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Fight Night 2004
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
EA Sports

Erschienen bei:
Electronic Arts

Meine bisherige Erfahrung bei Kampfsportspielen beschränkte sich bis vor kurzem noch ausschließlich auf Karateklopper mit Vollkontaktelementen, da ich dachte, das eine Kampfsportart, bei der die Beine und Ellenbogen nicht benutzt werden dürfen zwangsläufig langweilig sein muss. Hier hat mich EA Sports mit dem Titel "Fight Night 2004" eines besseren belehrt.

Die sehr gut durchdachte Boxsimulation, die durch ihre gute Grafik, Sound und eine neuartige Steuerung besticht, fesselt den Spieler geradezu an den Fernseher, da neben dem gefühlvollen zuschlagen auch die Taktik eine große Rolle spielt.
Das Spielprinzip ist einfach. Wer seinen Gegner auf die Bretter schickt, hat gewonnen. Soweit die Theorie. Dummerweise verstehen die Gegner ihr Handwerk und sie wehren sich so gut, dass bis sich die ersten Erfolge einstellen, zuerst ein bisschen trainiert werden muss. Glücklicherweise hat EA Sports einen guten Trainingsmodus eingebaut, der dem Spieler vor dem Bildschirm die Steuerung näher bringt und dem Boxer im Fernseher hilft, seine Fähigkeiten zu verbessern. Dies ist auch deshalb wichtig, da man sich im Karrieremodus von dem unteren Ende der Tabelle nach oben boxen muss. Mit jedem gewonnenen Kampf steigt das Ansehen und die Austragungsorte, sowie die Siegesprämien werden immer größer. Die Gegner werden aber auch immer anspruchsvoller.

Dass bei einem Sportspiel aus dem Hause EA Sports die Grafik stimmt, versteht sich mittlerweile fast von selbst. Die Boxer sind sehr gut modelliert und bei Großaufnahmen sind die bekannten Größen wie z.B. Roy Jones Jr., Shane Moseley, Lennox Lewis oder auch Ali, Frazier und Sugar Ray Leonard einwandfrei wieder zu erkennen. Auch ein Schadensmodell wurde eingebaut. So kann im Verlauf des Kampfes eindrucksvoll beobachtet werden, wie sich das Gesicht des Boxers immer mehr zu Hackfleisch verwandelt, leider ist es meistens das des Eigenen. Bei gut platzierten Treffern sieht man auch noch eine Schweißgischt oder sogar eine Blutfontäne aufspritzen. Die Blutfontäne zeigt sich bei wirkungsvollen Treffern und schickt den Gegner manchmal zu Boden. Die Animation der Niederschläge ist grafisch ebenfalls sehr gut umgesetzt und ich konnte fast noch keine sich wiederholende Animation beobachten. Wie viele unterschiedliche "Niederschlag-Szenarien" EA Sports hier eingebaut hat ist auch nach mehreren Stunden Boxkampf nicht abzuschätzen. Bei den Austragungsorten wurde ebenfalls nicht gespart. Egal ob es sich um ein kleines Boxstudio oder die Arena im Caesars Palace handelt, die detailreiche Grafik sowie der stimmig ausgewählte Sound vermitteln immer die richtige Atmosphäre. Dies liegt nicht zuletzt auch am Publikum, welches komplett animiert ist und prompt auf das Geschehen im Ring reagiert. Bei guten Aktionen flackern Blitzlichter und es gibt Applaus, bei unfairen Schlägen (die ebenfalls möglich sind) wird gepfiffen und der Boxer ausgebuht. Zu dieser brodelnden Atmosphäre donnert dann noch gepflegter Rap z.B. von Puff Daddy, Stat Quo oder M.O.P. aus den Boxen.

Für die persönliche Note wurde bei "Fight Night 2004" ebenfalls gesorgt. Im Karriere-Modus kann entweder einer der verfügbaren Boxer ausgewählt oder ein Eigener erstellt werden. Hierzu steht ein mächtiges Programm zur Verfügung, mit dem sämtliche Details des Gesichtes und des Körpers eingestellt werden können. Dies reicht von der Kinnlänge über die Dichtes der Augenbrauen bis hin zum Oberarmumfang. Mit der entsprechenden Muse ist es somit möglich, sein Ebenbild in den Ring zu schicken. Dieses Programm kam auch schon bei der Tiger Woods PGA Tour 2004 zum Einsatz und es lässt jeden Phantombildzeichner alt aussehen.
Das in meinen Augen absolutes Highlight ist bei "Fight Night 2004" jedoch die Steuerung. EA Sports preist diese als "Total Punch Control" an. Für sämtliche Schläge wird nur ein Analog-Stick benötigt. Sechs Bewegungen reichen für sämtliche Schläge aus. In Kombination mit dem rechten Schalter können dann die Schläge des Gegners geblockt werden. Somit fällt das lästige erlernen von unendlich langen Tastenkombinationen weg. Die Steuerung des Boxers ist intuitiv und geht dem Spieler rasend schnell in Fleisch und Blut über. Nur das bei Boxern so beliebte "Klammern" wurde von EA Sports nicht eingebaut. Wer sich mit anderen "echten" Personen messen möchte, kann nur auf den Multiplayer-Modus zurückgreifen, da Xbox-Live leider nicht implementiert wurde. Wie schon erwähnt, sind die Gegner dank einer guten KI auch wirklich Gegner und keine Opfer und um die Sache auch wirklich interessant zu gestalten, arbeiten sie auch mit unterschiedlichen Taktiken. Ein Boxer hat sich auf Körpertreffer spezialisiert, ein anderer hat es eher auf den Kopf abgesehen oder man wird durch permanentes Ausweichen mürbe gemacht. Im Laufe der Zeit ist hier sehr gut zu beobachten, wie der Boxer langsam müde wird und man kann richtig nachfühlen, wie die Arme immer schwerer werden. Aus diesem Grund ist eine gute Taktik nötig. Einfaches draufschlagen führt so gut wie nie zum Erfolg, zumal die Gegner auch sehr viel einstecken können. Damit der gegnerische Boxer endlich liegen bleibt, muss er teilweise vier- bis fünfmal auf die Bretter geschickt werden. Wurde man selbst umgehauen, sieht man den Ringrichter gleich dreimal. Um sich zu erholen und den Kampf wieder fortsetzen zu können, müssen die drei Bilder mit den beiden Analog-Sticks deckungsgleich übereinander gelegt werden, was bei mehrmaliger Wiederholung aber immer schwieriger wird. Dank verschiedener auswählbarer Schwierigkeitsgrade stellen sich aber auch bei einem Neuling nach einiger Zeit Erfolge ein, obwohl das Spiel auch auf der leichtesten Stufe noch anspruchsvoll ist. Somit bleibt die Motivation über lange Strecken erhalten.

"Fight Night 2004" ist sicherlich eine Bereicherung auf dem Markt der Sportspiele. Die neuartige Steuerung ist ebenso gut gelungen, wie die Grafik. Aufgrund der Intelligenz, die EA Sports den Gegnern eingehaucht hat, wird bei "Fight Night 2004" Wert auf eine gute Taktik gelegt. Dennoch eignet sich das Spiel auch dafür gut, wenn man einfach mal so richtig draufhauen will.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Dolby® Digital-Unterstützung