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Burnout Revenge
Preis: ca. EUR 60,-

Entwickler:
Criterion Studios

Erschienen bei:
Electronic Arts

Wer "Burnout Revenge" auf der XBOX360 gespielt hat, sollte am selben Tag kein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr mehr bewegen. Und das nicht nur wegen des Spielprinzips von "Burnout Revenge" und der damit einhergehenden erhöhten Unfallgefahr, sondern auch wegen der möglichen Depressionen, da aufgrund der vermittelten Geschwindigkeit auf der Konsole, sich das eigene Fahrzeug scheinbar nur noch in Zeitlupe fortbewegt.

"Die nächste Generation automobiler Anarchie mit unfassbar detaillierter Grafik und irrsinnigem Tempo", so beschreibt Electronic Arts selbst das Rennspiel "Burnout Revenge" für die XBOX360. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, denn es stimmt und das Spiel wird so perfekt beschrieben. Da "Burnout Revenge" in 2005 für die Xbox und PS2 auf den Markt kam, und nebenbei zum Rennspiel des Jahres gekrönt wurde, stellt sich natürlich zuerst die Frage, ob es bei der Portierung auf die neue Plattform grundlegende Änderungen gegeben hat. Hier lautet die Antwort eindeutig "jein". Das Spielprinzip ist gleich geblieben, was auch der unveränderte Name schon verrät, im Detail hat sich aber doch einiges getan. "Burnout Revenge" ist keine Rennsimulation. Es gibt keine Ideallinie, keine Bremspunkte, kein stundenlanges Feintuning am Setup oder den Motoren und vor allem keine Fairness. Ganz im Gegenteil, bei "Burnout Revenge" kommt es darauf an, seine Gegner abzudrängen, in Unfälle zu verwickeln und möglichst viel Schaden anzurichten, auch an unbeteiligten Dritten. Wer nachtragend ist, ist hier ebenfalls richtig. Wird ein Gegner durch gekonntes Abschießen von der Strecke eliminiert, hat man einen "Takedown" gelandet. Wird der Spieler aber selbst von der Fahrbahn geschupst, wird der, der es war als Revenge-Gegner gekennzeichnet. Schafft man es nun an diesem, ebenfalls mit einem Takedown, Rache zu nehmen, ist dies nicht nur gut für die Psyche sondern auch für das Wertungskonto. Daher kommt übrigens der Name des Spieles. Da die Rennen auf ganz normalen Straßen gefahren werden, gibt es auch Verkehr. Hier können fast alle Fahrzeuge, und dies ohne Rücksicht auf Verluste, einfach aus dem Weg geräumt und sogar als Waffe gegen seine Mitstreiter eingesetzt werden, ohne Konsequenzen für das eigene Fahrzeug, vorausgesetzt sie bewegen sich in Fahrtrichtung. Um Busse und Laster sollte aber ein Bogen gemacht werden, da eine Kollision mit diesen unweigerlich zu einem schön anzuschauenden Crash führen, leider mit dem eigenen Wagen. Der direkte Gegenverkehr, kreuzende Fahrzeuge sowie Mauern oder Wände führen zu dem Selben Ergebnis und sollten ebenfalls gemieden werden.

Eine Verbesserung ist am Schadensmodell der Fahrzeuge zu erkennen. Im Gegensatz zu der vorherigen Version fliegen hier viel mehr Teile durch die Luft und der Lack zerkratzt nachhaltig, was aber nur eine optische Spielerei ist und keinen Einfluss auf das Fahrverhalten hat. Eine riskante und rüpelhafte Fahrweise ist jedoch Voraussetzung bei "Burnout Revenge", denn wer besonders knapp am Gegenverkehr vorbeifährt oder möglichst großen Schaden anrichtet, bekommt die Boost-Anzeige aufgefüllt. Wird dieser Nachbrenner gezündet, beschleunigen die Fahrzeuge von "wahnsinniger Geschwindigkeit" auf "Lichtgeschwindigkeit". War die Burnout-Reihe schon immer dafür bekannt, das Maximum an gefühlter Geschwindigkeit aus den Konsolen herauszukitzeln, wurde bei der XBOX360-Version nochmals eins draufgesetzt. Hat das Fahrzeug die Endgeschwindigkeit erreicht, wird der Lenker nicht mehr viel von der Umgebung wahrnehmen. Die Gebäude und der andere Verkehr fliegen förmlich an einem vorbei und das Auge versucht hektisch die Streckenführung zu erkennen, was aufgrund dem großen Weitblick und der gigantischen Grafik der Strecken auch möglich ist. Hier stellt sich mir immer wieder die Frage, wie Rennfahrer es eigentlich schaffen, während eines Rennens noch ihre Instrumente abzulesen oder Einstellungen vorzunehmen. Schon ein Blick auf die Boost-Anzeige reicht bei mir aus, meinen Wagen gekonnt in eine Wand zu setzen. Passiert dies, wird dieser Unfall eindrucksvoll in Zeitlupe aus mehreren Perspektiven angezeigt. Viel Zeit, um sich von diesem Schock zu erholen bleibt aber nicht, denn schon nach wenigen Sekunden geht es weiter. Das Handling der Fahrzeuge ist gewohnt gutmütig und arcadelastig geblieben. Beschleunigen, Lenken und Boost sind die wichtigsten Handgriffe, das Bremsen ist eher unnötig. Dann gibt es noch einen Knopf für den "Crashbreaker" und die "Impact Time". Bei der "Impact Time" kann das Autowrack während eines Unfalles noch in die Richtung der Gegner gelenkt werden, um diese mit in den Untergang zu reißen und mit dem "Crashbreaker" wird dies perfektioniert, da hier das Fahrzeug gesprengt wird und somit noch mehr Schaden anrichten kann. Der "Crashbreaker" steht nun übrigens auch in der Welt-Tour zur Verfügung. Die Welt-Tour ist der Einzelspieler-Modus. Hier gilt es, sich offline in der Rangliste nach oben zu arbeiten. Nach und nach werden, mindestens ein dritter Platz oder das Erfüllen der gestellten Aufgabe vorausgesetzt, hier die knapp 80 Autos in über 160 Events freigeschaltet. Die Renn-Events bestehen immer noch aus Rennen, Road Rage oder Eliminator, um nur einige zu nennen. Ist es im Rennen wichtig als Erster das Ziel zu erreichen, müssen bei Road Rage so viele Gegner wie möglich ausgeschaltet werden und bei Eliminator explodiert alle 30 Sekunden das letzte Fahrzeug der Renngruppe.

