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Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II
Preis: ca. EUR 65,-

Entwickler:
Electronic Arts

Erschienen bei:
Electronic Arts

Echtzeitstrategiespiele und Konsolen waren bisher immer eine Kombination, die nicht so richtig harmonieren wollte. Die Grafik, Rechnerleistung und vor allem die Steuerung stellten scheinbar unüberwindbare Hürden dar. Mit "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" zeigt Electronic Arts, dass es doch funktionieren kann.

Bei Echtzeitstrategiespielen kommt es darauf an, taktisch vorzugehen und an mehreren Stellen gleichzeitig zu agieren. Es müssen Gebäude wie Festungen, oder Kasernen, sowie Verteidigungsanlagen wie Mauern oder Wehrtürme gebaut werden. Dann gilt es ausreichend Truppen auszubilden, damit die Stützpunkte auch bewacht bzw. verteidigt werden können und natürlich um Schlachten zu schlagen. Hierzu steht aber nur ein begrenzter Vorrat an Rohstoffen zur Verfügung und etwas Gold wird auch noch benötigt, das die besiegten Truppen nach einer Schlacht zurücklassen.
Wer nun die Xbox360-Umsetzung von "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" zum Anlass nehmen möchte, um neu in dieses Genre einzusteigen, sollte sich von dieser extremen Kurzbeschreibung nicht abschrecken lassen, denn es geht noch viel heftiger weiter, da auch Helden rekrutiert und mit besonderen Fähigkeiten ausgerüstet werden müssen oder diverse Upgrades für Gebäude und Einheiten verteilt werden können. Um richtig in das Spiel einzusteigen helfen die beiden guten und recht ausführlichen Tutorien weiter, zudem auch die Steuerung so gut erklärt wird, dass sogar der Blick in das Handbuch überflüssig wird. Wird ein solches Spiel am PC gespielt, kommen die Tastatur und die Maus zum Einsatz, welche bei einer Konsole bekanntermaßen fehlen. Hier hat Electronic Arts das schier Unmögliche möglich gemacht. Das Spiel ist mit nur einem Kontroller absolut spielbar. Mit dem rechten Analogstick wird gescrollt und gezoomt. Der linke Analogstick bewegt den Cursor und ersetzt somit die Maus. In Verbindung mit diversen Tasten und Trigger können nun Truppen ausgewählt, Menüs geöffnet, Heldenkräfte aktiviert oder Gebäude platziert werden. Nach ca. zwei Minuten hat man die Steuerung verstanden, nach ca. zehn Minuten kann man damit umgehen und nach etwa einer Stunde ist die Eingewöhnungsphase komplett vorbei, was bei einem solch komplexen Spiel enorm ist.

