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F1 Career Challenge
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
ISI

Erschienen bei:
Electronic Arts

Eigentlich ist es gemein. Da erwirbt Sony die Exklusivrechte der nächsten vier Jahre an der Formel 1 und es werden wohl nur die PlayStation2-Besitzer bedient. Damit die PC-, Gamecube- und vor allem Xbox-Inhaber nicht ganz in die Röhre schauen, hat EASPORTS alle bisher erworbenen Lizenzen zusammengeworfen und "F1 Career Challenge" auf den Markt gebracht.

Somit kann bei "F1 Career Challenge" der ambitionierte Rennfahrer seine Fähigkeiten in den vier offiziell lizenzierten Saisons von 1999 bis 2002 unter beweis stellen und diese kontinuierlich verbessern.

Zuerst das Pflichtprogramm. Bei dem Rennspiel stehen drei Spielmodi zur Verfügung. Das "Schnelle Rennen" ist gut für die Kurzweil, da hier jedes Fahrzeug, jeder Fahrer und jede Strecke aus den letzten vier Jahren gefahren werden kann. EASPORTS hat hier auf das sonst übliche "Freischalten" von Strecken oder Fahrzeugen komplett verzichtet, was ich ihnen sehr zu Gute halte. Ein "Multiplayer"-Modus ist ebenfalls vorhanden. Hier kommt der obligatorische geteilte Bildschirm zum Einsatz. Es können bis zu vier Spieler gegeneinander antreten. Xbox-Live oder ein System-Link ist leider nicht implementiert. Das Herzstück ist aber der Karriere-Modus. Es geht darum, sich vom "Nobody" zum Weltmeister hochzuarbeiten.

Bevor aber der Rennalltag losgeht, hat der Spieler die Möglichkeit, seinen eigenen Fahrer zu erstellen. Dies beschränkt sich aber auf den Namen, ein Kürzel, sowie einigen Körper- und Helm-Designs. Ist dieser Schritt geschafft, geht's immer noch nicht los, denn ohne die "Superlizenz" kommt kein Fahrer auf die Rennstrecke. Um diese zu erlangen müssen einige Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden. Genau betrachtet versteckt sich hier ein Trainings-Modus. In Schrift, Animation und Ton, das Spiel ist löblicherweise komplett in das Deutsche übersetzt, werden die Grundzüge des Kurvenfahren, Bremsen und sogar des Boxenstopps erklärt und müssen dann in einer vorgegebenen Zeit korrekt gemeistert werden. Nur die Sprachausgabe fängt ab dem zwanzigsten Fehlversuch an zu nerven, da sie sich inhaltlich nicht ändert. Als frischgebackener Superlizenz-Inhaber hat man es geschafft. Einige Rennställe bekunden ihr Interesse und man kann hiervon einen auswählen. Ab sofort trägt der Spieler die Farben des entsprechenden Teams, die wiederum der jeweiligen Saison entsprechen. Ist man als Fahrer gut, stehen natürlich weitere Transfers an und es kann sein, dass sogar Ferrari an die Tür klopft. Zuvor geht aber der harte Rennalltag los. In einem Testszenario geht es darum, den Wagen zu verbessern.

Leider bekam ich öfters den Druck, der auf einem Rennfahrer lastet zu spüren, da meine Runden zu langsam waren und die Daten nicht ausreichten, um den Wagen zu verbessern. Dieser "Erfolgsdruck" setzt sich auch in den Rennwochenenden fort. So wurde im ersten Rennen z.B. mindestens ein 17ter Platz erwartet. Wer das nicht schafft, muss das nächste Mal noch besser werden. Endlich ist es einigermaßen nachvollziehbar, wie sich HH Frentzen manchmal fühlen muss.

Das Fahren als solches ist auf dem guten Niveau, das von EASPORTS bekannt ist und auch erwartet werden kann. Der Wagen reagiert direkt auf die Lenk- Bremsbefehle und das Beschleunigen sollte auch gefühlvoll vonstatten gehen, da die Startautomatik erst ab 2001 wieder zugelassen wurde. Gerade in den Kurven wird schnell klar, dass hier ein F1-Bolide und kein Kleinwagen bewegt wird. So sind zu Beginn, vor allem für den ungeübten Rennfahrer, Ausflüge in das Kiesbett nicht vermeidbar. Die Steuerung ist aber schnell erlernbar und erste Erfolgserlebnisse lassen nicht lange auf sich warten. Die Belegung des Kontrollers ist übersichtlich gehalten, logisch aufgebaut und einfach zu bedienen. Nur die Möglichkeit der individuellen Konfiguration fehlt leider. Optional kann auch ein Lenkrad-Kontroller angeschlossen werden (Thrustmaster 360 Modena). Mit der Konfiguration hapert es auch an anderer Stelle. Beim "Schnellen Rennen" kann von der Rundenzahl über die Art des Getriebes bis hin zu den FIA-Regeln so ziemlich alles eingestellt werden. Im Karriere-Modus bin ich im Moment noch auf der Suche nach dieser Möglichkeit. So ist besitzt der Wagen nur ein Automatik-Getriebe, das Schadensmodell ist ziemlich eingeschränkt und es können nur acht Runden gefahren werden. Da macht dann eine ausgeklügelte Boxenstopp-Strategie nicht wirklich Sinn.

