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F.E.A.R.
Preis: ca. EUR 55,-

Entwickler:
Day:1:Studios

Erschienen bei:
Vivendi Universal Games

Wer "F.E.A.R." im Ladenregal oder Online-Shop sieht, wird das Spiel auf den ersten Blick für einen normalen "Militär-Ego-Shooter" halten. Wer das Spiel jedoch spielt, wird es für Wahnsinn halten, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Eigentlich beginnt alles ganz normal, jedenfalls für einen Ego-Shooter. Terroristen haben einen Raumfahrtkomplex und jede Menge Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Seltsamerweise werden keine Forderungen gestellt. Die Regierung schickt ein Sonderkommando um die Situation zu klären, aber alle Soldaten sterben auf unerklärliche und recht grausame Weise. Nun kommt der, bis zum jetzigen Zeitpunkt noch recht entspannte, Spieler in das Spiel und übernimmt die Rolle eines Soldaten in der Eliteeinheit "F.E.A.R.". Dies ist die Abkürzung für "First Encounter Assault Recon", was soviel wie "Erstschlag, Angriff, Aufklärung" bedeutet, das englische Wort "fear" bedeutet aber auch "Angst" und die wird der Spieler mit Sicherheit bekommen. Dies ist einer der Unterschiede, die "F.E.A.R." von einem normalen Ego-Shooter abheben. Wie in einem guten Horrorfilm schafft es das Spiel, eine unerträglich beklemmende Stimmung aufzubauen. Halbdunkle verlassene Bürogebäude oder Lagerhallen, eine Taschenlampe, deren Leuchtkraft nur noch von der Leuchtdauer unterboten wird und eine Soundkulisse, die sich perfekt den unterschiedlichen Gegebenheiten anpasst, sind nur der Anfang und noch steigerungsfähig. Setzt nun deutlich hörbarer und beschleunigter Herzschlag ein und die Spielfigur befindet sich gerade zufällig in einem dunklen Keller, so sind die Panikattacken geradezu unumgänglich. In einer solchen Situation reichen dann oft die perfekt platzierten Kleinigkeiten wie eine Tür, die plötzlich zuschlägt, Lampen die plötzlich flackern oder ein Eimer, der aus einem Regal fällt aus, um heftig zu erschrecken. Ist dann auch noch eine Person aus dem Augenwinkel zu sehen, die im nächsten Moment wieder verschwunden ist, wird das Nervenkostüm noch stärker strapaziert, vor allem, wenn es sich bei dieser Person um ein blutüberströmtes Mädchen handelt. Als vollständig ruiniert kann dann das Nervenkostüm angesehen werden, wenn unsere Visionen einsetzen, also die der Spielfigur, nicht die Eigenen. Anhand dieser Visionen wird recht schnell klar, dass mit der Spielfigur selbst auch etwas nicht stimmen kann. Was das ist, warum die Visionen so blutig sind und was es mit dem Mädchen auf sich hat, muss aber jeder selbst herausfinden.

Schon allein diese Horror-Atmosphäre machen "F.E.A.R." zu einem äußerst interessanten Spiel. Da zudem auch noch die technische Seite stimmt, bleiben (fast) keine Wünsche offen. Als erstes fällt die beeindruckende Intelligenz der Gegner auf. Sie stellen sich schnell auf unsere Spielweise ein, ziehen sich zurück um taktisch von der Seite anzugreifen oder schießen auch schon mal ohne zu zielen hinter einer Kiste hervor, indem sie nur die Waffe über diese halten. Dann weichen sie auch noch gekonnt unseren Schüssen aus, suchen selbstständig Deckung und reagieren zu allem Überfluss auch noch auf den Schein unserer Taschenlampe, was den Überraschungseffekt ernsthaft zunichte macht. Hier hat "F.E.A.R." quasi einen neuen Standard geschaffen, an den andere Spiele erst einmal heranreichen müssen. Trotz der guten Gegner bleibt "F.E.A.R." aber spielbar und dürfte im leichtesten Schwierigkeitsgrad auch bei dem Genre-Neuling für schnelle Erfolgserlebnisse sorgen. Lediglich die Tatsache, dass Spielstände nicht beliebig gespeichert werden können, könnte hier ab und an für ein leises Fluchen sorgen. Die Steuerung wurde wiederum gut umgesetzt. Obwohl alle Taster, Schalter und Trigger des Controllers belegt sind, manche sogar doppelt, ist die Eingewöhnungsphase erfreulich kurz, zumal auch zu Beginn die einzelnen Funktionen knapp aber gut erklärt werden. Leider kann die Tastenbelegung nicht individuell eingestellt werden, was mich insofern getroffen hat, da ich aus irgendeinem Grund mit der "Waffen-Austausch-Taste" nicht zu Recht gekommen bin. Die Waffen können deshalb getauscht werden, da die Spielfigur nur drei verschiedene Waffentypen mit sich herumtragen kann, bei manchen bekommt aber jede Hand eine. Die Entscheidung kann da schon mal richtig schwer fallen, denn die Auswahl an gut umgesetzten Waffen ist ziemlich groß. Manchmal löst jedoch akuter Munitionsmangel das Problem ganz von alleine, wobei aber das Angebot an Munition, Erste-Hilfe-Kästen oder Panzerungen im Spiel ausgewogen ist. Die Waffen selbst sehen nicht nur gut aus, sondern hören sich auch so an. Die gesamte Soundkulisse ist, wie bereits erwähnt, sehr gut und stimmig auf das Spiel zugeschnitten. Die Position der Gegner kann anhand ihrer Schritte abgeschätzt werden, Körpertreffer verursachen schon beim Zuhören Schmerzen und der Klang eines versehentlich berührten Gegenstandes lassen den Spieler regelmäßig zusammenzucken. Über alledem liegt dann eine immer präsente Hintergrundmusik, welche aber niemals störend wirkt. Die Funksprüche, über die der Spieler regelmäßig mit Informationen versorgt wird, sind zu jeder Zeit klar und deutlich zu verstehen, was auch daran liegt, dass das gesamte Spiel in das Deutsche übersetzt wurde und dies mit vernünftigen Sprechern.