Ebenfalls enorm ist die Grafik. "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" ist die gelungene Portierung des gleichnamigen PC-Spieles, das seit Februar im Handel ist. Grafisch dem PC ebenbürtig auf höchstem Niveau, prügeln sich Scharen von Zwerge, Orks, Elfen, Trolle und Menschen auf dem Bildschirm. Jede einzelne Figur wurde sorgfältig animiert bis in das letzte Detail ausgearbeitet. Auch bei den Bauten und der Umgebung ist die große Liebe zum Detail deutlich zu erkennen und die Spezialeffekte muss man einfach gesehen haben. Da ein Röhrenfernseher aber nur beschränkte Grafikmöglichkeiten aufweist, ist hier schon ein HD-TV oder wenigstens ein PC-Monitor empfehlenswert, um in den Genuss des kompletten Spektrums der visuellen Reize zu gelangen. Lediglich der Zoom-Faktor für die Ferne hätte etwas größer ausfallen können, da es schon mal vorkommen kann, dass gerade bei größeren Schlachten die Übersicht verloren geht. Der Blickwinkel kann genretypisch nicht verändert werden. Die tolle Soundkulisse hilft übrigens bei der Orientierung. Ist die Xbox360 an eine entsprechende Anlage angeschlossen, können feindliche Truppen anhand ihrer stimmigen Geräusche wie Rüstungsklappern oder Grunzen lokalisiert werden. Jede Gruppe klingt anders und gibt auch andere Kommentare von sich. Die Kommentare sind abwechslungsreich, wie das komplette Spiel auf Deutsch, wiederholen sich aber auch schon immer mal wieder. Die Hintergrundmusik besteht aus dem orchestralen Originalsoundtrack sowie einigen neuen Stücken im selben Stiel. Die hier aufgebaute Atmosphäre ist absolut stimmig und überwältigend.
Rein technisch gesehen, hat Electronic Arts mit "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" ein absolut überzeugendes Spiel auf den Markt gebracht. Nun kommt es aber noch auf den Inhalt an. Wie der Titel verrät, handelt es sich hier um einen zweiten Teil. Leider wurden die großen Schlachten um Helms Klamm und Minas Tirith schon im ersten Teil auf dem PC geschlagen und sogar das Handbuch sagt "Nimm am Krieg im Norden oder an anderen unbekannten Schlachten teil.", was den leichten Beigeschmack von "unbedeutend" mit sich trägt. Die Handlung findet hier quasi parallel zum Hauptfilm statt, was in den Zwischensequenzen der Einzelspieler-Kampagnen immer wieder eindrucksvoll gezeigt wird. Auf diese Art wird die entsprechende "Der Herr der Ringe "-Atmosphäre schnell aufgebaut.

Zu Beginn der Einzelspieler-Kampagne muss sich der Spieler für eine Seite ("Gut" oder "Böse") entscheiden. Wer schon immer der Meinung war, dass Sauron der rechtmäßige Herrscher von Mittelerde ist, kann bei "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" auch die Steuerung der "Bösen" übernehmen. Die Tatsache, dass jede Rasse ganz eigene Fähigkeiten besitzt, macht das Spiel abwechslungsreich und interessant, jedenfalls so lange, bis die jeweils acht Missionen durchgespielt wurden. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist nicht zu hoch angesetzt und damit auch anfängerfreundlich. Bei der Intelligenz der Gegner müsste noch ein wenig nachgebessert werden. Überwiegend agieren die Gegner taktisch, positionieren sich gut und fallen auch mal in eine Flanke, dann aber ziehen sie sich auch immer mal wieder auf einen Punkt zurück und greifen von dort permanent frontal an. Kurz gesagt ist die Einzelspieler-Kampagne gut, fast ein Tick zu einfach und natürlich zu kurz, was bei dieser Art von Spielen aber immer so sein wird. Um die Langzeitmotivation braucht sich aber niemand Sorgen zu machen, denn "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" hat neben dem Gefecht-Modus einen guten Online-Modus. Bis zu acht Spieler können sich mit- und gegeneinander das Leben zur Hölle machen. Neben dem normalen Gefecht, bei dem nur eine Seite gewinnen kann, stehen noch vier weitere interessante Spielmodi zur Verfügung, die zum Teil an "capture the flag" erinnern.

Wie zu Beginn beschrieben sind die Grafik, Rechnerleistung und die Steuerung die Knackpunkte, die eine Umsetzung eines Echtzeitstrategiespieles auf eine Konsole schwierig machen. Dass es aber doch funktioniert hat Electronic Arts mit "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde II" eindrucksvoll bewiesen. Die Rechnerleistung liefert die Xbox360 selbstredend. Die Grafik ist eindrucksvoll und die einzelnen Armeen sind gut voneinander zu unterscheiden, ein entsprechendes Anzeigegerät vorausgesetzt. Die Steuerung wurde gut auf den Kontroller portiert und ist sehr schnell erlernbar. Lediglich der Inhalt der Einzelspieler-Kampagnen weist die gleichen Schwachpunkte auf, die schon bei der PC-Version bemängelt wurden. Dies wird aber durch den guten Online-Modus wieder wettgemacht.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1
Spielstände je 2,12MB
HDTV 480p/720p/1080i

Xbox-Live:
Online Multiplayer 2-4
Coop-Modus 2-4
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