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The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
Starbreeze Studios

Erschienen bei:
Vivendi Universal Games

Jedes Mal, wenn ich Richard B. Riddick sehe, ist er irgendwie in Gefangenschaft. Nur dieses Mal liegt es an mir, das zu ändern. Das Spiel "The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay" basiert auf dem Kino-Film "Riddick: Chroniken eines Kriegers", der wiederum auf dem Überraschungserfolg "Pitch Black" aus dem Jahre 2000 aufsetzt. Die Geschichte ist einfach, Vin Diesel alias Richard B. Riddick wird in das Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay eingeliefert, will dort aber nicht unbedingt bleiben.

Erfahrungsgemäß gilt, je einfacher sich die Hintergrundstory anhört, umso schwieriger und anspruchsvoller ist das Spiel selbst. Wer hier eine geradlinige Story nach dem Schema "Augen zu und Weg freischießen" erwartet, wird schon durch das Tutorial angenehm überrascht. Im ersten Level wird dem ambitionierten Ausbrecher die einfache und gut durchdachte Steuerung näher gebracht, in dem er tatsächlich aus Butcher Bay flieht. In dem Moment, in dem der Gedanke "jetzt bin ich frei und es war ganz einfach" aufkommt, wacht Riddick wieder auf, denn alles war nur ein Traum. Nun fangen die Probleme erst richtig an und das Spiel zeigt seinen wahren Umfang. Diesmal richtig im Gefängnis angekommen, muss Riddick sich durch den harten Knastalltag schlagen. Dabei ist es ist nötig Informationen von den anderen Häftlingen zu bekommen. Diese fordern aber meistens eine Gegenleistung, die sich vom Besorgen von Gegenständen bis hin zum Töten von Mitgefangenen erstreckt. Hieran ist leicht zu erkennen, warum das Spiel in Deutschland keine Jugendfreigabe bekommen hat. Meiner Meinung nach ist das auch gut so, denn es wurde nichts zensiert. Das Blut ist rot, die Sprache ziemlich brutal und Riddick beherrscht unter Anderem den gekonnten Genickbruch. Je mehr man sich mit den Mitgefangenen auseinander setzt und von den kleineren Missionen erfüllt, umso weiter schreitet der Spielverlauf fort. Irgendwann schafft man es dann auch in die "Grube", in der ziemlich kaputte Kreaturen hausen (Doom lässt grüßen) und der Schwierigkeitsgrad steigt immer weiter an. Das mit der Schwierigkeit haben die Entwickler von " Starbreeze Studios" sehr gut gelöst. Das Spiel fängt recht einfach an und wird kontinuierlich schwerer. Zum einen werden die Aufgaben immer kniffliger, zum anderen zeigen die Gegner immer mehr Intelligenz. Insgesamt gibt es drei wählbare Schwierigkeitsstufen, wobei es schon die einfachste in sich hat.

Um im harten Knastalltag zu überleben und die Aufgaben lösen zu können, wurde Riddick mit einer Vielzahl von Fähigkeiten ausgestattet. Er kann schleichen, springen, beherrscht den Faustkampf, kann klettern und ab einer Schlüsselszene im Spielverlauf kann er endlich auch im Dunkeln sehen. Besonders gut ist der Tarn-Modus gelungen. Immer dann, wenn Riddick schleicht und dabei für Andere nicht sichtbar ist, sieht er die Umgebung in einem beruhigenden blau. In dem Moment, in dem er seine Deckung verläst, wird alles wieder bunt und die Probleme fangen an. Die meiste Zeit wird Richard aus der Ego-Shooter-Perspektive gesteuert. Nur bei Klettereinlagen wechselt die Sicht in den "third-person-mode". Egal wie die Welt gesehen wird, die Animationen und vor allem die Grafik sind unglaublich gut gelungen. Jeder Schritt vermittelt ein realistisches Gefühl des Gehens und sogar bei dem Seitwärtsschritt wackelt der Bildschirm. Die Grafik scheint alle Möglichkeiten der Xbox auszunutzen und würde sogar einem aktuellen Multimedia-PC seine Grenzen aufzeigen. Die verschiedenen Umgebungen sehen exzellent aus und wurden mit viel Liebe zum Detail angefertigt. Zwar spielt sich die Handlung ausschließlich im Inneren von Butcher Bay ab, aber Langeweile kommt nie auf. Die verschiedenen Areale sind sehr groß und abwechslungsreich. Mal befindet man sich in einem Gefängniskomplex mit vielen Innenhöfen, dann wieder in einer Miene oder im Hochsicherheitstrakt. Dieses hohe grafische Niveau wurde auch bei allen anderen Personen in dem Spiel durchgehalten. Dies ist zum Lösen der verschiedenen Aufgaben aber auch nötig, da die einzelnen Personen wieder erkannt werden müssen, um ihnen zum Beispiel die geforderten Gegenstände zu geben oder sie zum Kampf herauszufordern bzw. zu beseitigen.
Da Riddick zu Beginn keine Waffen besitzt, was in einem Gefängnis ja auch anzunehmen ist, kämpft er anfangs nur mit seinen Fäusten. Es sind verschiedenen Schläge sowie das Blocken möglich. Nach und nach rüstet sich der Spieler waffentechnisch auf. Zuerst gibt es Messer, Schlagringe oder Keulen, dann kommen Schrotflinten, Pistolen und Maschinengewehre zum Einsatz. Da die Maschinengewehre mit einem DNA-Schutz ausgerüstet sind, können sie erst nach einer Manipulation des Zentralrechners benutzt werden. Insgesamt stehen 15 verschiedenen Waffen zur Verfügung, die jedoch mit Bedacht eingesetzt werden sollten, da hier die Munition nicht, wie sonst üblich, an jeder Ecke herumliegt. Auch auf die Gesundheit muss geachtet werden. Zwar gibt es Möglichkeiten, diese ähnlich wie in Half-Life an Med-Stationen zu regenerieren, jedoch sind auch diese Möglichkeiten spärlich (aber ausreichend) in den einzelnen Level verteilt.