Daneben wurden auch Crash-Events in das Spiel implementiert. Hier geht es einfach ausgedrückt darum, den größtmöglichen Schaden anzurichten. Gerade diese Vielseitigkeit machen "Burnout Revenge" schon für den Einzelspieler interessant. Richtig zur Sache, in Punkto Spielespass, Langzeitmotivation und Suchtfaktor, geht es aber beim Spiel gegen menschliche Gegner. Der Multiplayer-Modus lädt bis zu sechs Spieler ein, sich gegenseitig in Grund und Boden zu fahren. Hier soll ein Vernetzen der Xboxen möglich sein, aufgrund mangelnder Konsolen konnte ich dies aber nicht nachprüfen. Was aber nachgeprüft und für sehr gut empfunden wurde ist, das Spielen Online. "Burnout Revenge" ist das erste Spiel für die XBOX-360, bei dem es zu keinerlei Schwierigkeiten mit der Datenübertragung kam. Kaum auf dem Server eingeloggt, besteht die Möglichkeit einfach nur aus Spaß zu fahren oder den Versuch zu starten, in der Welt-Rangliste aufzusteigen. Neben einigen anderen Neuerungen sind hier die Live-Revenge-Rivalen besonders erwähnenswert. Über alle Takedowns, egal ob die eigenen oder die erhaltenen, wird akribisch Buch geführt. So können Gegner, mit denen noch eine Rechnung offen ist, leicht gefunden und aufs Korn genommen werden. Innige Freundschaften werden so natürlich nicht entstehen. Neben all diesen gelungenen Spielmöglichkeiten, hat sich auch der Gesamteindruck von "Burnout Revenge" weiterentwickelt. Die Grafik ist, wie bereits schon öfters erwähnt, einfach genial. Den unzähligen Fahrzeugen sieht man ihren PS-Überschuss förmlich an und sie lassen sich einfach und gutmütig steuern. Auch die Rennstrecken wurden nochmals verfeinert. Die Texturen sind enorm detailreich und abwechslungsreich. Obwohl sie aus der Xbox- oder PS2-Version schon bekannt sind, fiebert man doch jeder neu freigeschalteten Strecke entgegen. Auch an interaktiven Elementen wie Straßenschilder, Bistrotische oder Mülleimer wurde nicht gespart. Ebenso umfangreich ist die Hintergrundmusik ausgefallen. Über 40 Musikstücke von Bands wie Junkie XL, Pennywise oder sogar Apocalyptica untermalen das Spiel passend. Nur das miese Cover von "Break on Through" (The Doors) treibt dem Fan Tränen in die Augen. Dafür stimmt aber die Soundkulisse. Die Motorengeräusche klingen nochmals satter, die Bremsen noch energischer und das Splittern von Karbonteilen geht durch Mark und Bein. Kurz gesagt, es wird eine eindrucksvolle Atmosphäre aufgebaut.

Mit "Burnout Revenge" wurde ein Standard geschaffen, der beim Portieren von Spielen auf eine andere Konsolengeneration eingehalten werden sollte. Das Spielprinzip blieb weitestgehend unberührt, wurde aber verbessert und die Möglichkeiten der neuen Hardware wurden umgesetzt. Dann kommt noch hinzu, dass der Online-Modus endlich mal stabil ist und zum ersten Mal ist das Laufgeräusch des DVD-Laufwerk der XBOX360 überraschend leise, da die Silberscheibe hier nicht mit voller Geschwindigkeit dreht. Für diesen Service nimmt man gerne die leicht längeren Ladezeiten in kauf.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-6
Spielstände je 80kB
HDTV 480p/720p/1080i

Xbox-Live:
Online Multiplayer 2-6
Bestenlisten
Sprachausgabe