Xbox  
 
Toxic Grind
Preis: ca. EUR 50,-

Entwickler:
THQ

Erschienen bei:
THQ

Mit "Toxic Grind" hat THQ eine Art Sport-/Action-Simulation mit Storyline auf den Markt gebracht, die sich dadurch positiv von anderen Simulationen abhebt.

In aller Kürze kann die Story so zusammengefasst werden;
2086 wurde BMX, Skateboarding und alles Andere auf Rollen verboten. 2088 verblödet die Menschheit entgültig, denn alle Nachrichtensender wurden durch Reality-TV-Shows ersetzt. "Toxic Grind" ist hierbei der Dauerbrenner, bei dem BMX-Fahrer wortwörtlich um Ihr Leben fahren. Da ein "toter BMX-Fahrer" in Hinblick auf die Einschaltquoten ein "guter BMX-Fahrer" ist, gewinnt bei den Spielen immer nur der Sender. 2095 ist es dann soweit, dem Sender gehen die Radler aus. Aber kein Problem. Flux wird der ahnungslose XBOX-Spieler in der Person von Jason Hayes mittels einer Zeitmaschine von den "B'Max"-Spielen in San Francisco im Jahre 2002 ins Jahr 2095 entführt, wo er der unfreiwillige Star von "Toxic Grind" ist. Als Motivationshilfe wird ihm dann noch eine Ladung Gift in die Venen gespritzt und somit ist das Zeitlimit der einzelnen Level begründet.

Die einzelnen Level bzw. Missionen in diesem Story-Modus sind erfrischend abwechslungsreich gehalten. Steht einmal die Zeit im Vordergrund, ist ein anderes Mal die Punktzahl ausschlaggebend. In anderen Missionen muss eine Abfolge verschiedener Tricks absolviert werden und manchmal besteht das Missionsziel im Auffinden von Gegenständen. Das Spiel baut eine unglaubliche Atmosphäre auf und zieht den Spieler so in ihren Bann, dass das Versenken eines Flugzeugträgers (ein Missionsziel) gar nicht mal so abwegig erscheint. Auch die tödlichen Fallen sowie ebenfalls nicht gesundheitsfördernde Blitze gehören irgendwie zum Spiel. Die erste Mission beginnt in der Gegenwart und ist noch recht einfach. Das liegt vielleicht daran, dass sich in der Blutbahn nur die "normalen" Gifte tummeln und 20 Minuten für ein paar Tricks eine recht lange Zeit ist. Das zweite Missionsziel ist da schon höher gesteckt, denn es muss mindestens der dritte Platz bei den "B'Max"-Spielen in San Francisco erzielt werden.

Nach einer durchspielten Nacht musste auch ich (als bekennender Bedienungsanleitungsmuffel) eingestehen, dass es besser ist, zuerst den "Tutorial Mode" (Einführungs-Modus) durchzuarbeiten. Hier wird der Spieler Schritt für Schritt an die perfekte Beherrschung des BMX-Rades herangeführt, leider nur in Englisch. Danach konnte auch ich endlich die zweite Mission meistern, was auch gut war, denn die Motivation war schon ziemlich im Keller. Nun startet das eigentliche Spiel und die Missionen werden immer interessanter, dafür aber auch immer schwieriger. Die Steuerung ist eigentlich recht einfach und überschaubar gehalten, bedarf aber dennoch etwas Übung. Der Ministick steuert das Rad und in Kombination mit den vier Tasten (A,B,X,Y) werden unterschiedlichste Tricks ausgeführt. Die Steuerung kann auch nach eigenen Vorlieben umkonfiguriert werden, was bei anderen Spiele-Herstellern noch immer nicht selbstverständlich ist. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, dass die einzelnen "Tricks" auswendig gelernt werden müssen. So wird z.B. ein "No-Footed X-Up" mit der Kombination "Ministick links, rechts" und dann die Taste "X" ausgeführt, vorausgesetzt der BMX-Fahrer befindet sich gerade in der Luft.

Ärgerlich ist, dass sich die Steuerung nicht immer an das hält, was vorher "eingegeben" wurde. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich nicht genau sagen kann, ob es wirklich die Steuerung oder mein Unvermögen ist. Geht einer der Tricks in die Hose, stürzt der Fahrer ab und hinterlässt eine kunstvolle Blutspur. Die Punkte sind dann natürlich auch futsch. Apropos "Blutspur", die Grafik kann sich sehen lassen. Die verschiedenen Kurse oder besser gesagt Arenen sehen eindrucksvoll aus, sind sehr detailliert und vor allem groß. Teilweise wurden historische Plätze wie der Sherwood Forest oder griechische Swimmingpools als Vorbild herangezogen. Es wird aber auch auf einer Bohrinsel oder in einem Tunnel unter Wasser gefahren. Die Fahrer sehen ebenfalls gut aus und passen zu der Umgebung. Ihre Animation ist flüssig. Besonders rücksichtsvoll zeigt sich THQ im "Einführungs-Modus". Hier wird mit einem Crash-Test-Dummy geübt. Bei den Zwischensequenzen wurde komplett auf geränderte Figuren verzichtet. Sie sind im Comic-Stil gezeichnet und integrieren sich sehr gut in das Spiel. Die untermalende Musik entspricht dem Genre, wirkt aber nicht störend. Zum Sound gibt es auch nicht viel zu sagen, er ist wie gewohnt gut.

Damit das Spiel auch gesellschaftsfähig ist, wurde neben diversen Einzelspieler-Modi auch ein "Multiplayer-Modus" integriert. Im Split-Screen-Verfahren treten hier mehrere Spieler gegeneinander an und versuchen am Ende einer vorgegebenen Zeit die meisten Punkte oder in kürzester Zeit eine vorgegebene Punktzahl zu erreichen. Da der Gegner nur durch Zusammenstöße vor und hinter dem Bildschirm beeinflusst werden kann, wird dieser Modus wird erst dann interessant, wenn die höheren Level durch den "Story-Modus" freigespielt wurden, da hier ein Zusammenstoß auch mal in einer der diversen Fallen enden kann. "Toxic Grind" hebt sich von anderen "Xtreme-Sport auf Rollen-Simulationen" durch die in das Spiel integrierte Story ab. Die größte Hürde ist die Zweite Mission. Sie ist recht schwierig und man hat bis dahin eigentlich noch nichts vom Spiel gesehen. Wird diese Frustrationshürde aber überwunden, steigt die Motivation ungemein.

Bernhard Prommer