Dieses hohe Sound-Niveau wurde auch auf die Grafik übertragen. Die Effekte wie Explosionen oder das Spiel mit Licht und Schatten sind beeindruckend und zeigen, was mit der Xbox360 alles möglich ist. Selbst der eigene Schatten ist immer wieder zu sehen, dient aber hauptsächlich als Gruselelement. Anhand des Schattens ist übrigens zu erkennen, dass der Spielfigur Beine spendiert wurden und tatsächlich, wenn wir an uns herunterblicken ist ein Bein und ein Fuß zu sehen. Dies sei nur am Rande bemerkt, denn bei den meisten Ego-Shootern fehlt der Spielfigur jeglicher Unterleib. Bei "F.E.A.R." braucht der Spieler seine Beine, denn die einzelnen Level sind recht groß ausgefallen. Leider sind diese aber auch ziemlich linear aufgebaut, wenn auch zu manchen Orten immerhin mehrere Wege führen, was leider auch die Gegner schnell herausbekommen. Die Interaktion mit der Umgebung kommt auch nicht zu kurz. Scheiben zerbersten, Fässer und Kisten fliegen durch die Luft, Einschusslöcher bleiben bestehen und Türen können geöffnet werden, wobei man davor eigentlich immer etwas Angst hat. Dann gibt es noch eine Zeitlupen-Funktion, die nicht unterschlagen werden darf. Optisch ein Leckerbissen und spielerisch überlebensnotwendig, kann es während dieser Zeit mit mehreren Gegnern aufgenommen werden, da sich diese langsam und wir uns normal schnell bewegen, obwohl eigentlich bewegen sich die Gegner normal schnell und wir uns noch schneller…
Bei all diesen positiven Eigenschaften von "F.E.A.R." ist es schade, dass die zehn Level in ca. 12 Stunden durchgespielt sind. Glücklicherweise wurde ein Mehrspieler-Modus über Xbox-Live implementiert. Bis zu 16 Spieler können sich in acht verschiedenen Spielvarianten austoben. "Deathmatch", "Elimination" oder "Capture the Flag" sind hier die alten Bekannten, diese können aber auch zusätzlich mit der Zeitlupen-Funktion gespielt werden, was nicht nur neu ist sondern auch noch richtig Spaß macht.

"F.E.A.R." ist ein Spiel, das dem Action-Fan mit gutem Gewissen empfohlen werden kann, vorausgesetzt, er besitzt die PC-Version nicht, da diese sich kaum voneinander unterscheiden. Die Grafik und die Soundeffekte bewegen sich auf höchstem Niveau und die Steuerung ist gut gelungen. Die unglaublich hohe Intelligenz der Gegner im Einzelspieler-Modus sucht derzeit seines gleichen und sogar der Multiplayer-Modus wartet mit einer zusätzlichen, interessanten und unterhaltsamen Spielvariante auf. Dann ist da noch die Atmosphäre. "F.E.A.R." hat es geschafft, den Ego-Shooter und den Horrorfilm auf eine perfekte Art zu vereinen und schickt den Spieler auf einen Horrortrip, nach dem dieser nicht mehr so schnell freiwillig in den Keller gehen wird.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je 800kB
HDTV 480p/720p/1080i
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
Online Multiplayer 2-16
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