Xbox  
 
FILA World Tour Tennis
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:

Hokus Pokus

Erschienen bei:
THQ

Sportspiele erfreuen immer noch einer ungebrochenen Beliebtheit. So sind Fußball, Eishockey, Xtrem-Beach-Volleyball und Synchronrückenschwimmen nicht mehr aus dem Konsolenmarkt wegzudenken. Nun hat sich THQ mit "FILA World Tour Tennis" auch an den weißen Sport herangewagt.

In Punkto Lizenzen ist unklar ob THQ erkannt hat, dass mit dem deutschen Tennis zur Zeit kein "Stich" zu machen ist oder ob sie sich aus diversen Steuerquerelen heraushalten wollten. Hier wurde ein eigener Weg gegangen, denn es stehen diesmal weder die Original-Spieler, noch die Original-Turniere sondern der größte Sportartikel-Hersteller im Tennis im Vordergrund. Der Grad zwischen Authentizität und einer reinen Werbeveranstaltung ist aber sehr gering. Anscheinend wurde "FILA World Tour Tennis" während der Ferienzeit entwickelt, denn die Präsentation des Spieles lässt vermuten, dass der Chefdesigner gerade im Urlaub war. Beim Start fehlt ein Intro, welches zwar nicht nötig ist, aber irgendwie zu einem Konsolenspiel gehört. Die Menüs sind schlicht und deshalb langweilig gehalten und die Musik wurde eher für einen Fahrstuhl komponiert.

Im Hauptmenü stehen dem Tennisrecken die Optionen "Arcade", "Quick Game" und "Challenge" zur Verfügung. "Arcade" ist ein Modus, in dem vier Turniere mit je fünf Runden bestritten werden können. Vom Anfängerturnier bis zum Eliteturnier steigt der Schwierigkeitsgrad. Der Gegner ist hier immer der Computer und der Court wird ebenfalls vom Rechner festgelegt. Hier kann, wie in allen Spielarten, entweder ein Einzel oder ein Doppel gespielt werden. Beim Doppel ist dann entweder der Rechner oder ein zweiter Mitspieler der Partner. Im "Quick Game" ist ebenfalls ein Turnier oder ein Schaukampf möglich. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass zum Einen der Court und somit der Bodenbelag gewählt und zum Anderen auch mehrere "echte" Spieler gegeneinander oder miteinander antreten können. Besitzt man drei Freunde und vier Controller, macht das Doppel am meisten Spaß. Sind nur zwei zusätzliche Mitspieler vorhanden, wird der vierte Spieler durch die XBOX ersetzt. Spielt man zu zweit, steht das Doppel miteinander oder gegeneinander oder das Einzel gegeneinander zur Verfügung. Beim Doppel werden die fehlenden Spieler ebenfalls durch den Rechner ersetzt.

Die Aufwendigste Spielvariante ist die "Challenge". In den Grundzügen kommt sie einer Wirtschaftssimulation gleich. Das Ziel besteht darin, in der Weltrangliste auf Platz eins aufzusteigen. Das kann sich etwas ziehen, da man auf Platz 100 anfängt. Eine zweite Hürde, das Ziel zu erreichen besteht darin, dass auch in einer simulierten Tenniswelt nichts umsonst ist. Begonnen wird mit einem Guthaben von 25000 Cr. Da die Teilnahme an den Turnieren in der Regel mehr kostet, muss erst durch Schaukämpfe etwas dazuverdient werden. Um überhaupt mit den Profis mithalten zu können, ist es ratsam seine Fähigkeiten zu verbessern, indem trainiert wird, was ebenfalls nicht umsonst ist. Dann kann noch die Ausrüstung aufgewertet werden, d.h. im nächsten FILA-Shop wird wieder Geld für bessere Schläger und Kleidung liegen gelassen. Obwohl auch ein Doppel möglich ist, der Partner muss ebenfalls gekauft werden, kann die "Challenge" nur von einem menschlichen Spieler bestritten werden. Das Ende der "Challenge" ist übrigens dann erreicht, wenn der Spieler Platz 1 erreicht hat oder wenn das Geld alle ist. Noch ein Wort zum Training. Wie oben erwähnt, ist es möglich (und ratsam), die Fähigkeiten seines Spielers zu verbessern. Die hier angebotenen Trainingsmöglichkeiten sind optisch sehr gut und abwechslungsreich gelöst. Es stehen Ziel- und Koordinationsübungen zur Verfügung, in denen zum Beispiel ein Quader aus dem Spielfeld geschossen oder wie in Break Out verschiedene Steine abgeräumt werden müssen.

