Xbox  
 
Alien versus Predator: Extinction
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Zono

Erschienen bei:
Electronic Arts

Wer bei "Alien versus Predator: Extinction" die Umsetzung des PC-Egoschooters aus dem Jahre 1999 für die Xbox erwartet, täuscht sich gewaltig, denn Electronic Arts hat dieses Spiel auf eine andere Genre-Plattform gehoben. "Alien versus Predator: Extinction" ist ein Echtzeit-Strategiespiel. Die Grundidee bleibt aber erhalten. Wie schon in der "alten" PC-Version kann der Spieler entweder in die Rolle der Colonial Marines, Predators oder Aliens schlüpfen.

Die Präsentation des Spieles ist Electronic Arts gut gelungen. Das Intro ähnelt stark einem Kino-Trailer, wobei ich mir den Film sicher ansehen würde. Die Menüs sind übersichtlich und der animierte Hintergrund passt sehr gut zum Gesamtbild. Ein Blick in das "Options-Menü" zeigt zwei Dinge. Zum Einen, der Controller ist bis auf die letzte Taste belegt und zum Anderen, dass eine individuelle Konfiguration leider nicht möglich ist. Die Steuerung sieht auf den ersten Blick komplizierter aus, als sie wirklich ist. Der Spieler muss sich natürlich einige Zeit mit ihr auseinandersetzen, wird aber schnell feststellen, dass eine gewisse Logik hinter der Belegung steckt. Da die Steuerung für alle drei Spezies, bis auf ein paar spezielle Features gleich ist, hält sich der Lernaufwand in Grenzen. Da die beste Art zu lernen das Ausprobieren ist, hat Electronic Arts ein ausführliches und gut durchdachtes Tutorial spendiert. Hier fällt nun endgültig auf, dass das gesamte Spiel in Englisch und lediglich die Dokumentation auf Deutsch ist.

Da auch keine deutschen Untertitel eingefügt wurden, sind Englischkenntnisse Voraussetzung. Nun kann es aber mit dem eigentlichen Spiel losgehen. Zuerst muss der Spieler sich für eine der drei Spezies entscheiden. Die Marines sind militärisch organisiert und besitzen modernste Hightech-Waffen. Die Predators sind Meister der Tarnung und haben ihre Jagdtechniken perfektioniert. Die Aliens wiederum greifen in Herden an, mit dem Ziel ihre Gegner außer Gefecht zu setzen, um diese dann in biologische Waffen umzuwandeln, nämlich in neue Aliens.

Da es sich bei "Alien versus Predator: Extinction" um ein reines Einzelspieler-Spiel handelt gilt es, verschiedene Missionen zu erfüllen. Hiervon stehen insgesamt 21 zur Verfügung, deren Schwierigkeit und Komplexität kontinuierlich ansteigt. Damit die Motivation erhalten bleibt, müssen die einzelnen Missionen der Reihe nach freigespielt werden. Jede Mission besitzt ein Zeitlimit, das aber glücklicherweise überzogen werden kann, ohne dass sie abgebrochen wird. Zu den primären Zielen kommen dann noch Zusatzaufgaben wie "Töte die Alien-Queen", vorausgesetzt man kann oder will sie finden.

Das Grundprinzip des Spieles ist einfach gehalten und für alle drei Spezies gleich. Nur die Orte des Spielfeldes, die bereits erkundet wurden werden auch sichtbar. Deshalb ist es ratsam, sich vorsichtig, mit guter Deckung und nie alleine fortzubewegen. Die anzuwendende Taktik und Koordination der einzelnen Einheiten um die Missionsziele erfolgreich zu erfüllen verlangt dann schon viel mehr. Dies liegt größtenteils an der Intelligenz, die Electronic Arts den Gegner eingehaucht hat. Auch hier wurden die verschiedenen Eigenschaften der einzelnen Spezies gut umgesetzt. Apropos Eigenschaften, jede Spezies besitzt zehn verschiedene Einheiten mit besonderen Fähigkeiten. Die Mariens haben unter Anderem den Mediziner zum heilen von Verwundeten, den CommTech der Nachschub anfordern kann und Infanterie als Kanonenfutter. Bei den Predators gibt es Brawler als Nahkämpfer, DiscMaster die mit Wurfgeschossen großen Schaden anrichten können oder PredGuns, die autonom alles zerlegen, was in ihre Nähe kommt. Die Familie der Aliens wurden ebenfalls um einige Mitglieder erweitert. Es gibt Runner, die sich extrem schnell fortbewegen, den Praetorian, der säureartiges Blut verspritzt oder die Königin, die für genügend Nachschub sorgt. Es ist also eine sorgfältige Planung und Auswahl der Truppen notwendig, damit eine Mission auch ein gutes Ende nimmt.

Der Spiel-Bildschirm zeigt das eigentliche Geschehen, einige Informationen z.B. über den Zustand der Einheiten oder aktuelle Spezialfähigkeiten und eine Minikarte des gesamten Spielfeldes. Trotz dieser reichhaltigen Informationen ist er nicht überladen und bleibt übersichtlich. Lediglich die Zoomfunktion lässt zu wünschen übrig. Die Perspektive kann nur in drei Stufen geändert werden. Ein stufenloses Zoomen fehlt genauso wie die Möglichkeit, den Kamerawinkel zu ändern. Stehen die Spielfiguren vor einer Bergkette, sind sie manchmal schwer zu sehen. Grafisch kann sich "Alien versus Predator: Extinction" wiederum sehen lassen. Die verschiedenen Landschaften wurden gut umgesetzt und vermitteln eine unheimliche Atmosphäre. Hierzu tragen auch die exzellenten Lichteffekte und die unterschwellige Hintergrundmusik bei. Das Geräusch des Sonars der Marines unterstützt dies in einer solch gelungenen Form, dass ein plötzlich ausbrechendes Gefecht fast schon befreit, da für einen Moment die Spannung genommen wird. Auch bei den anderen Spezies baut sich schnell diese unheilankündigende Stimmung auf.

Die den Spielfiguren wurden mit einer großen Liebe zum Detail umgesetzt, die Animationen sind flüssig und schön anzuschauen. Die einzelnen Einheiten unterscheiden sich nicht nur in ihren Fähigkeiten sondern auch optisch so gut, dass sie schnell und sicher erkannt und ausgewählt werden können.

Ein besonderes Detail liegt in der Notwendigkeit, Zahlungsmittel zu sammeln. Während des Spielverlaufes müssen zwangsläufig neue Mitstreiter angefordert werden, die natürlich nicht umsonst arbeiten. Bei den Marines erhält man die Zahlungsmittel, wenn Atmosphärengeneratoren repariert werden, bei den Aliens wenn Gegner als Wirte umfunktioniert werden und die Predators erhalten sie für Trophäen. Trophäen sind hier die Schädel der Gegner. Es ist eindrucksvoll das Knacken der Wirbelsäule zu hören, wenn der Kopf vom Rumpf getrennt wird. Soviel zum guten Sound. Der Reiz bei "Alien versus Predator: Extinction" macht damals wie heute die Mischung von zwei unterschiedlichen Filmen aus. So erhält man beim Kauf dieses Spieles eigentlich drei verschiedene Spiele, da sich die einzelnen Spezies grundlegend voneinander unterscheiden. Hätte Electronic Arts jetzt noch einen Multiplayer-Modus, ein Systemlink oder Xbox-Live integriert, würde die Langzeitmotivation auch über die 21 Einzelmissionen anhalten.

Bernhard Prommer