Xbox  
 
Jurassic Park: Operation Genesis
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Blue Tongue

Erschienen bei:
Vivendi Universal

Schon auf dem Commodore c64 konnte ein römisches Reich aufgebaut werden. Danach folgten diverse Städte-Simulationen, eine Achterbahn- sowie eine Eisenbahn-Simulation. Gegen "Jurassic Park: Operation Genesis", einer Themenpark-Simulation, hören sich diese Simulationen jedoch recht unspektakulär an. Schon das Thema des Spieles "DREAM IT. BUILD IT. SURVIVE IT." (Träume es. Errichte es. Überlebe es.) lässt ahnen, dass es nicht einfach werden wird, lebende Dinosaurier auf einer Insel einem zahlungskräftigen Publikum vorzustellen und dann auch noch für deren Sicherheit zu sorgen.

In "Jurassic Park: Operation Genesis" hat der Spieler die Aufgabe, einen Dino-Freizeitpark von Grund auf aufzubauen, zu verwalten und am Leben zu erhalten. Zum Letzteren gehört auch Forschungsarbeit wie das Entwickeln von Impfstoffen und das Beschaffen von genetischem Nachschub, entweder durch eigene Ausgrabungen oder durch Handel. Die begrenzende Komponente ist hierbei (wie im echten Leben) das Geld. Zu Beginn stehen eine begrenzte Geldmenge und eine leere Insel zur Verfügung. Die Form der Insel, sowie die geologischen Gegebenheiten können hier noch modifiziert werden. Dann geht es los. Es muss eine sinnvolle Infrastruktur mit Wegen, Aussichtspunkten und Imbissbuden angelegt werden. Wer hier Mülleimer oder gar Toiletten vergisst, wird sich später mit unzufriedenen Besuchern auseinander setzen müssen.

Dann sind noch Sicherheitseinrichtungen wie Zäune und Rangerstationen wichtig und die Dinos dürfen natürlich auch nicht fehlen. Sie werden in Brutstationen gezüchtet, die ebenfalls sinnvoll auf der Insel platziert werden sollten. Ist ein gewisser Grundstock gelegt, können schon die ersten Besucher auf die Insel losgelassen werden, da sie das nötige Finanzkapital in die Kassen des Betreibers bringen. Von nun an geht es darum, den Park Stück für Stück auszubauen. Je komplexer die Szenerie jedoch wird, um so mehr häufen sich die Probleme. So brechen manchmal Krankheiten aus, die mit eigens entwickelten Impfstoffen bekämpft werden müssen. Da auch bei diesem Park die Besucherzahlen stark von den Attraktionen abhängen, müssen natürlich die gefährlichen Fleischfresser wie der Tyrannosaurus her. Diese haben aber die Angewohnheit, ab und zu mal Amok zu laufen. In diesem Fall bietet die Simulation auch einen "Action-Modus". Mit einem Helikopter können die Dinos wieder in ihre Gehege getrieben oder mit Betäubungspfeilen "beruhigt" werden. Das Spiel bietet hier sogar eine gewisse Realitätsnähe, da es auch vorkommen kann, dass ein leidendes Tier erschossen werden muss.

Wer nun denkt, dass war schon alles, irrt sich. Die Simulation bietet noch viel mehr. Es gibt noch Fotosafaris, bei denen der Spieler die Fahrzeuge lenken kann und bei einem Notfall auch lenken muss. Dann stehen noch Ballonfahrten und weitere Attraktionen zur Verfügung. Nebenbei muss aber immer die Sicherheit im Auge behalten werden. Hier empfiehlt es sich, an wichtigen Punkten Kameras zu installieren, Zäune zu verstärken oder Wachtürme zu errichten. Damit es auch auf keinem Fall langweilig wird, toben in unregelmäßigen Abständen Stürme über der Insel, die dann Gebäude oder noch unangenehmer, Zäune beschädigen können. Diese Schäden sollten schnellstmöglich behoben werden. Damit die Aufgaben auch zu bewältigen sind, steht dem Spieler ein Team zur Seite, dass auf Missstände oder neue Erkenntnisse aufmerksam macht. Entscheidungen muss man aber selbst treffen. Eins steht bei "Jurassic Park: Operation Genesis" fest. Langeweile kommt nicht auf. Eine extrem wichtige Komponente bei einer solchen Simulation ist die Grafik und die kann sich sehen lassen. Die Landschaft und die Gebäude, sowie die Dinosaurier wurden mit einer sehr großen Liebe zum Detail umgesetzt. Die Dinos können schon aus der Ferne gut unterschieden werden und in der Nähe sehen sie einfach beeindruckend aus. Daneben wurde auch bei den Wasser- und Lichteffekte nicht gespart. Zieht z.B. ein Sturm über die Insel, taucht die ganze Szenerie in eine gespenstige Atmosphäre.

Ebenfalls graphisch sehr gut umgesetzt sind kleine Denkblasen über den Köpfen der Dinosaurier und Besucher. Sie dienen als eine Art "Statusanzeige", mit der der augenblickliche Zustand der Tiere vor und hinter den Zäunen abgelesen werden kann. Dazu gehören bei den Dinos Dinge wie Hunger, Durst, Stress oder Zufriedenheit. Bei den Besuchern kommt hier noch ein Toilettensymbol hinzu. Sollte dies bei zu vielen Personen auftauchen, hat man doch die Toiletten vergessen. Die Steuerung wurde ebenfalls gut umgesetzt. Sie kann zwar nicht konfiguriert werden, das ist aber wegen des logischen und leicht zu überschauenden Aufbaues auch nicht nötig. Der Spieler schwebt über der Insel und kann sich heran- oder wegzoomen. Die komplette Insel ist aber so nicht überschaubar. Zu diesem Zweck steht dann eine Übersichtskarte zur Verfügung. Neben der eigentlichen Simulation bietet das Spiel noch ein Missions-Modus und ein Tutorial. Die Missionen eher für die Kurzweil. Hier müssen Aufgaben vom Fotografieren von Dinos bis hin zu einer Rettungsaktion gelöst werden. Einmal durchgespielt, verlieren sie aber schnell ihren Reiz.

Das Tutorial reicht von einer Einführung in die Steuerung bis zur Parkverwaltung. Hierbei fällt negativ auf, dass die Ziele der Übungen nur als Text zur Verfügung stehen und nicht vorgelesen werden. Das ist zwar nicht unbedingt nötig, da das Spiel komplett in das Deutsche übersetzt wurde, es ist aber bei Spielen dieser Kampfklasse normalerweise üblich. Der Sound ist wiederum gelungen. Neben dem Dino-Geschrei sind bei den größeren Exemplaren auch die Schritte recht gut zu hören und am Controller auch zu spüren. Die Hintergrundmusik ist pompös und passt sehr gut zu dem Spiel.

Bei "Jurassic Park: Operation Genesis" handelt es sich um eine gute Simulation, die durch ihre hervorragende Grafik besticht. Die Anforderungen an den Spieler sind vielfältig, bleiben aber noch überschaubar und vor allem lösbar. Schon nach kurzer Zeit taucht man komplett in diese Welt ab, grübelt über die optimale Platzierung einer Souvenirbude nach und verliert dabei das Zeitgefühl. Mit "Jurassic Park: Operation Genesis" sind lange Spielabende nicht nur für Dino-Fans garantiert.

Bernhard Prommer