Das Training ist für sich gesehen ein eigenes Spiel und es wäre schön gewesen, wenn dies als solches in "FILA World Tour Tennis" integriert worden wäre. Gerade im Hinblick auf das Erlernen der Steuerung. Die Grafik von "FILA World Tour Tennis" ist gut aber kein Meilenstein in der Konsolengrafik. Neben den sehr gut animierten Spielern bewegt sich außer dem Ball eigentlich nichts weiteres auf dem Bildschirm. Dafür wurden aber die verschiedenen Fantasie-Sportarenen mit viel Liebe zum Detail und dem leichten Hang zum Pompösen gestaltet. Sie sind mit verschiedenen Bodenbeläge (Kunstrasen, Asche, Gras und Hallenboden) ausgestattet. Diese Bodenbeläge haben einen merklichen Einfluss auf das Sprungverhalten des Balles. Der Ball kann übrigens, je nach Güte des Fernsehers oder Dioptrienzahl des Spielers, in verschiedenen Größen dargestellt werden. Ein wirklich überflüssiges Feature sind die Replays nach jedem Ballwechsel. Hier wird nicht der vorherige Spielzug sondern nur die jubelnden oder fluchenden Spieler gezeigt. Ein beherzter Druck auf eine beliebige Taste bricht dieses Trauerspiel glücklicherweise ab. Die Hintergrundmusik hat mit den Replays eins gemeinsam, sie nervt und lässt sich nur komplett abschalten. Bei genauerem Hinhören erinnert sie an die musikalische Untermalung aus der Zeichentrickserie "Captain Future". Der Sound gefällt mir wiederum gut. Es wird gestöhnt, die Schuhe quietschen und hechtet sich ein Spieler nach dem Ball, ist fast das Entstehen der Schürfwunde zu hören.

Der Spielneuling wird zu Beginn keine allzu große Freude an dem Spiel haben, denn die künstlichen Gegner präsentieren sich auch in der leichtesten Stufe immer noch als unfehlbar und der Umgang mit der Steuerung muss erst geübt werden. Im Handbuch wird die Steuerung als "sehr einfach" beschrieben. Auf den ersten Blick ist man versucht dies als Lüge zu beschimpfen aber auf den zweiten Blick und nach mehreren Stunden Übung kann man dem zustimmen. Die wichtigste Taste ist die A-Taste. Mit ihr wird ein Schlag ausgeführt. Vorhand, Rückhand oder Schmetterball ergeben sich aus der Position des Spielers. Die B-Taste ist für einen Lob verantwortlich. Die X- und Y-Tasten sind für Back- oder Topspin verantwortlich und mit den Schaltern links und rechts kann zusätzlich ein Curve gespielt werden. Das Schwierigste ist es den Ball zu platzieren. Dies geschieht mit dem Ministick während des Schlages. Da dieser auch den Spieler lenkt passiert es gerade am Anfang, dass der Spieler unkontrolliert auf dem Spielfeld herumläuft und keinen weiteren Ball erwischt.

Um die Steuerung wirklich zu verstehen, empfiehlt es sich, eine Doppel mit Computerpartner zu spielen. Steht man zu Beginn eigentlich nur überflüssig auf dem Spielfeld herum, da der eigene Partner die ganze Arbeit erledigt, stellen sich nach und nach erste Erfolge ein und das Spiel macht immer mehr Spaß. So richtig von der Konkurrenz kann sich "FILA World Tout Tennis" nicht absetzen. Herauszuheben ist die Tatsache, dass komplette Matches über fünf Sätze gespielt werden können. Tiebreak und Deuce sind natürlich integriert. Die Motivation stellt sich zwar nur langsam ein, ist dann aber ungebrochen. Ein Bug muss auch noch erwähnt werden. Es kann vorkommen, dass der Ball auf dem Netz liegen bleibt. Passiert das, ist das Spiel gelaufen, denn der Ball ist dann bis in alle Ewigkeit unerreichbar. Nichtsdestotrotz macht "FILA World Tout Tennis" Spaß und zwar am meisten, wenn mindestens ein zusätzlicher menschlicher Mitspieler oder Gegner am Bildschirm sitzt. Spielt man zu viert, ist das Spiel nicht zu schlagen und somit "spiellabendtauglich".

Bernhard Prommer