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Ridge Racer 6
Preis: ca. EUR 65,-

Entwickler:
Namco

Erschienen bei:
Electronic Arts

Ein Rennspiel, das einen beim ersten Start mit einer gediegenen Runde original PacMan empfängt, kann per Definition, schon aus diesem Grund einfach nur gut sein. Dass es die Entwickler von Namco auch sonst noch drauf haben, ist ebenfalls daran zu erkennen, dass "Ridge Racer 6" erst einmal für die XBOX 360 und nicht für die PlayStation erschienen ist.

Wer sich "Ridge Racer 6" zulegt, darf keine Rennsimulation erwarten. Es gibt eigentlich keine Ideallinie, keine perfekten Bremspunkte und absolut kein Schadensmodell. Bei dem Spiel kommt es vielmehr darauf an, gekonnt mit den stark motorisierten Rennboliden um die Kurven zu driften. Hier kann die "Ridge Racer"-Serie ihren Ursprung aus der Arcade-Welt einfach nicht verheimlichen. Das Handling der nicht lizenzierten und teilweise mit ziemlich wohlklingenden Namen ausgestatteten Wagen ist sehr gut und, für den Neueinsteiger positiv, auch sehr einfach ausgefallen. Es kommt im Prinzip nur darauf an, den Start nicht zu verschlafen und vor engen Kurven kurz das Gas zu lösen um dann den Beschleunigungs-Trigger wieder voll durchzuziehen. Schon bricht das Fahrzeug aus und schliddert elegant um die Kurve. Das richtige Feingefühl beim Gegenlenken muss natürlich entwickelt werden, denn sonst kann es vorkommen, dass sich die Rennmaschine um 180 Grad dreht oder unkontrolliert hin- und herwedelt und dann ist die Geschwindigkeit weg und ein Sieg quasi unmöglich. Dies hängt natürlich stark mit dem Driftverhalten der Fahrzeuge zusammen. Hier hat Namco den verschiedenen Fahrzeugen auch unterschiedliche Drift-Typen verpasst, was auch mit Schwierigkeitsstufen vergleichbar ist. Der Neuling sucht sich besser Fahrzeuge mit dem vorgegebenen Drift-Typ "Sanft" aus. Das Gefährt ist zwar etwas langsamer, dafür aber gutmütig und berechenbar. Die beiden weiteren Drift-Typen "Standard" und "Dynamisch" sind dann für den Fortgeschrittenen bzw. für den Profi geeignet. Neben dieser Einteilung der Rennboliden, sind diese noch in vier Klassen unterteilt. Je höher die Klasse, desto aggressiver das Fahrzeug, das aber beherrscht werden will. Was alle Wagen aber gemeinsam haben, ist eine kurzfristige Beschleunigungsunterstützung, das Nitro. Bis zu drei Nitro-Ladungen können nacheinander oder am Stück abgefeuert werden. Die Nitro-Tanks werden nur durch Drifts wieder aufgefüllt, was den Schleudertrauma geplagten Fahrer dazu veranlasst, das Nitro auch in den Kurven zu verwenden. Das erfordert etwas Übung, macht aber unheimlich Spaß. Ohne Nitro sind eigentlich nur die Rennen zu gewinnen, bei denen die Regeln dieses auch ausschließen.

Weitere Regeln, die das Spielgeschehen erfreulich auflockern, sind ein Zweikampf, ein Viererkampf und das Rennen, bei dem die Nitro-Anzeige sich nur dann füllt, wenn zum Driften auch Nitro benutzt wird. Neben diesen Regeln gibt es bei "Ridge Racer 6" natürlich auch unterschiedliche Spiel-Modi. Die "Welterforschung" eignet sich für den Einzelfahrer und natürlich auch zum Üben. 111 unterschiedliche Rennen wollen hier bewältigt werden, wobei fast die gleiche Anzahl nochmals freigeschaltet werden kann, Siege natürlich vorausgesetzt. Daneben schaltet der erfolgreiche Rennfahrer auch noch die über 100 Fahrzeuge Stück für Stück frei. Zu Beginn zeigt sich die "Welterforschung" noch von ihrer freundlichen Seite. Die Gegner sind leicht zu überholen und ein Sieg kann schnell errungen werden. Nach und nach steigt aber der Schwierigkeitsgrad. Die anderen Fahrzeuge werden nicht nur schneller, sondern beginnen den Spieler zu blockieren oder rempeln ihn unsanft an, was zu einem unangenehmen Geschwindigkeitsverlust führt. Ebenfalls unangenehm fällt auf, dass die Anderen Fahrzeuge anscheinend bescheißen. So wird schon mal ein Nitro eingesetzt, obwohl dieser laut den Regeln gar nicht zur Verfügung stehen dürfte. Neben der "Welterforschung" gibt es für die Kurzweil noch das Einzelrennen und den Multi-Kampf. Im Einzelrennen kann ein beliebiges Fahrzeug und eine beliebige Strecke gewählt werden und es wird gegen den Rechner angetreten. Beim Multi-Kampf treten dann zwei Spieler via Split-Screen gegeneinander an. Wer es noch menschlicher mag, tritt online gegen bis zu 14 weitere Mitstreiter an. Hier kann entweder nur zum Spaß gefahren werden, wobei die Regeln selbst definiert werden dürfen oder man kämpft um einen Platz in der Weltrangliste. Der Online-Modus macht einen ordentlichen Eindruck, und ist gut besucht. Nur die Verbindung ist nicht immer stabil, was auch schon mal zu Synchronisationsproblemen führt. Gerade bei einem Weltranglisten-Rennen ist dies etwas nervig. Da die Online-Gegner auch richtige Gegner sind, ist es von Vorteil, vorher etwas zu üben.

