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MEDAL OF HONOR: FRONTLINE
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Electronic Arts

Erschienen bei:
Electronic Arts

Mit dem Ego-Shoter "Medal of Honor: Frontline" folgt "EA GAMES" dem Trend, dass sich Kriegssimulationen zur Zeit einer sehr großen Beliebtheit erfreuen.

Bei "Medal of Honor: Frontline" schlüpft der Spieler in die Rolle von Lt. Jimmy Patterson, der sich natürlich nur hinter den feindlichen Linien so richtig wohl fühlt. Seine Mission besteht darin, einen wichtigen Teil zum Beenden des zweiten Weltkrieges beizutragen. Dem Spiel und vor allem den Zwischensequenzen, die realistische Filme aus dem zweiten Weltkrieg enthalten, ist seine amerikanische Herkunft extrem anzumerken. So besteht das Intro aus einer Rede von D. D. Eisenhower und endet mit "Alles andere als ein Sieg währe für uns eine Niederlage.", was ziemlich an die alten amerikanischen Kriegsfilme erinnert und ziemlich heroisch rüberkommt. So motiviert stürzt man sich nun in die erste Mission (D-Day, Landung in der Normandie) und wird angenehm überrascht. Nachdem ausgerechnet das Landungsboot, auf dem man sich befindet getroffen wird und untergeht, man es trotzdem an den Strand geschafft hat, beginnen die Probleme.

Obwohl die Befehle aus dem Briefing eindeutig sind, verlor ich komplett die Orientierung. Überall schlagen Granaten ein, vom Kugelhagel sprechen wir erst gar nicht. Der Controller befindet sich in "Dauervibration", andere Soldaten (die anscheinend wissen, wo sie hinmüssen) stürmen, schießen, werden getroffen und teilweise ärztlich versorgt oder sterben. Mit so einem komplexen Szenario habe ich beim besten Willen nicht gerechnet. Die weiteren der insgesamt 19 Level sind ebenfalls sehr gut, abwechslungsreich und vor allem groß geraten. Durch die hervorragende Grafik sowie der passenden Begleitmusik wird eine unheimliche und teilweise fast beängstigende Atmosphäre aufgebaut. Da die Sterberate ebenso groß wie die einzelnen Level ist, wäre es hier sinnvoll gewesen, die Möglichkeit den Spielstand auch während eines Levels abzuspeichern einzubauen. So muss bei Verlust des Lebens wieder von Vorne begonnen werden.

Der Aufbau der Level ist linear. Es gibt immer nur einen vorgeschriebenen Weg um an das Ziel zu gelangen, bzw. zur Missionserfüllung. Ein großer Vorteil ist aber der, dass feindliche Soldaten nicht aus dem Nichts auftauchen. Hier wurde endlich realistisch gearbeitet. Ein weiteres Highlight sind die Scharfschützen (die des Feindes). Sie sind extrem schwer zu erkennen, treffen dummerweise gut und steigern somit den Schwierigkeitsgrad des Spieles, aber im positiven Sinn. Zum Glück gibt es keine zeitliche Begrenzung und es ist möglich, aus einer sicheren Deckung heraus das Gelände zu observieren, bis auch der letzte Gegner ausfindig gemacht wurde. Da neben Pistolen, Granaten und Panzerknackern auch ein Scharfschützengewehr zum eigenen Waffeninventar gehört, wird man in manchen Level selbst zum Scharfschützen und ist für die Gegenseite ebenfalls fast unsichtbar. Die Intelligenz der Gegner ist durchwachsen. Teilweise reagieren die Spieler der anderen Seite sehr gut, indem sie beim Laufen Harken schlagen und die Deckung des Geländes nutzen, dann wiederum warten sie aber ungedeckt wie auf der Schlachtbank, bis sie in das digitale Jenseits befördert werden. Einen "Pazifisten-Bonus" gibt es nicht. Wird der Gegner verschont, ist er nicht dankbar sondern versucht unerlässlich den Spieler um die Ecke zu bringen. Die Steuerung ist übersichtlich und gut gelöst. Sie macht das Spiel spielbar. Es besteht zwar die Möglichkeit, den Controller komplett zu konfigurieren, was aber meistens nicht nötig sein wird, da die vorgegebenen Konfigurationen sehr gut durchdacht sind. Nur das Zielen macht zuweilen etwas Schwierigkeiten.

Es gibt zwei Möglichkeiten seine Waffe abzufeuern. Entweder in einen "Ziel-Modus", in dem dann auch der Zoom bestimmter Waffen eingestellt werden kann oder einfach nur so. Wird ohne zu zielen geschossen, kann sich der Spieler zwar bewegen um feindlichen Kugeln auszuweichen, trifft aber so gut wie nix. Im "Ziel-Modus" sind die Treffer wesentlich genauer, aber die Bewegung ist auf je einen Schritt zur Seite eingeschränkt. Zudem ist die Drehgeschwindigkeit so langsam, dass es meistens nicht möglich ist, bewegten Objekten zu folgen (die hauptsächlich aus schießenden feindlichen Soldaten bestehen). Ein nettes und vor allem hilfreiches Gimmick ist die Tatsache, dass die Gegner manchmal Ladehemmungen haben und deshalb nicht schießen, dafür aber in gepflegtem bayrischen Dialekt fluchen. Die Sprachausgabe, die wie das komplette Spiel in deutsch ist, ist während der Gefechte äußerst hilfreich. Die Gegner sind durch ihre Kommentare gut zu lokalisieren und geben auch Hinweise, ob man sich gerade in ihrem Schussfeld befindet oder nicht. In der amerikanischen Originalversion ist die Sprachausgabe der Deutschen übrigens ebenfalls in deutsch. Hier wird als Tipp angegeben, die Untertitel einzuschalten, damit verstanden wird, was sie sagen. Wer unbedingt mogeln möchte, kann dies sogar über das Options-Menü tun. Unter "Passworte" müssen auf einer Enigma Codes eingegeben werden, die dann verschiedene Features freigeben. Die Codes sind im Internet zu finden, machen dem Spiel meiner Meinung nach aber eher den Reiz, als dass sie helfen.

Eine andere Hilfe ist hier schon sinnvoller. Vor jeder Mission bekommt Patterson gesagt was er zu tun hat, mit wem er sich treffen soll und was von ihm verlangt wird. Teilweise ist aber die Wunschliste seiner Vorgesetzten so lang, dass es sich mehr nach dem Vorlesen eines Einkaufszettels als nach einem Briefing anhört. Da es schwer ist sich alles zu merken, besteht die Möglichkeit während des Spieles neben den Missionszielen auch Tipps aufzurufen. Diese tragen dann zum Gelingen einer Mission bei, wenn man so wie ich mal wieder nicht verstanden hat, was eigentlich alles erledigt werden muss. Dass zu einem Spiel dieses Genre auch ein Multiplayer-Modus, in dem bis zu vier Personen gegeneinander oder im Team antreten können, gehört, ist eigentlich schon obligatorisch und natürlich in "Medal of Honor: Frontline" integriert.

Es versteht sich von selbst, dass so ein Spiel für Kriegsgegner nicht empfohlen werden kann. Alle Anderen werden damit aber ihre Freude haben. Gerade durch die großen und abwechslungsreichen Level, die flüssigen Animationen, die sehr gute und detailreiche Grafik sowie dem fairen und logischen Spielverlauf, ist ein lang anhaltender Spielspass garantiert.

Bernhard Prommer