission beginnt, muss der Spieler eingreifen und zuerst in einigen Schlüsselszenen Aufgaben erledigen und dann vollständig die Kontrolle über seinen Aston Martin V12, während einer Verfolgungsjagd, übernehmen. So wird der Konsolen-Bond recht zügig an die Steuerung herangeführt. Die weiteren Missionen enthalten alles, was von einem Bond-Film erwartet wird.

Es müssen verschiedene Fahrzeuge, vom Auto über ein gepanzertes Schneemobil bis hin zum Leichtflugzeug gesteuert werden. Natürlich sind alle Fortbewegungsmittel "Q-modifiziert" und besitzen Spielereien, die sich der Normalbürger angesichts ständig verstopfter Strassen wünschen würde. Ob der TÜV einen Raketenwerfer oder einen Düsenantrieb in den Fahrzeugschein eintragen würde ist aber fraglich. Die meiste Zeit verbringt man in der "Ego-Shooter-Perspektive". Hier wird geklettert, an Seilen gehangelt, geschossen und manchmal auch gestorben. Das mit dem Sterben ist so ein Problem. Da die verschiedenen Missionen und somit auch die Schauplätze recht komplex sind, sind die einzelnen Level groß. Während einer Mission kann nicht abgespeichert werden und wenn dann das Missionsziel nicht erreicht wird, muss wieder von Vorne begonnen werden. Je nach Mission gilt diese, neben dem Verlust des Lebens, auch dann als gescheitert, wenn z.B. der Alarm ausgelöst wird oder unbeteiligte zu Schaden kommen. Nachdem eine Mission zum wiederholten Mal missglückt und somit wiederholt werden muss, fallen zwei weitere Schwächen des Spieles auf.

Zum Einen ist der Spielverlauf streng linear. Es gibt in der Regel nur einen vorgeschriebenen Weg um an ein Ziel zu gelangen und die Feinde tauchen auch immer an den gleichen Stellen und in der gleichen Reihenfolge auf.

Zum Anderen erscheinen diese Feinde nur dann, wenn zuvor eine bestimmte Aktion ausgeführt wurde. Somit ist es nicht möglich, einen Gegner im Vorhinein auszuschalten, obwohl man genau weiß, wo er im nächsten Moment auftauchen wird. Er lässt sich nun mal erst dann blicken, nachdem z.B. ein Virus in einen Computer eingeschleust oder sein Kollege in Tiefschlaf versetzt wurde. Der letzte Kritikpunkt liegt in der Spieldauer. Trotz der Größe der verschiedenen Level sind die einzelnen Missionen zu schnell durchgespielt. Ein bis zwei Nächte und die Welt ist gerettet. Natürlich ist dieser Kritikpunkt subjektiv, da das Spiel sehr schnell fesselnd wirkt und den Spieler vor dem Fernseher festhält. Ein Grund für diese Motivation liegt in der guten Steuerung. Sie ist übersichtlich, klar strukturiert und reagiert so, wie man es erwartet. Zudem kann aus mehreren vorgegebenen Konfigurationen die ausgewählt werden, die den persönlichen Vorlieben entspricht. Eine individuelle Konfiguration ist aber nicht möglich. Die Grafik erreicht so langsam den XBox-Standart.

Die Schauplätze sind grandios und aufwendig gestaltet. Pierce Brosnan ist im Gesicht zwar etwas zu glatt geraten, wird aber ohne Probleme wiedererkannt und ist, so wie alles was sich auf dem Bildschirm bewegt, einwandfrei animiert. Die verschiedenen Fahrzeuge, Waffen und Spezialgeräte wurden mit viel Liebe zum Detail entworfen. So ist gerade bei den Spezialgeräten das in den Filmen beliebte "Product placement" offensichtlich. In die Rolex wurde ein Laser und in den Rasierer (von Philishave) eine Granate integriert. Aber gerade solche Geräte, die im Spiel auch zum Einsatz kommen, machen das Flair eines Bond-Filmes aus. (Warum er seinen Rasierer auf eine "tödliche Mission" mitnimmt habe ich bis heute noch nicht so richtig verstanden.) Ebenfalls zu einem 007-Film gehört die unverkennbare Musik, die auch im Spiel nicht fehlt und an den richtigen Stellen teilweise dramatisch zum Einsatz kommt. Die Soundeffekte sind ebenfalls gut gelungen und integrieren sich in perfekt das Gesamtbild. Da fällt es fast nicht auf, dass für die deutsche Übersetzung nicht die Originalstimmen verwendet wurden. Aber immerhin ist das komplette Spiel in das Deutsche übersetzt worden.

Einige weitere Highlights, die die Güte des Spieles wiederspiegeln, sind der Titelsong, der eigens für diesen Spiel komponiert wurde und die "In-Game-Videosequenzen", welche komplett gerändert sind. Hier kann schnell vergessen werden, dass es sich um ein Videospiel und nicht um einen Film handelt. Des Weiteren ist dann noch der "Mehrspieler-Modus" erwähnenswert. Bis zu vier Spieler können sich, wenn auch nur auf einem dann viergeteilten Fernseher, das Leben zur Hölle machen. Es sind alle bekannten Spielvarianten wie "Capture the Flag" und "Deathmatch" sowie einige neue Team-Spiele integriert. Besonders gut sind die Bot's gelungen, da ihre Fähigkeiten festgelegt werden können. Es gibt z.B. "Wächter", die die Team-Mitglieder schützen, Sammler, die sich auf das Einsammeln von Objekten konzentrieren und "Attentäter" (mein persönlicher Favorit in Punkto Fiesheit), die nur Gegner angreifen, die schwächer sind als sie selbst. Ihre Intelligenz ist mit "gut" zu bewerten.

Alles in Allem ist "James Bond 007: NightFire" zwar "nur" ein Ego-Shooter, der sich aber durch seine Charaktere, die abwechslungsreiche Story und Schauplätze und vor Allem durch die "James Bond Atmosphäre" von anderen Spielen des Genre absetzt. Auch die Tatsache, dass verschiedene Fahrzeuge gefahren werden können trägt zum Spielspass und der Langzeit-Motivation bei.

Bernhard Prommer