Xbox  
 
Circus Maximus: Chariot Wars
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:

Encore

Erschienen bei:
THQ

Ob die Idee zu diesem Spiel nun vom 1959 erschienen Monumentalfilm Ben Hur oder eher vom legendären Wagenrennen in "Asterix als Gladiator" stammt, sei erst einmal noch dahingestellt.

Bei Circus Maximus: Chariot Wars handelt es sich um ein römisches Wagenrennspiel mit Kampf-Action-Einlage. Das Ziel des Spieles ist, wie bei Rennsimulationen üblich, als Erster durch das Ziel zu fahren. Glücklicher Weise hebt sich "Circus Maximus: Chariot Wars" mit seinem Spielprinzip positiv aus dem sonst üblichen Rennspiel-Genre hervor. Dem Spieler steht ein 2 PS-Wagen mit einem Lenker und einem Kämpfer zur Verfügung. Mit dem Wagenlenker wird versucht, das Gefährt auf der Strecke zu halten und der Kämpfer versucht, die Gegner von der Bahn zu hauen. Bevor es aber losgehen kann, wählt der Spieler sein Traumgespann, bestehend aus Streitwagen, Pferd, Kämpfer und Wagenlenker aus. Natürlich bestehen hier individuelle Stärken und Schwächen, die aber erst im höchsten Schwierigkeitsgrad zum Tragen kommen.

Zu Beginn stehen auch noch nicht alle Wagen und Charaktere zur Verfügung. Diese müssen erst noch freigespielt werden. Das Spielen kann entweder im Einzelspieler- oder im Multiplayer-Modus erfolgen, wobei der Multiplayer-Modus besonders herauszuheben ist. Hier haben zwei oder vier Spieler die Möglichkeit, im Team zu kämpfen. Einer lenkt und der Andere knüppelt nieder, was Ihm in den Weg kommt. Das macht wesentlich mehr Spaß, als sich im Einzelspielermodus über die doch recht überladene Steuerung zu ärgern. Für alle, die doch alleine spielen, ist es empfehlenswert, zuerst die antike Fahrschule zu absolvieren. Hier wird der Nachwuchslenker vom legendären(?) Sallus nicht nur Schritt für Schritt an die Eigenschaften der Steuerung herangeführt, sondern auch so richtig beschimpft. So vorbereitet kann man sich entweder an schnelle Einzelrennen oder das Tournament wagen. Das Einzelrennen dient zum schnellen Zeitvertreib und das Tournament oder die Karriere ist ein Spielmodus mit einem Ziel. Man startet als Nobody in Britannien und versucht, durch diverse Rennen an Geld zu gelangen, um sich so hochzuarbeiten und das Finale im Circus Maximus bestreiten zu können. Erst nachdem man eine bestimmte Summe verdient hat, wird eine neues Land freigeschaltet.

Geld erhält man, wenn man einen Gegner besiegt, Power-ups einsammelt oder Fußgänger umfährt (die gute alte Zeit ...). Eine seltsame Eigenheit des Spieles sei noch erwähnt. Egal wie gut oder schlecht man fährt, man ist nie lange alleine. Liegt man vorne, holen die anderen Wagen ziemlich schnell auf und liegt man hinten, beschleicht einen das Gefühl, dass die Anderen auf einen warten. Somit ist klar, dass das Spiel eher auf Prügel als auf geschicktes Fahren ausgelegt ist. Ist die Steuerung nur als kleine Schwäche zu erwähnen, sticht die größte sofort ins Auge, die Grafik, die sich eher auf dem Niveau einer PS2 aufhält. Die Bewegungsabläufe von Kämpfern und Pferden sind durchweg gut animiert, jedoch die Texturen sollten wesentlich höher aufgelöst sein. So musste ich bei der Teamauswahl ziemlich stark an die alten C64-Zeiten denken. Die Strecken sind natürlich wesentlich besser, aber die Framerate ist äußerst mau. Bei einem XBOX-Spiel darf man sicherlich mehr erwarten. Widerum gut gelungen ist der Soundtrack und die Soundeffekte. Die Musikstücke passen atmosphärisch gut zu den jeweiligen Strecken und erinnern an bekannte Monumentalfilme längst vergangener Zeiten. Ebenfalls schön und abwechslungsreich sind die sieben Hauptkurse mit insgesamt 19 Strecken. Diese liegen in Britannien, Zypern, Alexandria und Germanien (wo es kalt wie immer ist), im Circus Nero, quer durch Rom und im Circus Maximus.

So schliddert man zum Beispiel über einen zugefrorenen See oder heizt durch ein schlummerndes Barbarendorf. Jede Strecke verfügt über mehrere Abkürzungen und Power ups. Diese verhelfen dem Spieler beispielsweise zu Wurfwaffen, neuer Gesundheit, Schilde oder einem Turbo. Auf einigen Streckenabschnitten erwarten den Spieler auch kleine Überraschungen wie umstürzende Säulen oder rollende Steine, denen man besser ausweichen sollte. Versäumt der Lenker das Ausweichen oder fährt zu schnell durch eine Kurve oder auf einen gegnerischen Wagen, kommt es zum Unfall. Leider ist das Schadensmodell der Wagen recht dürftig. Entweder es bricht die Radaufhängung, wonach sich das Gespann schlecht steuern lässt oder man hat einen wirtschaftlichen Totalschaden und ist nach ein paar Sekunden wieder auf der Strecke. Kurz gesagt handelt es sich hier um ein sehr gutes und unverbrauchtes Spielprinzip mit hohem Fahrspaß, einem sehr guten Mehrspielerkonzept, einer komplizierten Steuerung und mittelmäßiger Grafik. Jetzt noch was historisches: Der Circus Maximus ("Circus" bedeutet Kreis) war ein Veranstaltungsort in Rom für Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen und Kämpfen mit Löwen. Der Circus Maximus ist der älteste und größte Zirkus Roms mit einer Größe von 600 x 150 m. Anfangs 60 000 Besucher fassend, soll er nach einem Ausbau bis zu 185 000, im 4. Jahrhundert sogar 385.000 Besuchern Platz geboten haben. Die damaligen Rennen waren sieben Runden lang und wurden hauptsächlich mit einem Fahrer und vier oder sechs Pferden ausgetragen. Hier kommen Asterix und Obelix wieder ins Spiel. Sie waren die ersten, die ein Rennen in Teamwork bestritten. Der Kleine lenkte und der Dicke räumte die Gegner von der Strecke. Nur die Motorisierung war besser, denn selbst Cäsar bemängelte: "Zwei Fahrer in einem 4 PS-Wagen, wo gibt's denn so was...".

Bernhard Prommer