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Die Hard: Vendetta
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Bits Studios

Erschienen bei:
Vivendi Universal

Acht Jahre nach dem Kinofilm "Stirb langsam: Jetzt erst recht" bringt Fox Interactive eine Fortsetzung der "Die Hard" -Reihe als Konsolenspiel auf den Markt. Bei "Die Hard: Vendetta" handelt es sich um einen echten Ego-Shooter, der richtig Spaß macht. Da neben dem gekonnten Genickbruch auch Kopfschüsse gezählt werden, ist es nicht verwunderlich, dass das Spiel in Deutschland erst ab 16 Jahren freigegeben wurde. Auch die Sprache nimmt auch kein Blatt vor den Mund. So kann man bei den Features auf der offiziellen Web-Seite unter www.diehardvendetta.com unter anderem "Mature Rated with adult language used" nachlesen, was auch zutrifft.

"Die Hard: Vendetta" ist aber mehr als nur plumpes rumgeballere. Es muss ebenso taktiert werden und einige Rätsel wollen auch gelöst werden. Das Spiel knüpft inhaltlich an den ersten "Die Hard"-Film an, denn der Sohn von Jack Gruber (im Original ist sein Name übrigens Hans Gruber) taucht plötzlich auf und nun wird klar, warum der Titel des Spieles "Blutrache" heißt. Zusätzlich mischt noch ein abgebrochener Schauspieler mit eigener, ziemlich großer und stark bewaffneter Privatarmee mit. John McClane selbst ist deutlich älter geworden. Dies äußert sich aber nur optisch an den grauen Haaren und an der Tatsache, dass seine Tochter jetzt auch im aktiven Polizeidienst ist und während ihres ersten Einsatzes gleich als Geisel genommen wird. Von seiner Schlag- und Feuerkraft hat John McClane absolut nichts verloren.

"Die Hard: Vendetta" beginnt unspektakulär, da auf einen Trailer komplett verzichtet wurde. Dies wird aber in Form von ausführlichen Zwischensequenzen während des Spieles wieder wettgemacht. Das Spiel wartet mit elf ziemlich großen Kapitel bzw. Level und einem Polizei-Training auf. Im Training wird die komplette Steuerung, sowie nötige Aktionen wie das Verhaften von Personen, das Tarnen oder Entschärfen von Bomben ausführlich erklärt. Genau diese Aktionen heben "Die Hard: Vendetta" von anderen Spielen dieses Genre ab. Um einige Missionen erfolgreich abzuschließen müssen nicht nur unzählige Gegner aus dem Weg geräumt werden, es kommt auch vor, dass Geiseln befreit oder bestimmte Personen verhaftet werden müssen, und manchmal ist es auch nötig, ungesehen in einen Laster zu gelangen. Ein Kapitel spielt z.B. im Gefängnis. John McClane wurde verhaftet, da er den Wohnwagen einer bekannten Schauspielerin samt Inhalt demoliert hat. Nun muss er ausbrechen, wobei er aber seine Kollegen nicht in das Jenseits befördern darf.

Hier ist verstecken und taktieren gefragt. Zwei Dinge fallen aber spätestens in diesem Kapitel unangenehm auf, da man hier ziemlich oft das Missionsziel nicht erreicht. Zum einen kann nicht zwischengespeichert werden. Dies ist immer nur am Ende eines Kapitels möglich. Da die Kapitel aber sehr groß sind, sind sie in mehrere Checkpoints unterteilt. Hat man einen dieser Checkpoints erreicht, startet das Spiel wieder an dieser Stelle, wenn John McClane das zeitliche segnet oder ein Missionsziel in den Sand gesetzt wurde. Diese Checkpoints können ebenfalls nicht abgespeichert werden. So ist man mehr oder weniger gezwungen, ein Kapitel fertig zu spielen, was manchmal ziemlich lange dauern kann. Der andere Kritikpunkt bezieht sich auf die Platzierung der Gegner im Spiel. Sie befinden sich nach einem Neustart eines Levels immer an derselben Stelle und bewegen sich immer in dieselbe Richtung. Ihre Anzahl ist ebenfalls konstant. So ist ihre Position spätestens nach dem dritten Neustart eines Levels keine echte Überraschung mehr. Eine Art von Zufallsgenerator hätte hier gut getan. Die Intelligenz der Gegner ist, sobald sie in Aktion treten, wiederum gut. Sie reagieren auf Attacken, gehen in Deckung und weichen den Schüssen gekonnt aus.

Da in "Die Hard: Vendetta" ziemlich viel geschossen wird, ist eine gute Steuerung Grundvoraussetzung, was den Entwicklern auch gelungen ist. Sie ist übersichtlich und schnell beherrschbar, nur die individuelle Konfiguration fehlt leider. Ebenfalls gut gelungen ist die Grafik der Umgebung, sowie der Charaktere und deren Animation. Die einzelnen Szenarien wurden detailreich umgesetzt und erzeugen gekonnt die entsprechende Atmosphäre. So wird eindrucksvoll die Größe des Holmes-Observatorium oder die bedrückende Enge einer U-Bahnröhre wiedergegeben, vor allem, wenn sich hier von hinten ein Zug nähert. Auch die Waffen sind sehr detailgetreu wiedergegeben. Es kann sogar gewählt werden, ob John McClane Rechts- oder Linkshänder ist. Von den kleineren Kalibern können auch zwei Waffen gleichzeitig zum Einsatz kommen, was zwar die Feuerkraft erhöht, den Munitionsverbrauch aber auch. Ein weiterer Nachteil der doppelten Feuerkraft ist die dadurch doch ziemlich eingeschränkte Sicht, da die Waffen eine Menge Platz auf dem Bildschirm einnehmen. Ein weiteres, grafisch und akustisch sehr gut umgesetztes Feature ist die so genannte Heldenzeit, die John McClane durch gute Taten sammelt.

Diese wird einigen aus dem Spiel "Max Payne" bekannt sein. Nachdem sie aktiviert wurde, bewegt sich der Spieler wesentlich schneller als seine Gegner und kann so heikle Situationen besser bewältigen. Wird während dieser Zeit auf einen Gegner geschossen, fallen er und die Patronenhülsen in Zeitlupe zu Boden. Untermalt wird die Szenerie mit Beethovens 'Ode an die Freude'. Vom Inhalt ist dies zwar makaber aber wunderschön anzuschauen. Ansonsten lassen weder der Sound noch die Hintergrundmusik Wünsche offen. Auch die teils ziemlich sarkastischen Sprüche von John McClane, der von der original deutschen Synchronstimme Manfred Lehmann gesprochen wird, tragen ungemein zu der guten Qualität des Spieles bei. "Die Hard: Vendetta" wurde übrigens komplett in das Deutsche übersetzt. Neben dem Story-Modus bietet das Spiel auch einen Multiplayer-Modus, der sich ebenfalls sehen lassen kann. Abgesehen von dem üblichen Splitscreen-Spielen für bis zu vier Personen, kann auch gegen Bots angetreten werden. So kann man sich entweder alleine die Zeit vertreiben oder auch zu mehreren in Teams spielen. Wäre jetzt noch das System-Link oder gar Xbox-Live implementiert worden, könnte der Multiplayer-Modus als fast perfekt bezeichnet werden.

"Die Hard: Vendetta" ist endlich mal wieder ein echter Ego-Shooter mit guter Story und Grafik, sowie gelungenem Sound und viel Wortwitz. Der Charakter von John McClane gibt diesem Spiel das gewisse Etwas, das Freunde dieses Genre mit Sicherheit in ihren Bann ziehen wird.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-4
Dolby® Digital-Unterstützung