Hier bietet sich neben den bereits erwähnten Spiel-Modi das Globus-Zeitrennen an. Der Spieler fährt alleine auf einer beliebeigen Rennstrecke, auf der jagt nach der Bestzeit. Diese Daten können dann via Xbox-Live auf eine globale Rangliste geladen werden und man sieht, wie die eigenen Fahrleistungen einzuordnen sind. Um sich zu verbessern, können hier neben den Details anderer Fahrer, z.B. wie oft das Nitro eingesetzt wurde, eingesehen und sogar die fremden Fahrdaten herunter geladen werden. Nun fährt ein Geisterfahrzeug, gespeist mit den diesen Daten, auf der selben Strecke und es können die unterschiedlichen Fahrstiele analysiert und mit dem eigenen verglichen werden. Schon diese grafische Raffinesse zeigt, welches Potential die Entwickler von Namco in "Ridge Racer 6" gesteckt haben. Die unzähligen Fahrzeuge sehen allesamt beeindruckend aus und glänzen so, als ob sie gerade eben aus dem Genfer Autosalon entsprungen wären. Aufgrund des fehlenden Schadenmodells ändert sich dies auch während des ganzen Rennens nicht. Die einzelnen Rennstrecken, die immer wieder variieren, können sich ebenfalls sehen lassen. Sie wurden sehr abwechslungsreich umgesetzt, nur ein paar mehr Details hätten sie vertragen können. Zwar sind die Texturen fein und der Weitblick ist enorm aber es gibt nur die stetig wechselnde Landschaft zu bewundern. Bis auf ein paar Schafe oder ab und zu ein Helikopter beobachtet niemand das Renngeschehen. Das Publikum wurde erst gar nicht an die Strecke gelassen, obwohl diese sicher wären, denn das Fahrzeug kann die Strecke nicht verlassen. Hier kommt, was das Fahrverhalten angeht, auch der einzige Kritikpunkt. Fährt der Spieler zu optimistisch in eine Kurve oder vergisst den Drift, schlägt die Rennmaschine in der Seitenbegrenzung ein und wird wieder davon weggeschleudert. Dies wäre in Ordnung, wenn sich dieser Vorgang nicht mehrmals wiederholen würde, als ob die Bande magnetisch ist. Da hilft dann nur das Abbremsen, fast bis zum Stillstand und das Rennen oder die Bestzeit ist natürlich im Eimer. Ansonsten ist das Fahrverhalten aber ausgezeichnet, wenn man den Arcade-Einfluss nicht außer Acht lässt. Auch die vermittelte Geschwindigkeit ist enorm. Gerade bei den oberen Fahrzeugklassen stellt sich nach kürzester Zeit ein Tunnelblick und das Gefühl, direkt auf dem Asphalt zu sitzen ein. Die verschiedenen Fahrbahnbeläge haben nicht nur Einfluss auf das Driftverhalten, sie sind auch wunderbar im Controller zu spüren. Die Steuerung ist einfach und intuitiv aufgebaut, wie bei Rennspielen eben üblich. Ebenfalls rennspielüblich zeigt sich die Soundkulisse und vermittelt eindrucksvoll die entsprechende Atmosphäre. Einzig der Moderator bzw. Kommentator nervt nach kürzester Zeit, da sein Sprachreportwahr sehr begrenzt ist. Er kann aber glücklicherweise abgeschaltet werden. Nicht abzuschalten braucht man die Hintergrundmusik. Unzählige Trance- oder Techno-Stücke passen untermalen das Spielgeschehen hervorragend.

"Ridge Racer 6" ist ein auf jedem Fall mehr ein Arcade-Spiel als eine Rennsimulation, was aber nicht als Nachteil ausgelegt werden soll. Das rasante Gameplay und doch recht einfache Fahrverhalten machen dieses Spiel auch für den Genrefremdling interessant. Eine gute Grafik, ein enorm umfangreicher Einzelspieler-Modus und der gute Sound runden das Paket ab. Gerade der große Umfang des Einzelspieler-Modus lassen aber auch den Wunsch auf ein paar mehr Rennstrecken aufkommen. Für die Langzeitmotivation und den Ehrgeiz sorgt der Online-Modus mit seinen Weltranglisten. Anders gesagt, endlose Stunden Drift-Spaß ist garantiert.

Bernhard Prommer

Features:
Spieler 1-2
Spielstände je 128kB
HDTV 480p/720p/1080i
Dolby® Digital-Unterstützung

Xbox-Live:
Online Multiplayer 2-14
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