Die Atmosphäre, die in "The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay" erzeugt wird, kann durchweg als düster bezeichnet werden. Dies wird zum einen durch Licht- und Schatteneffekte, Nebel oder Rauch, zum anderen durch die Soundkulisse erzeugt. Die Hintergrundmusik passt gut zu dem Spiel und ist zu keiner Zeit aufdringlich. Der Sound hat es in sich. Alle Geräusche sind perfekt auf die jeweilige Umgebung abgestimmt. So hören sich Gespräche durch die Tür einer Gefängniszelle gedämpft an oder Schritte in einer Halle haben ein unheimliches Echo. Die Stimmen der Charaktere sind die Originalstimmen der Schauspieler aus dem Film, gut zu verstehen, jedoch nur in Englisch. In der deutschen Version muss man mit Untertiteln zufrieden sein. Die Steuerung ist, wie bereits erwähnt, logisch aufgebaut und einfach zu erlernen. Zwar sind alle Tasten des Controllers belegt, dennoch geschieht die Bedienung nach kurzer Zeit intuitiv. Eine individuelle Konfiguration der Tastenbelegung wurde leider nicht vorgesehen. Dann gibt es noch ein paar Kritikpunkte, die gegenüber dem restlichen Spiel aber verschwindend gering sind. Normalerweise ist das Spiel so aufgebaut, dass die Anzahl der Gegner sich nicht einfach erhöht. Ist ein Gegner aus dem Weg geräumt, bleibt er das auch. Es macht meistens sogar Sinn, die Leiche zu verstecken, damit seine Kollegen nicht aufmerksam werden. Nur in der Grube hausen Kreaturen, von denen es anscheinend unendlich viele gibt. Die einzige Möglichkeit hier zu überleben, ist so schnell wie möglich den Raum zu verlassen. Dies nervt und ist leider ein Bruch in dem sonst logisch aufgebauten Spiel. Dann ist da noch die Spieldauer. Zwei Nächte und man hat es geschafft, vorausgesetzt man konzentriert sich ausschließlich auf die Hauptmissionen. Natürlich liegt es auch daran, dass das Spiel sehr fesselnd ist und man mehr Zeit vor dem Fernseher verbringt als vorgesehen. Die Spieldauer kann nur durch den Versuch, alle Nebenmissionen zu lösen verlängert werden. Ein Multiplayer-Modus bzw. die Möglichkeit online zu spielen (Xbox-Live) würde dem Spiel mit Sicherheit gut tun. Glücklicherweise kann auf weitere Folgen aus der Riddick-Reihe gehofft werden.

Alles in Allem ist "The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay" eines der besten Action-Spiele, das zurzeit auf dem Markt ist. Das Gameplay ist abwechslungsreich, die Story nicht vorhersehbar und die Grafik einfach nur phantastisch.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Dolby® Digital-Unterstützung
Xbox Live-Erkennung