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ATV: Quad Power Racing 2
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Acclaim

Erschienen bei:
Acclaim

Im Gegensatz zu Amerika und anderen Ländern mit Wüsten, großen Sümpfen oder großen Waldgebieten, sowie lockereren Umweltschutzgesetzen, fristet der ATV-Rennsport in Deutschland eher ein Nischendasein. Deshalb will Acclaim mit "ATV: Quad Power Racing 2" uns diesen Sport näher bringen.

ATV bedeutet "All-Terrain Vehicle". Dabei handelt es sich um Ein-Personen-Fahrzeuge mit einer super Federung, gepanzertem Unterboden, breiten Reifen und einem giftigen Motor. Wie der Name vermuten lässt, können sich diese Fahrzeuge in jedem Gelände (außer in tiefem Wasser, was während des Spielverlaufes immer mal wieder deutlich wird) fortbewegen und eignen sich somit hervorragend für eine abwechslungsreiche Rennsimulation. Rennsimulation beschreibt das Spiel eigentlich nicht richtig. Natürlich geht es darum, eine Rennstrecke zu absolvieren und das natürlich als erster. Um aber wirklich gute Ergebnisse, z.B. in einem Karriere-Modus, zu erzielen, müssen zusätzliche Punkte durch sogenannte "Tricks" erlangt werden. Diese Art der Fortbewegung ist eher aus dem BMX- oder Super-Cross - Freestyle bekannt. Gerade diese Tricks stellen eine hohe Anforderung an die Steuerung. Da der Controller nicht individuell eingestellt werden kann, muss eine der drei vorgegeben Konfigurationen genügen. Nach einer kurzen Übungsfase stellt dies in Punkto Fortbewegung kein Problem mehr dar.

Die Tricks sind da schon anspruchsvoller, da sie aus einer Tasten- und Ministick-Kombination bestehen. Aufgrund des logischen Aufbaues ist dies aber zum Glück auch recht schnell erlernbar. Der Fahrspaß, den die Simulation vom ersten Moment an mit sich bringt, ist enorm. Zu Beginn ist das unfallfreie Absolvieren einer Rennstrecke schon ein Erfolgserlebnis, da dies in "ATV: Quad Power Racing 2" kein Spaziergang ist. Nach und nach kommt dann eine gewisse Sicherheit auf und es werden die ersten "Tricks" ausprobiert, was ohne Übung meistens mit einem eindrucksvollen Salto über den Lenker endet. Hier empfiehlt es sich, doch zuerst etwas zu üben. Aus diesem Grund bietet das Spiel eine "ATV-Akademie". Hier werden aber nur ein paar einfache Sprünge erklärt. Um richtig zu trainieren, bietet sich der "Freestyle-Modus" an, in dem ohne Zeitlimit probiert werden kann, was mit einem solchen Fahrzeug in der Luft alles möglich ist. Die Grafik ist sowohl bei den Rennstrecken als auch bei den Fahrern und ATV's sehr gelungen. Die einzelnen Rennstrecken sind abwechslungsreich und vor allem groß. Hier kann zwischen Sanddünen, in Wäldern, in Fabrikanlagen, in Mooren und auf Gletschern das Fahrkönnen unter Beweis gestellt werden. Die unterschiedlichen Untergründe der einzelnen Rennstrecken beeinflussen das Verhalten des ATV merklich. So kommt es z.B. nach einem Sprung über eine Düne vor, dass sich die Forderräder in den Sand eingraben und es geht wertvolle

Zeit verloren. In dem ungünstigsten Fall, kommt es zu einem Sturz. Das mit dem Stürzen ist leider ein Problem. Grundsätzlich wurde die Fahrphysik so umgesetzt, dass nach und nach ein sicherer Umgang mit dem ATV möglich ist. Nur gibt es einige Stellen auf den Rennstrecken, wie z.B. Steine oder Streckenbegrenzungen, bei deren Berührung es grundsätzlich zu einem unfreiwilligen Abstieg vom Gefährt kommt, und das fast unabhängig von der Geschwindigkeit. Das Schadensmodell der verschiedenen Fahrzeuge kann ebenfalls als dürftig bezeichnet werden. Bei einer Kollision entfernt sich bis auf die Kotflügel manchmal nur noch der Fahrer vom ATV. Einfluss auf das Fahrverhalten hat nur das Letztere. Die Animation der Fahrer ist wiederum flüssig und schön anzuschauen. Es ist sogar die Drehung des Kopfes zu erkennen. Dies dient als Hilfe und zeigt die Richtung an, aus die von hinten herannahenden Gegner kommen. Das ist eine wichtige Information, da es bei den Rennen nicht ganz Fair zugeht. Im Gegensatz zu anderen Simulationen aus dem Sportbereich wird hier gedrängelt, blockiert, von der Strecke geschubst und wenn man einen Gegner von seinem ATV kickt, wird man in Form eines zuschaltbaren Turbo belohnt. Dies ist zwar nicht gerade höflich, trägt aber zur Steigerung des Spielspasses ungemein bei. Um die Langzeitmotivation aufrecht zu erhalten, sind auch in dieser Simulation einige Strecken und Fahrzeuge zu Beginn gesperrt und müssen erst freigespielt werden. Zusätzlich bietet "ATV: Quad Power Racing 2" eine Vielzahl an Spielmodi.

Neben dem "Karriere-Modus", in dem es um den Aufstieg in verschiedene Ligen geht, gibt es noch den "Freestyle-Modus", den "Arcade-Modus", "Einzelrennen", die "Herausforderung", das "Zeitrennen", und natürlich den "Multiplayer-Modus" für bis zu vier Spieler. Wer den "Karriere-Modus" gemeistert hat, kann sich sogar seine eigene Meisterschaft bauen, in der es sogar möglich ist, ein eigenes Punktesystem festzulegen. Die Anleitung, sowie das Spiel wurden löblicherweise komplett in das Deutsche übersetzt, obwohl während der Rennen eigentlich nichts gesprochen wird. Der Sound ist glaubwürdig umgesetzt. Neben dem Untergrund unter den Reifen ist hauptsächlich der Motor zu hören. Die Musik ist ein absolutes Highlight. Sie ist hochkarätig und passt optimal zu einer Rennsimulation dieses Genre. Es sind Interpreten wie "Midtown", "Bionoc Jive" oder "Godsmack" vertreten. Mit "ATV: Quad Power Racing 2" hat Acclaim eine durchdachte Rennsimulation auf den Markt gebracht, die nach einer kurzen Übungsphase einfach nur Spaß macht. Durch die Kombination aus Rennen und "Stunt's", sowie der Tatsache, dass es hier nicht immer fair zugeht, hebt sich "ATV: Quad Power Racing 2" von anderen Rennsimulationen ab. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Top-Fahrer des Quad-Power-Racing Sports, wie z.B. Dana Creech, Kory Ellis oder Tim Farr zwar ausgewählt werden können, diese aber mal von den Mitgliedern des "Quad Club Hochtaunus e. V." abgesehen, den meisten Spielern eher unbekannt sein dürften.

Bernhard Prommer