Eine weitere Kleinigkeit vermisse ich ebenfalls, die Einführungsrunde. Sie ist zwar nicht grundlegend wichtig, es sollte aber den Fahrern nicht die Möglichkeit genommen werden, ihr Fahrzeug schon vor dem Start zu Schrott zu fahren (siehe Pedro de la Rosa in Monaco 2000). Zudem gehört dieses Prozedere einfach zu einem Formel Eins Rennen dazu. Wie oben schon erwähnt, das Spiel ist auf das eigentliche Fahren ausgelegt. Dies schlägt sich dann auch in der Grafik nieder. Die Boliden sehen sehr gut aus. Sie wurden mit einer großen Liebe zum Detail ausgearbeitet. Auch die Strecken wurden perfekt umgesetzt. Da EASPORTS die Lizenzen besitzt, sind auch sämtliche Streckenänderungen der letzten vier Jahren eingearbeitet. An Publikum mit der entsprechenden Geräuschkulisse wurde ebenfalls gedacht. Nur die Grafiken und Animationen der raren Zwischensequenzen hätten ein bisschen besser ausgearbeitete werden können.

Der Sound passt wiederum perfekt. Die Motoren hören sich so giftig an, wie sie es auch sind. Selbst der Geschwindigkeitsüberschuss eines von hinten herannahenden Gegners kann durch die Geräuschkulisse genau abgeschätzt werden. Ausflüge in das Kiesbett oder auf den Rasen werden akustisch und durch die "Vibrier-Funktion" des Kontrollers ebenfalls einwandfrei wiedergegeben. Für eine authentische Atmosphäre ist also gesorgt. Ein ebenfalls hervorzuhebendes optisches Highlight ist das "Windschattenfahren". Ab einer gewissen Geschwindigkeit sind an den Heckflügeln der Fahrzeuge Kondensstreifen zu erkennen. Diese zeigen den Korridor des Windschattens an. Schafft man es hier hinein zufahren, wird das F1-Geschoss spürbar schneller und mit ein bisschen Übung können so Überholvorgänge eingeleitet werden.

Damit das Überholen aber auch Spaß macht, müssen die Gegner eine gewisse Intelligenz besitzen. Diese ist nur im "Schnellen Rennen" einstellbar. Im leichtesten Schwierigkeitsgrad verhalten sich die Fahrer jedoch noch schlimmer als die "jungen Wilden" der F3000. Keine Minute, in der es nicht zu einem Dreher oder Unfall kommt. In den höheren Schwierigkeitsstufen kommt ihr Können dem von richtigen Rennfahrern gleich. Das Überholen machen sie einem nicht leicht, da die berühmte "Kampflinie" auch schon mal zum Einsatz kommt. Hier ist die Herausforderung am größten und es stellt sich automatisch ein gutes Gefühl ein, wenn man es schafft, mit einem Benetton einen Ferrari zu überholen. Im "Karriere-Modus" ist der Schwierigkeitsgrad vorgegeben, aber auf einem ausgewogenen Niveau.

Die Spielmotivation ist bei "F1 Career Challenge" eigentlich durch den Karriere-Modus gegeben. Als Sicherheit wurde zusätzlich ein "Kredit-System" eingebaut. Durch gewisse Aktionen auf der Rennstrecke füllt sich ein Punkte-Konto. Diese Punkte können dann gegen diverse Extras wieder eingetauscht werden. Dies reicht vom Motor-Upgrade über bessere Bremsen bis hin zum Boxenluder. Jetzt ist mir endlich klar, warum die guten Teams immer die meisten Frauen in der Garage haben.

Alles in Allem handelt es sich bei "F1 Career Challenge" um ein gutes Rennspiel, das den Schwerpunkt auf das Fahren legt. Durch die Tatsache, dass das Spiel vier Saisons beinhaltet, ist ein langer Fahrspaß garantiert. Wer nicht unbedingt Wert auf die neusten Rennwagen und Regeländerungen legt, ist mit "F1 Career Challenge" bestens bedient.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-4
Rad